„Im Februar, mitten in der Krise, haben die Politiker uns große Versprechungen gemacht. Die meisten davon sind sie nicht eingegangen. Und jetzt sind sie bereit, ein Abkommen wie Mercosur zu verabschieden“, klagt ein junger Landwirt, der an der Protestaktion teilnimmt. Dieses Handelsabkommen würde es ermöglichen, Produkte zu importieren, die nicht den strengen europäischen Standards entsprechen, erklärt er weiter.
Ein anderer Demonstrant hebt das Problem der fehlenden Rückverfolgbarkeit bei verarbeiteten Lebensmitteln hervor. „Wenn Konsumenten Produkte kaufen, die verarbeitet wurden, merken sie oft gar nicht, dass das Fleisch aus Ländern stammt, wo völlig andere Vorschriften gelten“, erklärt er.
Auch die junge Landwirtin Morgane Neycken, die im Betrieb ihres Vaters in Henri-Chapelle arbeitet, macht auf die Herausforderungen aufmerksam: „Für junge Leute ist es heutzutage unglaublich schwer, in der Landwirtschaft Fuß zu fassen. Die Bedingungen sind einfach zu hart.“
Die Blockade begann am Mittwoch gegen 22:30 Uhr und soll insgesamt 24 Stunden dauern. Ähnliche Protestaktionen finden auch an anderen Standorten nahe der belgischen Grenze statt. So blockierten Bauern bei Hautrage in der Provinz Hennegau die Autobahn E19/A7 in Richtung der französisch-belgischen Grenze bei Hensies. Auch dort wurden die Straßen kurz nach 22:30 Uhr unpassierbar, und eine Weiterfahrt nach Frankreich war nicht mehr möglich.
Ein Handelsabkommen spaltet die Meinungen
Das Mercosur-Handelsabkommen ist ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay), das den Handel durch Zollsenkungen und den Abbau von Handelshemmnissen erleichtern soll. Aus belgischer Sicht ist das Abkommen umstritten, da die belgische Landwirtschaft befürchtet, dass billigere Importe von Fleisch und anderen Agrarprodukten aus Südamerika den hiesigen Markt überschwemmen und lokale Bauern ruinieren könnten. Gleichzeitig gibt es Kritik an den Umwelt- und Sozialstandards in den Mercosur-Staaten, die oft nicht mit den strengen europäischen Vorschriften übereinstimmen. Befürworter des Abkommens argumentieren jedoch, dass es den belgischen Exporteuren, insbesondere in der Industrie und bei Hightech-Produkten, neue Absatzmärkte erschließen könnte. (belga/calü)




















Kommentare
Es ist schlecht bestellt um unsere Gesellschaft, wenn diejenigen, die uns ernähren, nicht mehr auf dem Feld, sondern auf der Straße stehen.
Wir brauchen nicht noch mehr Hauptsachebillig-"Essen" aus tausende Kilometer entfernten Billigländern, wir haben hervorragende Lebensmittel direkt vor der Tür, hergestellt von Menschen, die mit Leidenschaft und Herz dafür sorgen, dass wir etwas auf dem Teller haben!
Freihandel macht Sinn in vielen Bereichen, aber nicht, wenn es darum geht, 'n Appel einmal um die halbe Welt zu schiffen, weil der dann immer noch billiger ist... Und was sagt das über die Produktionsbedingungen, den Lohn für die Landwirte vor Ort, die Menschenrechte, die Natur, unser Konsumverhalten aus?
Warum Proteste auf öffentliche Straße bzw auf der Autobahn???
Wer ist schuld an diese (politische)Entscheidungen???
Sind es die "Normalos" die täglich zur Arbeit müssen und, mal wieder, mit diese Situationen/Behinderungen umgehen müssen???
Warum werden nicht die Privatwohnungen bzw. die Zufahrtsstraßen der Verantwortlichen Politiker (na ja) blockiert???
Ich tue mich schwer damit mich auf die Seite der Landwirte zu stellen, solange sie wie Berserker durch Wohnviertel rasen ohne Rechtsvorfahrten zu achten, siehe Ecke Oberste Heide/Windmühlenweg und Buschberger Weg/Am Flüsschen.
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