Die einen reiten zum Gottesdienst, die anderem reisen im Minitransporter mit gleich fünf Hunden an. Bellen ist zu hören. Die Tiere beschnuppern sich. Der ein oder andere Pferdeapfel fällt zu Boden. Bläser spielen auf. Auf einer großen Wiese haben sich zum ökumenischen Feldgottesdienst rund 200 Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche mit ihren Tieren versammelt. „Schön, dass Ihr heute hier seid - auf zwei und auf vier Beinen oder auf Hufen“, begrüßt sie der evangelische Pfarrer Hendrik Meisel. Beim Segnungsgottesdienst für Mensch und Tier am Niederrhein prägen Wanderschuhe, Gummistiefel, Reithelme und robuste Kleidung das Bild. Ein Altar ist aufgebaut beim örtlichen Reit- und Fahrverein. Pfarrer Meisel spricht vom Erhalt der Schöpfung, vom Garten Eden. Es geht um die innige Mensch-Tier-Beziehung. Das Wiehern stört niemanden. Die großen und kleinen Tiere und ihre Besitzer stehen in kleinen Gruppen zusammen. Manche verfolgen die Predigt auch auf ihrem Pferd oder sitzen auf einem Kutschwagen. Viele lauschen zudem am Wiesenrand auf Holzbänken. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“, betont der Pfarrer. „Wir Menschen brauchen andere Lebewesen.“
Unsere Ponys kommen in den Himmel.
„Tiere spielen eine ganz große Rolle in unserem Leben“, erzählt Else (76), die mit ihrem Mann Egon (77) und ihrem Jack Russell - er sitzt in einem Kinderwagen - gekommen ist. „Unser Jack ist 18 Jahre alt, halb blind und taub. Laufen geht auch nicht mehr gut“. Das Ehepaar hatte früher auch mehrere Ponys, musste schon vier Hunde im Garten begraben. Else weiß: „Es kommt der Tag, an dem wir uns verabschieden müssen. Der Segen für Jack bedeutet uns deshalb sehr viel.“ Susanne besucht den Gottesdienst mit ihrer kleinen Tochter - und Pony Emma. „Es gibt mir ein gutes Gefühl, wenn Emma gesegnet ist, denn sie ist unsere älteste Pony-Stute, und die jüngsten Kinder lernen bei ihr das Reiten“, berichtet sie. Ein paar Schritte weiter steht Susannes Freundin Margarethe: „Unsere Ponys kommen in den Himmel. Wenn wir durch den Tunnel des Lebens gehen, warten dort am Ende die Ponys auf uns.“ „Ein schöner Jahresabschluss für Mensch und Tier“, findet Kerstin Nickel. Sie hat Mann und Freunde mitgebracht, ihr Pferd und ihren Border Collie Husky Mix, drei weitere Hunde tollen um die kleine Truppe und eine rosa Kutsche herum. Angelika Schnitzler findet: „Wie schön, dass man auf diese Weise Tiere mit zur Kirche nehmen kann. Tiere sind ja sonst oft nicht so willkommen.“ Für viele Menschen gehören Hund, Katze, Pferd und Co. zur Familie. Haustiere sind wichtige Begleiter, in manchen Fällen sogar die Einzigen.
Auch Katze, Kaninchen und Esel waren schon da.
Tiere helfen Menschen, sie können Brücken bauen, sogar als Therapietiere eingesetzt werden, weiß Pfarrer Meisel. Im Talar stapft er über die Wiese, widmet sich nach der Predigt jedem einzelnen Besucher, segnet, krault Hunde und streichelt Ponys. „Gott segne euch bei jedem Ausritt.“ Katzen und Kaninchen waren mal dabei, auch ein Esel, berichtet er. „Jede und jeder ist willkommen, alle Tiere in ihrer ganzen Vielfalt.“ In Rees feiert Hendrik Meisel den Segnungsgottesdienst für Tier und Mensch zum vierten Mal - einmal pro Jahr. Manche Gottesdienstbesucher kommen mit schwer kranken Tieren. „Da stehen Abschied und Trauer im Raum.“ Der Pfarrer aus dem evangelischen Kirchenkreis Hamm ist überzeugt: „Wenn wir davon reden, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, warum sollte das dann exklusiv den Menschen vorbehalten sein? Ich kann mir den Himmel nicht ohne Tiere vorstellen.“ (dpa/sc)

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