Lindsey Vonn setzte sich ihre Micky-Maus-Wollmütze auf den Kopf und gab sich selbst den Partybefehl. Platz sechs bei der ersten Abfahrt seit ihrem Comeback, erst recht aber Rang vier im Super-G werde mit „ein paar Red-Bull-Wodkas“ begossen, kündigte die einstige Speed Queen in St. Anton mit strahlendem Lächeln an. Sie hatte allen Grund dazu: Vonn nähert sich bei ihrer märchenhaften Rückkehr rasant dem Podest und gehört drei Wochen vor der WM wieder zu den ernsthaften Medaillenkandidatinnen.
„Das ist ein großer Tag für mich, der Wahnsinn“, jubelte sie schon nach ihrer fulminanten Abfahrt am Samstag und sprach angesichts all der Kritik von einer Genugtuung: „Das war meine Antwort!“ Im Super-G legte sie mit einem „wilden Rodeo“ noch einen drauf, aus der einstigen Speed-Queen wird die Comeback-Queen. Taktisch sei sie wieder die Alte, betonte Vonn, „ich weiß genau, wo ich Linie geben oder direkt fahren muss“, nur die körperliche Form sei noch nicht bei hundert Prozent.
Es reichte, um die Konkurrenz aufzuschrecken. In der Abfahrt lag sie bis zur letzten Zwischenzeit auf Podestkurs, am Ende fehlten 0,58 Sekunden auf Federica Brignone, die erstmals in der Königsdisziplin gewann. „Es ist ein unglaubliches Comeback“, staunte die Italienerin über Vonn, „ich hatte echt die Befürchtung, dass sie gewinnt.“
Im Super-G verhinderte nur ein Beinahe-Ausflug im Mittelteil die erste „Stockerl“-Fahrt der 40 Jahre alten US-Amerikanerin seit WM-Bronze 2019 (Abfahrt), es fehlten 38 Hundertstel. Von Teamkollegin Lauren Macuga, die ihren ersten Sieg holte, trennten sie 1,24 Sekunden.
„Ich weiß, ich kann mich noch verbessern“, sagte Vonn, „das ist mein Ziel – jeden Tag einen weiteren Schritt.“ Bis zur WM in Saalbach mit den Speedrennen am 6. und 8. Februar. Mit Blick auf den Saisonhöhepunkt schickte Vonn schon mal eine saftige Kampfansage an ihre Rivalinnen: „Ich habe nichts zu verlieren.“ (sid/tf)

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