18 Jahre Schöffe in Büllingen: Wolfgang Reuter hat die Kontakte besonders geschätzt

<p>Als Kollegiumsmitglied hat Wolfgang Reuter (l.) den Umbau des Büllinger Rathauses verfolgen dürfen.</p>
Als Kollegiumsmitglied hat Wolfgang Reuter (l.) den Umbau des Büllinger Rathauses verfolgen dürfen. | Fotos: GE-Archiv

Wolfgang Reuter zeigte sich im Jahr 2006 nicht abgeneigt, als der langjährige Schöffe Herbert Rauw ihm eine Kandidatur auf kommunalpolitischer Ebene vorschlug: „Ich war politisch schon immer interessiert. Ich dachte mir: Wenn es gut läuft, ziehe ich in den Gemeinderat ein. Das sollte aber das Maximum sein.“

Mit dem sofortigen Aufstieg zum Schöffen hatte Wolfgang Reuter nicht gerechnet.

Die Liste unter der neuen Führung von Friedhelm Wirtz erreichte die absolute Mehrheit und Wolfgang Reuter gelang im Alter von 37 Jahren der Sprung in den Gemeinderat – als einziger Mehrheitsvertreter aus der Altgemeinde Manderfeld. „Also wurde ich gefragt, ob ich Schöffe werden möchte. Damals galt noch die klare Regel, dass jede Altgemeinde einen Schöffen stellen sollte. Dieser Schritt war eigentlich nicht Teil meiner Berufsplanung. Ich wollte unsere Metzgerei in Manderfeld vergrößern. Letztlich habe ich mich bereiterklärt, das Amt zu übernehmen, was ich nie bereut habe. Wenige Monate später haben wir uns sogar für eine betriebliche Umstrukturierung entschieden, da beides zusammen nicht zu stemmen war. Diese Entscheidung ermöglichte mir, an zusätzlichen Tagen für die Gemeinde im Einsatz zu sein.“

Zu seinen ersten Zuständigkeiten gehörten der Tourismus, die Vereinswelt und die Ländliche Entwicklung. Letztere hat ihm über die Jahre positive Erfahrungen beschert: „Es war eine interessante und schöne Aufgabe. Bei den zahlreichen Versammlungen durfte ich viele Dörfer und Menschen kennenlernen. Diese bleibenden Kontakte habe ich zu schätzen gelernt. Natürlich waren nicht immer alle Gesprächspartner meiner Meinung, aber persönliche Anfeindungen habe ich in den 18 Jahren sehr wenig erfahren.“

<p>Die Projekte der Ländlichen Entwicklung, wie das renovierte Spritzenhaus in Hünningen, lagen Wolfgang Reuter am Herzen.</p>
Die Projekte der Ländlichen Entwicklung, wie das renovierte Spritzenhaus in Hünningen, lagen Wolfgang Reuter am Herzen.

Zu den Großprojekten der Ländlichen Entwicklung gehörten zwischen 2006 und 2018 das Dorfhaus in Holzeim, der Dorfplatz in Manderfeld und das Spritzenhaus in Hünningen. Die Projekte seien nicht gänzlich unumstritten gewesen: „Doch keines war in meinen Augen eine Fehlentscheidung. Sie haben heute alle ihren Nutzen und waren von der Bevölkerung bei den Bürgerversammlungen gewünscht.“

Daneben habe es zahlreiche kleine Projekte gegeben, unter anderem Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität und der Abwasserklärung oder Aktionstage in den Schulen. Die Kulturtafeln an allen Kirchen und Kapellen wurden geschaffen sowie vieles mehr. In seiner dritten Legislaturperiode übernahm Wolfgang Reuter die öffentlichen Arbeiten und durfte mit dem Dorfhaus und der Sporthalle in Büllingen ein weiteres Projekt dieser Art begleiten. Zudem ist der Startschuss für den Dorfplatz in Mürringen gefallen.

Im Alter von 55 Jahren hat Wolfgang Reuter vergangenes Jahr auf eine erneute kommunale Kandidatur verzichtet. Die Gründe hat er bereits im Herbst 2023 auf GE-Nachfrage wie folgt dargelegt: „Zunächst aus gesundheitlichen Gründen, weil ich zu Beginn des Jahres einen Herzinfarkt erlitten habe. Dann ist mein Vater verstorben, der mich stets in meiner Metzgerei unterstützt hat. Dort ist also mehr Arbeit auf mich zugekommen. Und es gibt Dinge, die mir politisch auf den Magen geschlagen sind.“

Auch zum jetzigen Zeitpunkt möchte der Manderfelder nicht genauer auf die politischen Gründe eingehen: „Im Sommer 2023 hat eine gemeindeinterne Angelegenheit den Ausschlag gegeben. Daraufhin habe ich mir gesagt: ‚Nein, das tue ich mir nicht mehr an.‘“ Nach drei Legislaturperioden sei ohnehin der Zeitpunkt gekommen, aufzuhören. „Die körperliche Belastung wird nicht weniger.“ Auch ein möglicher Bürgermeisterposten habe ihn nicht gereizt.

An dieser Stelle möchte sich Wolfgang Reuter bei allen Personen bedanken, die es ihm ermöglicht haben, den Schöffenposten während 18 Jahren zu bekleiden: „Insbesondere bei meiner Familie und meiner Frau, die mir stets den Rücken gestärkt und nie einen Termin der Gemeinde in Frage gestellt hat. Es war mir eine große Ehre, dieses Amt auszuführen.“

Den Wahlkampf vor den letztjährigen Kommunalwahlen hat der Ex-Schöffe aufmerksam beobachtet: „Ich habe mich aber völlig aus dem Wahlkampf herausgehalten. Mit beiden Spitzenkandidaten habe ich stets gut zusammengearbeitet. Ich habe mit einem knappen Abschneiden gerechnet, aber ein so deutliches Ergebnis hätte ich nicht erwartet. Michael Schmitt war als Schöffe sehr engagiert. Das war nicht der ausschlaggebende Punkt. Die Bevölkerung wollte einfach etwas Neues. Dem ist Michael Schmitt zum Opfer gefallen.“ Und weiter: „Die Bürger hatten das Glück, gute Kandidaten auf verschiedenen Listen vorzufinden. Bei den Personen, die im Gemeinderat vertreten sind, bin ich mir sicher, dass es eine gute und vernünftige Zusammenarbeit zum Wohle der ganzen Gemeinde wird.“

Diese Ratsmitglieder werden am kommenden Dienstagabend über seine Ernennung zum Ehrenschöffen befinden. Zugleich soll Friedhelm Wirtz zum Ehrenbürgermeister ernannt werden.

<p>Von 2014 bis 2019 war Wolfgang Reuter Mitglied des DG-Parlaments in Eupen.</p>
Von 2014 bis 2019 war Wolfgang Reuter Mitglied des DG-Parlaments in Eupen.

Zwischenzeitlich hat ein Intermezzo Wolfgang Reuter in das DG-Parlement geführt. Von 2014 bis 2019 gehörte er der ProDG-Fraktion an: „Es ist eine ganz andere Arbeit, die nicht mit der kommunalen Ebene zu vergleichen ist. Aber sie war sehr interessant. Ich habe es als Vorteil empfunden, das Terrain als Schöffe zu kennen, beispielsweise als es um das Jugenddekret ging. Einen Interessenkonflikt hat es meines Erachtens nie gegeben.“

Würde ihn eine erneute Kandidatur für das DG-Parlament im Jahr 2029 reizen? „Ich habe noch nicht darüber nachgedacht. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Thema für mich.“

Vorerst möchte sich Wolfgang Reuter „einem anderen Lebensabschnitt“ widmen und mehr Zeit für die Familie und die persönlichen Projekte haben. Nach dem Ende der Legislaturperiode und dem Weihnachtsgeschäft in der Metzgerei tue es nun gut, „mehr Luft und den terminlichen Druck nicht mehr zu haben“. Als Präsident der Initiative „Manderfelder Land“ möchte er sich weiterhin aktiv einbringen. Aktuellstes Projekt ist der Bau einer kleinen Lagerhalle: „Ich möchte den Verein für die nächsten Jahre festigen und in naher Zukunft meine Nachfolge in die Wege leiten. Derartige Vereine haben einen wichtigen Nutzen für die Dörfer.“

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