Bereits am Freitagabend nach dem Spielabbruch hatten Verantwortliche des belgischen Fußballverbandes und des RSC Anderlecht, von dessen „Fans“ die Ausschreitungen ausgegangen waren, die Vorfälle scharf verurteilt. Sogenannte Supporter des Brüsseler Clubs hatten mit Rauchbomben, die sie wiederholt auf das Spielfeld warfen, zunächst zwei Unterbrechungen und schließlich den Abbruch des Spiels erwirkt. Für den Schiedsrichter war die Regel völlig deutlich: Wenn ein Spiel bereits zweimal unterbrochen wurde, und danach immer noch keine Ruhe einkehrt, hat er keine andere Wahl, als das Spiel abzubrechen. Und so geschah es am Freitagabend in Lüttich.
Fragen wurden laut nach den Sicherheitskontrollen an den Eingängen der belgischen Fußballstadien – dies auch im Zusammenhang mit den Aufgaben, die den Sicherheitsdiensten der Vereine aufgetragen sind, bzw. die der Polizei vorbehalten bleiben.
Der Fußballverband deutete an, dass der RSC Anderlecht neben dem sportlichen Aspekt (das abgebrochene Spiel wird wohl mit 5:0 für Standard gewertet werden) auch andere Konsequenzen zu erwarten habe. Eine Geldbuße von 50.000 Euro sowie eventuell ein oder mehrere Spiele unter Ausschluss von Zuschauern werden als möglich erachtet. Ein striktes und prinzipielles Stadionverbot für Zuschauer der jeweiligen Auswärtsmannschaft, so wie es in anderen europäischen Ligen teilweise bei Risikospielen praktiziert wird, sei aber (noch) nicht angebracht, hieß es in Stellungnahmen.
Das weitere Vorgehen des Verbandes hängt nicht zuletzt auch vom genauen Inhalt des Berichtes ab, den Schiedsrichter Lambrecht und der offizielle Beobachter des Verbandes einreichen werden. Dass die Verantwortung für die Zwischenfälle aber bei den Anhängern des RSC Anderlecht liegt, ist unbestritten. Die wenigen bengalischen Feuer, die die Supporter von Standard Lüttich abbrannten, waren im Vergleich zu den Vorfällen im violetten Block völlig harmlos.
Die Anderlechter Spieler übernachteten in Lüttich.
Die Spieler und Verantwortlichen des belgischen Rekordmeisters fuhren am Freitagabend nicht wie geplant nach Brüssel zurück, sondern verbrachten die Nacht aus Sicherheitsgründen in einem Lütticher Hotel. Bei ihrer Ankunft am heimischen Trainingszentrum am Samstagmorgen war zusätzliches Sicherheitspersonal anwesend, um weitere Zwischenfälle zu verhindern. Die Polizei ließ in der Nacht zum Samstag auch die Wohnungen einiger Anderlechter Spieler und Manager überwachen; es kam jedoch hier zu keinerlei Zwischenfällen.
Der Spielerbus des RSC Anderlecht wies übrigens auch einige Beschädigungen auf. Ob diese durch „rote“ (Standard) oder „violette“ (Anderlecht) Fans verursacht wurden, ist unklar.
Das bislang letzte Fußballspiel, das in unserem Land wegen Ausschreitungen abgebrochen werden musste, war das Spiel zwischen Charleroi und Standard Lüttich am 4. Dezember 2016. Damals führte Standard im „Stade du Pays de Charleroi“ mit 1:3. Die Anhänger beider Clubs waren damals für die Zwischenfälle als verantwortlich erklärt worden, sodass keiner der beiden Mannschaften Punkte zuerkannt worden waren. (belga/mako)

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