Bei der ersten Sitzung des Fachkräftebündnis am Freitag, unter der Leitung von Ministerpräsident Oliver Paasch (ProDG) mit der neuen Regierung, ging es einleitend um die Regierungserklärung und den Haushalt, hieß es in einer Mitteilung aus dem Kabinett Paasch. Als zweiter Punkt der Tagesordnung wurden die nächsten Etappen einer ganzheitlichen Fachkräftestrategie besprochen.

„Es zeigt sich, dass viele Aktionen von unterschiedlichen Akteuren angestoßen und umgesetzt werden, diese jedoch keiner koordinierten Herangehensweise unterliegen, sodass um eine strategische Vorgehensweise seitens der Regierung gebeten wurde“, hieß es in der Mitteilung. Neben einer thematischen Klausur im Januar beauftragt die Regierung eine wissenschaftliche Begleitung durch die RWTH Aachen und dem Lehrstuhl der Wirtschaftsgeographie, um die Fachkräfteakquise für Ostbelgien im Ausland zu bewerten. Mit ersten Ergebnissen werde bereits bei der nächsten Sitzung des Fachkräftebündnis im April gerechnet. Die Ergebnisse einer solchen Analyse sollen den verschiedenen Akteuren helfen, zukünftige Aktionen zielgerichteter zu steuern, hieß es.
Aufgrund der demographischen Entwicklung in Ostbelgien müssten einerseits alle vorhandenen Potentiale genutzt werden, andererseits ist man aber auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen. Deshalb müsse sich Ostbelgien als Standort im Ausland positionieren, meinte der Ministerpräsident. Durch die wissenschaftliche Analyse des Lehrstuhls, der bereits ähnliche Studien für andere Regionen verfasst habe, werde es möglich sein erste Fallbeispiele als Pilotprojekte für Ostbelgien zu bewerten. Die Zusammenführung von zielgerichteten Handlungsempfehlungen sollten dazu führen, eine ganzheitliche Strategie zur Fachkräftesicherung zu definieren. Zudem wurde das nächste Fachkräftebarometer des Wirtschafts- und Sozialrats vorgestellt, das 2025 erneut als Umfrage bei den Arbeitgebern in Ostbelgien platziert werden soll.

Die Leiterin des Arbeitsamtes, Sabine Herzet, stellte zudem das neue Projekt „living and working in greater region“ der Eures-Großregion vor, bei dem Unternehmen die Möglichkeit haben, sich kostenlos mit einem Werbevideo für potenzielle Arbeitnehmer in Europa vorzustellen. Vorgestellt wurde zum Abschluss u.a. die nächste Studenten-Rallye am 31. März 2025. Hier nutzt der Fachbereich die bestehenden Abkommen mit der Universität HEC und der Hochschule Helmo/Gramme in Lüttich, um interessierten Studierenden den Arbeitgeberstandort Ostbelgien anhand ausgewählter Unternehmen vorzustellen und so für die hiesigen Arbeitgeber zu werben. Zum Abschluss des Tages findet ein „get-together“ statt, zu dem die Unternehmen der Region herzlich willkommen sind. Zum ersten Mal wird neben der HEC und Helmo/Gramme außerdem die RWTH Aachen mit Studierenden teilnehmen. Das nächste Bündnistreffen wird Anfang April stattfinden und die ersten Ergebnisse einer Fachkräftestrategie für Ostbelgien thematisieren.
Wie sieht es im Horeca-Sektor in Ostbelgien aus?
Parallel dazu informierte auch das Kabinett von Tourismusminister Gregor Freches (PFF) über die Sitzung. „Für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Ostbelgiens ist es entscheidend, dass der Tourismus- und Horeca-Sektor aktiv im Fachkräftebündnis vertreten ist“, erklärte Freches. Der Sektor sei ein bedeutender Arbeitgeber der Region, der nicht delokalisierbar ist und eine Wertschöpfungsquelle von über 45 Millionen Euro erzielt. Um die Interessen der dort tätigen Unternehmen zu vertreten, „bedarf es jedoch einer gezielten Integration in die Fachkräftestrategie der Region“, teilte der PFF-Minister mit. Aktuelle Zahlen des Arbeitsamtes zeigten, dass Ende September 2024 insgesamt 41 offene Stellen im Horeca-Bereich gemeldet waren. Zu den betroffenen Berufsgruppen zählen insbesondere Küchen- und Servicepersonal sowie Spülhilfen, deren Besetzung jedoch zunehmend schwierig ist. Die Hauptgründe dafür sind unregelmäßige Arbeitszeiten und hohe Anforderungen an die Arbeitsbedingungen. Seit der Pandemie hat sich der Arbeitskräftemangel zudem verschärft, da viele Fachkräfte den Sektor verlassen haben. Ein Blick auf die Jahre 2022 und 2023 zeigt außerdem, dass nur etwa die Hälfte der ausgeschriebenen Stellen besetzt werden konnten, was den akuten Fachkräftemangel im Horeca-Sektor verdeutlicht. Der Minister ermutigt vor diesem Hintergrund kleine und mittelständische Unternehmen, sich verstärkt im Arbeitgeberverband oder in den hiesigen Mittelstandsvereinigungen zu engagieren und aktiv zur Fachkräftestrategie beizutragen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche nachhaltig zu stärken. (red/sc)

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