Real fordert City: Königliches Selbstverständnis auf der Probe

<p>In den vergangenen drei Jahren trafen Manchester City (Kevin De Bruyne am Ball) und Real Madrid immer aufeinander, der Sieger gewann später den Henkelpott.</p>
In den vergangenen drei Jahren trafen Manchester City (Kevin De Bruyne am Ball) und Real Madrid immer aufeinander, der Sieger gewann später den Henkelpott. | Foto: Photo News

Es gehört gewissermaßen zum königlichen Selbstverständnis, dass Real Madrid immer dann glänzt, wenn es darauf ankommt. Große Triumphe, mitreißende Nächte, atemberaubende Aufholjagden - all das prägte einen nahezu unerschütterlichen Glauben, der dieser Tage aber auf eine harte Probe gestellt wird. Denn es rumort vor dem Gigantenduell mit Manchester City. Weil der Titelverteidiger das Siegen gegen die Großen verlernt hat – und heftig über Defensivprobleme und die „Fantastischen Vier“ diskutiert wird.

Die wankenden Schwergewichte, die sich fast überall sehen, aber sicher nicht in einem erbitterten Play-off-Duell ums Champions-League-Achtelfinale, haben vor dem Hinspiel am Dienstag (21 Uhr) vor allem mit sich selbst zu kämpfen. Es mag einigermaßen absurd klingen, doch ausgerechnet Reals millionenschwere Offensive, das Prunkstück mit Superstar Kylian Mbappé und Weltfußballer Vinicius Junior, sorgt aufseiten des Rekordsiegers für große Fragezeichen hinter der alles überlagernden Titelmission.

Erfolgscoach Carlo Ancelotti hat alle Hände voll zu tun. Zum einen, weil in der Abwehr unter anderem Antonio Rüdiger verletzt ausfällt und Mittelfeldspieler Aurélien Tchouaméni sowie Youngster Raúl Asencio in der Innenverteidigung den erstarkten Erling Haaland stoppen müssen. Zum anderen, weil er Fingerspitzengefühl im Umgang mit seinen Offensivstars beweisen muss. Und das ausgerechnet vor einer Paarung, die die Königsklasse in den vergangenen Jahren wie kaum eine andere geprägt hat.

Die Liga führt Real zwar an. Doch Ancelotti sucht weiter ein passendes Korsett, in dem Mbappé, Vinicius, Rodrygo und Jude Bellingham im Angriff wirbeln können, ohne dass die Stabilität darunter leidet. Laut spanischen Medien soll er sein Offensivquartett jüngst gegen Atletico Madrid (1:1) in der Pause mit Nachdruck an den taktischen Plan erinnert haben. Schon in der Vorwoche hatte Routinier Luka Modric Vinicius aufgrund dessen mangelnden Defensiveinsatzes angefaucht.

Kommen die angeschlagenen Citizens dennoch gerade recht? Die Krise des Titelträgers von 2023, der sich mit Ach und Krach gegen Club Brügge in die K.o.-Runde gerettet hat, nimmt bislang kein Ende. Doch die Königsklasse bleibt für Teammanager Pep Guardiola, der auch auf den nachgemeldeten Ex-Frankfurter Omar Marmoush setzen kann, die vielleicht einzige Chance, eine verkorkste Saison zu retten.

Die beiden Ausnahmeklubs waren schon in den vergangenen drei Champions-League-Spielzeiten in der K.o.-Runde aufeinandergetroffen. „So langsam sieht es aus wie ein Derby“, sagte Guardiola. Die jeweiligen Sieger der Duelle – zwei davon im Halbfinale, eines im Viertelfinale – sicherten sich den Titel.

Im Kräftemessen mit Europas Top-Klubs gab Real in dieser Saison zwar bislang kein besonders gutes Bild ab. Gegen den FC Barcelona setzte es zwei heftige Clásico-Pleiten, auch gegen den FC Liverpool und die AC Mailand verloren die Madrilenen. Doch es würde ins königliche Selbstverständnis passen, dass sich das Blatt wendet, wenn es darauf ankommt.

Der Dortmunder Druck wächst

Die Generalprobe verloren, ein wegweisendes Spiel in der Champions League vor der Brust – der Druck lastet schwer auf Trainer Niko Kovac und Borussia Dortmund. Das Play-off-Hinspiel bei Sporting Lissabon am Dienstag (21 Uhr) könnte bei einer Niederlage vorerst einer der letzten Auftritte des BVB in der Königsklasse werden, angesichts des Rückstands in der Bundesliga von nun sieben Punkten auf die Champions-League-Ränge droht den Dortmundern eine Zeit ohne Fußball auf höchstem internationalen Niveau.

Dabei kommt es vor allem darauf an, Viktor Gyökeres zu stoppen. 22 Tore in 20 Ligaspielen hat der schwedische Stürmer, für den sich wohl auch die Bayern interessieren, geschossen, dazu sechs Treffer bei sieben Champions-League-Auftritten. Am Freitag beim 1:1 bei der Generalprobe beim FC Porto gab er sein Comeback nach kurzer Verletzungspause und sollte fürs Dortmund-Duell fit sein. „Er macht viele Tore, aber jeden Stürmer kann man verteidigen“, sagte Abwehrspieler Waldemar Anton. Er erwartet Sporting als „spielstarken Gegner“, plädierte aber sowieso dafür, sich auf „unser Spiel“ zu konzentrieren. (sid/tf)

Die Play-offs der Champions League

Stade Brest – Paris Saint-Germain - Di., 18.45 Uhr

Sporting Lissabon – Borussia Dortmund - Di. 21 Uhr

Juventus Turin – PSV Eindhoven - Di., 21 Uhr

Manchester City – Real Madrid - Di., 21 Uhr

Club Brügge – Atalanta Bergamo - Mi., 18.45 Uhr

Celtic Glasgow – Bayern München - Mi., 21 Uhr

AS Monaco – Benfica Lissabon - Mi., 21 Uhr

Feyenoord Rotterdam – AC Milan - Mi., 21 Uhr

*Die Rückspiele finden am 18. und 19. Februar statt

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment