Hollywood steht wieder im Rampenlicht, wenn der wichtigste Filmpreis der Welt verliehen wird - mitten in einer angespannten Weltlage. Doch Oscar-Preisträger Edward Berger („Im Westen nichts Neues“) erwartet keine allzu politische Show. „Es ist Entertainment“, sagte Berger in Los Angeles. „Da bleibt Politik weitestgehend auf der Strecke. Es wird Witze geben, die werden lustig werden und natürlich auch Hiebe nach Washington, aber es wird im Rahmen des Entertainments bleiben“, führte er aus.
Golden-Globe-Gewinnerin Demi Moore (62) wird derweil dank ihrer Darbietung einer nach Jugend lechzenden Schauspielerin in dem Horror-Thriller „The Substance“ als Favoritin in der Sparte „Beste Schauspielerin“ gehandelt. Moore, die seit Jahrzehnten in Hollywood vor der Kamera steht, ist das erste Mal im Oscar-Rennen. Auch Kieran Culkin ist mit 42 Jahren ein Oscar-Neuling, doch die Trophäe als bester Nebendarsteller ist ihm praktisch sicher. In der laufenden Preissaison war er stets der Sieger, dank seiner bewegenden Bandbreite von Lachen bis Weinen in der Tragikomödie „A Real Pain“.
Zahlenmäßig führt der Musical-Thriller „Emilia Pérez“ mit 13 Gewinnchancen das Feld an. Die auf Spanisch gedrehte Produktion stellt damit einen Oscar-Rekord mit den meisten Nominierungen für einen nicht-englischsprachigen Film auf. Der Streifen, der wegen Kontroversen um Hauptdarstellerin Karla Sofía Gascón unter kritischer Beobachtung steht, ist eine Koproduktion von „Les films du Fleuve“, dem Unternehmen der Lütticher Filmemacher Jean-Pierre und Luc Dardenne. Das Drama „Der Brutalist“ und das Musical „Wicked“ folgen mit je 10 Nominierungen, der Vatikan-Thriller „Konklave“ und das Bob-Dylan-Biopic „Like A Complete Unknown“ mit jeweils acht Anwartschaften.
Ferner hat der belgische Regisseur Johan Grimonprez mit seiner Dokumentation „Soundtrack to a Coup d'état“ eine Nominierung in der Kategorie Bester Dokumentarfilm erhalten. Der Film beleuchtet die Ereignisse rund um die Ermordung von Patrice Lumumba und die darauffolgenden politischen Umwälzungen in Afrika. Besonders das Schicksal von Andrée Blouin, einer bedeutenden, aber oft vergessenen Aktivistin für Frauenrechte und Unabhängigkeit, steht im Mittelpunkt. Der flämische Regisseur Nicolas Keppens tritt mit „Beautiful Men“ in der Kategorie Bester animierter Kurzfilm an. Die skurrile Geschichte dreht sich um drei Brüder, die für eine Haartransplantation nach Istanbul reisen. Zudem ist die flämische Koproduktion „Wander to Wonder“ von Nina Gantz ebenfalls in dieser Kategorie nominiert. Eine weitere belgische Beteiligung gibt es bei „Flow“, dem Animationsfilm von Gints Zilbalodis, der in der Kategorie Bester Animationsfilm antritt und dessen Postproduktion in Brüssel stattfand.
Spannung bis zum Ende
Oder räumt am Ende das Indiedrama „Anora“ von US-Regisseur Sean Baker die meisten Trophäen ab? Branchenkenner räumen der sechsfach nominierten Lovestory um eine selbstbewusste Sexarbeiterin (Mikey Madison), die sich in einen russischen Oligarchen-Sohn verliebt, gute Chancen in der Königskategorie „Bester Film“ und für Regie und Original-Drehbuch ein. Bei den 97. Academy Awards bleibt es also bis zum Ende spannend. (dpa/belga/gz/sc)

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