Notre-Dame: Wiedereröffnung mit belgischer Note

<p>Blick ins Innere der Kathedrale</p>
Blick ins Innere der Kathedrale | Foto: Photo News

In einer feierlichen Zeremonie öffnet die Pariser Notre-Dame am Samstagabend (19 Uhr) ihre Türen wieder. Hunderte Gäste, darunter mehrere Dutzende Staatsoberhäupter, nehmen daran teil. Die religiöse Zeremonie begleitet der Erzbischof von Paris Laurent Ulrich. Mit einem großen Konzert gegen 21 Uhr mit Stars aus Pop und Klassik, darunter Klavierlegende Lang Lang und der Tenor Benjamin Bernheim, soll das Event zu Ende gehen, abhängig vom Wetter. Bei der Wiedereröffnung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgt, kommen rund 6.000 Sicherheitskräfte zum Einsatz.

Die Wiedereröffnung des Bauwerks ist auch mit einer belgischen Note verbunden, denn mehrere Unternehmen und Handwerker aus unserem Land waren beteiligt. „Es ist eine große Ehre, an diesem Projekt mitgewirkt zu haben“, sagt beispielsweise Philippe Sequaris. Sequaris ist Architekt bei den „Carrières du Hainaut“ in Soignies. Das Unternehmen wurde ausgewählt, um die benötigten Blausteine zu liefern, die erforderlich waren, um den stark beschädigten Boden der Kathedrale wiederherzustellen. Der Schaden entstand durch den Einsturz und das Schmelzen eines Gerüsts während des Brands. „Es wurden Blausteine mit einer besonderen Färbung benötigt“, erklärt Sequaris. „Doch im Norden Frankreichs sind die Steinbrüche erschöpft, daher wandte man sich an den größten Blausteinbruch Europas. Der Chefarchitekt eines französischen Unternehmens, das auf den Denkmalschutz spezialisiert ist, brachte eine Probe mit einer sehr spezifischen Farbe mit. Wir konnten diese Farbe reproduzieren, indem wir den Stein entsprechend schleiften. So konnten wir eine exakte Kopie des Bodens vor dem Brand garantieren.“ Insgesamt liefern die „Carrières du Hainaut“ 50 Prozent des neuen Bodens von Notre-Dame. „Das entspricht fast 2.000 Platten mit den Maßen 64 cm x 64 cm, also insgesamt 800 m². Das ist zwar keine riesige Fläche (40 Meter lang und 20 Meter breit), aber angesichts der Bekanntheit dieses weltweit berühmten Denkmals ist es vermutlich das wichtigste Projekt, an dem wir je gearbeitet haben.“

Da der Boden von Notre-Dame aus einem Schachbrettmuster besteht, hat auch der hellere Teil des Bodens einen belgischen Beitrag. Obwohl hierfür Lunel-Stein verwendet wurde, wurden die Steinblöcke in einer Sägemühle der Steinbrüche von Maffle in Ath zugeschnitten. „Wir können stolz darauf sein, dass der Boden von Notre-Dame in irgendeiner Weise im Hennegau bearbeitet wurde“, freut sich Philippe Sequaris. In Paris werden die Blicke sicherlich gen Himmel gerichtet sein, um die beeindruckende Rekonstruktion des Querschiffs zu bewundern. „Doch der Boden wird zwangsläufig ebenfalls Beachtung finden. Wenn man geht, schaut man selten zur Decke“, scherzt Sequaris. Obwohl Frankreich verständlicherweise französische Handwerker bei der Restaurierung von Notre-Dame bevorzugte, mussten einige Arbeiten ins Ausland vergeben werden. Auch andere belgische Unternehmen waren an der Restaurierung des Pariser Denkmals beteiligt.

Darunter die belgische Gruppe Monument (Ingelmunster), die auf die Restaurierung historischer Bauwerke spezialisiert ist – sie restaurierte unter anderem die Kathedrale St. Michael und St. Gudula in Brüssel. Monument spielte eine wesentliche Rolle bei der Wiederherstellung des Querschiffs, das durch den Einsturz des Spitzturms von Notre-Dame zerstört worden war. „Unsere Steinhauerei-Werkstatt spielte eine entscheidende Rolle bei der Restaurierung dieser einzigartigen Kathedrale“, schrieb die Gruppe auf Facebook. „Neben den Fassaden des Querschiffs – den Nord- und Südpfeilern – haben wir in unserer Werkstatt auch die Spitzen des Hauptschiffs vorbereitet. Wir sind besonders stolz darauf, den strengen Anforderungen unseres französischen Kunden gerecht geworden zu sein, der unser Know-how und unsere Präzision schätzte und gleichzeitig einen äußerst engen Zeitplan einhielt. Wir sind stolz darauf, für immer mit dieser ikonischen Kathedrale verbunden zu sein… einem historischen Denkmal von Weltrang.“ Das ist noch nicht alles: Nach dem Brand lieferte das Unternehmen Artbois aus Ètalle (Provinz Luxemburg) zudem Balken, um das Dach der Kathedrale zu stabilisieren. (sc)

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