Die Frauen waren die ersten der insgesamt 33 Verschleppten, die im Rahmen der zunächst sechswöchigen Waffenruhe freikommen sollen. Im Gegenzug leitete Israel die Entlassung 90 palästinensischer Frauen und Minderjähriger aus der Haft ein.
Insgesamt sollen in der ersten von drei Phasen einer unter Vermittlung von Katar, Ägypten und den USA ausgehandelten Vereinbarung 1.904 palästinensische Häftlinge im Austausch für die Geiseln freikommen. Ob ein dauerhaftes Ende der Kämpfe erreicht werden kann, hängt von Verhandlungen über besonders strittige Punkte ab, die in gut zwei Wochen beginnen sollen.
Die drei Frauen waren mehr als 15 Monaten in der Gewalt der Hamas.
Bei den ersten freigelassenen Geiseln handelt es sich um die Zivilistinnen Romi Gonen (24), Emily Damari (28) und Doron Steinbrecher (31). Sie wurden von bewaffneten Hamas-Mitgliedern an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und dann der israelischen Armee übergeben.
In Israel wurden sie von ihren Müttern in die Arme genommen. Anschließend sollten die Frauen in ein Krankenhaus bei Tel Aviv geflogen werden. Örtliche Medien berichteten unter Berufung auf das Rote Kreuz, dass die drei Frauen zumindest physisch insgesamt in guter Verfassung waren. Darauf deuteten auch erste vom Militär veröffentlichte Videoausschnitte hin. Terroristen hatten die drei jungen Frauen während des Massakers in Israel am 7. Oktober 2023 verschleppt und seitdem im Gazastreifen festgehalten. Romi Gonen wurde vom Nova-Musikfestival nahe der Grenze zum Gazastreifen entführt und dabei verletzt. Der Vater der 24-Jährigen sagte der Nachrichtenseite ynet vor der Freilassung, die Familie habe mehr als 11.000 Stunden auf diesen Moment gewartet.
Die beiden anderen Frauen wurden aus ihren Häusern im Kibbuz Kfar Aza als Geiseln entführt. Doron Steinbrecher besitzt zusätzlich die rumänische Staatsangehörigkeit. Emily Damari hat neben der israelischen auch die britische Staatsbürgerschaft. Damari hat während der Entführung durch die Hamas zwei Finger verloren. Das berichteten mehrere israelische Medien übereinstimmend unter Berufung auf Damaris Familie.
Mit dem Inkrafttreten der Waffenruhe im Gazastreifen liefen dort nach Angaben örtlicher Sicherheitskräfte auch verstärkte Hilfslieferungen für die notleidende Bevölkerung an.
Hilfslieferungen für notleidende Gaza-Bewohner
Arabischen Medienberichten zufolge waren knapp 200 Lastwagen auf dem Weg in das Palästinensergebiet. Auf Fernsehbildern waren bereits leere Lastwagen zu sehen, die nach Ägypten zurückkehrten, nachdem sie ihre Ladung im Transitbereich abgeladen hatten.
Die humanitäre Lage war in Gaza schon vor Kriegsbeginn im Oktober 2023 schlecht und hat sich durch Israels massive Bombardierungen dramatisch verschärft. Mehr als 90 Prozent der gut zwei Millionen Einwohner des Gazastreifens leiden nach UN-Angaben starken Hunger. Es fehlt demnach zudem an Trinkwasser, Notunterkünften und Arzneimitteln.
Im Rahmen der Waffenruhe muss sich die israelische Armee zudem aus den Bevölkerungszentren des Gazastreifens zurückziehen.
Bei den freizulassenden Palästinensern handelt es sich nach Regierungsangaben um 1.167 Bewohner des Gazastreifens, die nicht an dem Massaker vom 7. Oktober 2023 in Israel beteiligt waren. Die anderen 737 sind Häftlinge, die wegen leichterer Delikte wie Steinwürfe im Westjordanland oder illegalem Grenzübertritt sowie auch illegalem Waffenbesitz oder anderer Gesetzesverstöße verurteilt wurden.
Darunter sind aber auch Häftlinge, die wegen schwerer Straftaten wie etwa Mord einsitzen. Das israelische Justizministerium veröffentlichte eine Liste mit insgesamt 22 Häftlingen, denen schwere Angriffe auf Israelis vorgeworfen werden. Bei den kommenden Verhandlungen geht es um die größten Streitpunkte, die bisher ausgeklammert wurden. Die Hamas fordert den vollständigen Abzug der israelischen Armee aus dem Küstenstreifen und eine Garantie, dass die Kämpfe dauerhaft beendet sind.
Palästinensischen Angaben zufolge sind am Sonntagabend die ersten Palästinenser aus einem Gefängnis nach Ost-Jerusalem gebracht worden. Dort seien sie in eine Polizeistation gebracht worden, vor der Angehörige auf die Entlassung warteten, teilte das Pressebüro der palästinensischen Autonomiebehörde mit. Eine frühere Mitteilung des Pressebüros, wonach einige der Freigelassenen bereits bei ihren Familien seien, wurde später korrigiert.(dpa/mo)

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