Max Verstappen ist eigentlich nicht bekannt für Zurückhaltung, doch vor dem Großen Preis von Bahrain schlägt der Weltmeister eher leise Töne an. „Es wird heiß sein, und ich denke, es wird ein hartes Rennen für uns werden“, sagte der Niederländer vor der Reise in die Wüste. Denn auch sein erster Saisonsieg am vergangenen Sonntag hat nichts an den grundsätzlichen Problemen bei Red Bull geändert.
Der Triumph in Suzuka sei zwar „ein großartiger Moment“ gewesen, doch das Team habe weiterhin viel zu tun. „Es gibt immer noch Dinge, die wir am Auto verbessern können: Wir arbeiten noch an unserem Reifenmanagement und uns fehlt es an Geschwindigkeit. Also müssen wir hart arbeiten und das Auto ständig ans Limit bringen“, sagte Verstappen. Aufgaben, die der Hauptkonkurrent McLaren längst erledigt hat.
Die Konstrukteursweltmeister liegen nach drei Rennen recht komfortabel an der Spitze der Team-WM. Bei den Fahrern sieht das allerdings völlig anders aus. Gerade mal mit einem Punkt Vorsprung steht Lando Norris auf Platz eins - vor Verstappen. Der Abstand soll sich am Sonntag (17 Uhr MESZ) wieder vergrößern, und zwar deutlich.
Der Brite und sein australischer Teamkollege Oscar Piastri gehen als Topfavoriten auf den Sieg ins Rennen, denn die warmen Bedingungen beim Flutlichtspektakel in Sakhir kommen dem MCL39 stark entgegen. Piastri schwärmte im Sport-Bild-Interview zuletzt bereits, das papayafarbene Auto sei „das beste der Formel 1“. Man demonstriert also professionelle Gelassenheit bei McLaren, auch Norris sieht sich „gut in Schwung“ - legt aallerdings Wert auf eine Feststellung. „Die Saison ist noch sehr früh, aber wir sehen schon jetzt, dass jeder Punkt zählt“, sagt der 25-Jährige.
Denn auch McLaren hat durchaus noch Arbeit vor sich, weniger am Auto, viel mehr bei der Strategie. In Japan wäre mit einer alternativen Boxenstopp-Taktik zu Verstappen möglicherweise der dritte Sieg in Folge drin gewesen. So stehen Norris und Piastri bei jeweils einem Triumph im Jahr 2025 - und Verstappen ist zumindest mit Blick auf das Klassement mittendrin im Titelkampf.
Der Niederländer wird bei all den Problemen seines RB21 in Bahrain ein Wunder brauchen, um schon wieder ganz oben zu stehen, hat solche aber durchaus schon vollbracht. Aufgeben will er nicht. „Bahrain ist ein Ort, an dem wir immer gut gefahren sind“, sagte er. Um den McLaren annähernd gefährlich zu werden, muss ein perfektes Wochenende her. Sobald das Visier geschlossen ist, dürfte es vorbei sein mit der Zurückhaltung. (sid/kupo)
HINTERGUND
Fragen und Antworten zum Großen Preis von Bahrain
Was steht an?
Schon eine Woche nach dem Rennen in Japan geht es mit dem vierten Grand Prix der Saison in Bahrain weiter. Die Formel 1 gastiert bereits zum 21. Mal in Sakhir, Weltmeister Max Verstappen gewann dort die letzten beiden Male. Am Sonntag (17 Uhr MESZ) dürfte es für ihn nicht so einfach werden - obwohl er mit Oberwasser anreist.
Kann Max Verstappen wieder die McLaren ärgern?
Mit seinem überraschenden Sieg in Suzuka zeigte der Niederländer, dass mit ihm und Red Bull im Kampf um die WM zu rechnen ist. Ein Punkt fehlt ihm in der Gesamtwertung nur noch auf Spitzenreiter Lando Norris. Jetzt muss Verstappen mit seinem RB21 bei wärmeren Bedingungen an den Start gehen, die den McLaren-Boliden deutlich mehr entgegenkommen. Die Favoriten auf den Rennsieg sind daher eher Norris und Teamkollege Oscar Piastri. Aber: Für Verstappen gibt es auf den vier langen Geraden des 5,421 Kilometer langen Bahrain International Circuit mit drei DRS-Zonen theoretisch viele Überholmöglichkeiten.
Was ist mit Ferrari los?
Die Scuderia befindet sich bislang im Niemandsland und ist von den vier Topteams am schwächsten. Teamchef Fred Vasseur gab nach dem letzten Rennen zu, dass der Saisonstart „sicher nicht ideal“ verlaufen sei. Einzig beim Sprint in China konnte Rekordweltmeister Lewis Hamilton mit dem Sieg ein Glanzlicht setzen. Ansonsten bleibt der Brite in seinem neuen Team bislang hinter den Erwartungen zurück, Teamkollege Charles Leclerc schlug ihn in jedem Grand Prix. Den Vize-Konstrukteursweltmeistern fehlen schon 76 Punkte auf die Spitze. Ferrari muss dringend in die Spur finden, um die erfolgshungrigen Tifosi und die kritische Presse zu besänftigen.
Wie steht es um Nico Hülkenberg?
Der Emmericher ging nach seinen überraschenden Punkten beim Saisonauftakt zweimal in Folge leer aus. Auch beim vierten Grand Prix des Jahres sieht es für den Sauber-Piloten schlecht aus. Im Februar testete die Formel 1 auf dem Kurs im Mittleren Osten - Hülkenberg und sein brasilianischer Teamkollege Gabriel Bortoleto fuhren dabei nie in die Top Ten. Beiden steht ein schwieriges Wochenende bevor.
Was steht sonst an?
Am Freitag soll ein Treffen des Automobil-Weltverbands FIA und Präsident Mohammed bin Sulayem mit den Motorenherstellern der Königsklasse stattfinden, um eine Rückkehr von V10-Antrieben zu diskutieren. Viele Fahrer und Fans wünschen sich die laut brüllenden Motoren zurück, mit denen Rekordweltmeister Michael Schumacher sechs seiner sieben WM-Titel holte. Zurzeit kommen in den Boliden Sechszylinder-Motoren mit Hybridkomponenten zum Einsatz. Für 2026 wurde beschlossen, dass der elektrische Anteil fast 50 Prozent der Gesamtleistung ausmacht. Für Audi war diese Ausweitung der Elektrifizierung entscheidend, um in die Formel 1 einzusteigen. Eine Abkehr von den Plänen wäre für das ambitionierte Projekt des Autobauers aus Ingolstadt ein schwerer Schlag mit ungewissen Folgen. (sid/kupo)

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