[Video] Belgische Koproduktion „Emilia Pérez“ geht als Favorit ins Oscar-Rennen

<p>Die Oscars werden in diesem Jahr am 2. März vergeben.</p>
Die Oscars werden in diesem Jahr am 2. März vergeben. | Foto: afp/belga

Viele Chancen für belgische Talente und Filmproduktionen bei den diesjährigen Oscars - eine ganze Reihe Anwärter aus dem Land könnten bei der Trophäengala am 2. März Gold holen. Rein zahlenmäßig liegen bei der 97. Oscarvergabe der Musical-Thriller „Emilia Pérez“, das Drama „Der Brutalist“ und das Musical „Wicked“ vorn. Die französisch-belgische Koproduktion „Emilia Pérez“ wurde 13 Mal nominiert, „Der Brutalist“ und „Wicked“ jeweils zehnmal.

Belgische Koproduktion „Emilia Pérez“ schreibt Oscar-Geschichte.

„Emilia Pérez“ schreibt nach Angaben der Filmakademie Oscar-Geschichte als nicht englischsprachiger Film mit den meisten Nominierungen überhaupt. Das spanischsprachige Musical des französischen Regisseurs Jacques Audiard wurde in Koproduktion mit Les Films du Fleuve, der Produktionsfirma der belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, realisiert.

„Der Brutalist“ ist die Geschichte eines jüdischen Architekten aus Ungarn, der nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA ein neues Leben beginnen will. Hauptdarsteller Adrien Brody setzt sich über 20 Jahre nach seinem Oscar-Gewinn für „Der Pianist“ in „The Brutalist“ wieder mit den Folgen des Holocaust auseinander. Im Kontrastprogramm dazu steht die Verfilmung des Broadway-Musicals „Wicked“ mit US-Superstar Ariana Grande als Hexe Glinda und Cynthia Erivo als Elphaba. Die beiden wurden ebenfalls nominiert - Grande als beste Nebendarstellerin, Erivo als beste Hauptdarstellerin.

Auch der Vatikan-Thriller „Konklave“ des Regisseurs Edward Berger ist mit acht Nominierungen einer der Spitzenkandidaten. „Konklave“ ist einer von zehn Anwärtern in der Topsparte „Bester Film“, zudem winken unter anderem Trophäen für Hauptdarsteller Ralph Fiennes und Nebendarstellerin Isabella Rossellini. Ebenfalls acht Nominierungen hat die Bob-Dylan-Filmbiografie „Like A Complete Unknown“.

In den Schauspiel-Sparten gehören Adrien Brody, Timothée Chalamet, Ralph Fiennes, Kieran Culkin, Edward Norton, Jeremy Strong, Cynthia Erivo, Demi Moore, Ariana Grande, Felicity Jones, Isabella Rossellini und Zoe Saldaña zu den Nominierten.

Gerade bei den Frauen sind viele zum ersten Mal im Oscar-Rennen. Demi Moore holte mit 62 Jahren ihre erste Anwartschaft mit ihrem furchtlosen Einsatz in dem Body-Horrorfilm „The Substance“ - als ältere Schauspielerin, die sich ein Wundermittel spritzt, um jünger auszusehen.

Erstmals dabei ist auch die spanische Trans-Schauspielerin Karla Sofía Gascón, die in „Emilia Pérez“ einen mexikanischen Kartellboss spielt, der sein Geschlecht zur Frau angleichen lässt. Newcomer Mikey Madison glänzt in „Anora“ als selbstbewusste Sexarbeiterin, auch die Brasilianerin Fernanda Torres (59) feiert ihre Oscar-Premiere. Die Brasilianerin überzeugt mit ihrer Rolle in „I'm Still Here“ von Regisseur Walter Salles. Der Film erzählt von einer Familie, die die grausamen Auswirkungen der brasilianischen Militärdiktatur in den 1970er Jahren miterlebt.

Aus belgischer Sicht sind die Nominierungen äußerst erfolgreich verlaufen. So ist „Beautiful Men“ des belgischen Regisseurs Nicolas Keppens in der Kategorie „Bester animierter Kurzfilm“ nominiert. Der Film erzählt die Geschichte von drei glatzköpfigen Brüdern, die nach Istanbul reisen, um sich einer Haartransplantation zu unterziehen. Auch die flämische Co-Produktion „Wander to Wonder“, ein Stop-Motion-Film der niederländischen Filmemacherin Nina Gantz, tritt in dieser Kategorie an.

Die belgische Koproduktion „Flow“ ist zweifach für die Oscars nominiert, in den Kategorien „Bester Animationsfilm“ und „Bester internationaler Film“. Der Animationsfilm des lettischen Regisseurs Gints Zilbalodis wurde weltweit bereits hoch gelobt und gewann unter anderem den Golden Globe für den besten Animationsfilm.

Die Dokumentation „Soundtrack to a Coup d’État“ des belgischen Regisseurs Johan Grimonprez ist derweil in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ nominiert. Der Film beleuchtet die Ereignisse nach der Ermordung von Patrice Lumumba, die zur Dekolonisierung mehrerer afrikanischer Länder führten. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Andrée Blouin erzählt, einer vergessenen Pionierin der Frauenemanzipation und Unabhängigkeit in Afrika. Blouin war während Lumumbas Amtszeit als Premierminister des Kongo eine enge Mitarbeiterin.

Gala soll trotz Feuerkatastrophe stattfinden.

Der Schock nach den verheerenden Großfeuern in Los Angeles mit mindestens 28 Todesopfern und mehr als 15.000 zerstörten Gebäuden sitzt tief. Die Katastrophe hatte zum Aufschub der Bekanntgabe der Nominierungen geführt. Doch an dem lange geplanten Gala-Termin am 2. März möchten die Veranstalter festhalten. Akademie-Chefin Janet Yang und Geschäftsführer Bill Kramer betonten, im Rahmen der Zeremonie auch den vielen Feuerwehrleuten und Helfern Tribut zu zollen und die Film-Community „in dieser schwierigen Zeit“ zu feiern und zu unterstützen.

Diese Aufgabe fällt teilweise auch einem Oscar-Neuling zu. Der US-Comedian Conan O'Brien steht bei der Gala zum ersten Mal als Moderator auf der Bühne, als Nachfolger des Comedians Jimmy Kimmel. O'Brien hatte jahrzehntelang seine eigene Late-Night-Show und arbeitet derzeit vor allem als Podcast-Gastgeber. (belga/svm/dpa)

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