Verbraucherschutzzentrale stellt Überforderung durch digitale und bürokratische Hürden fest

<p>Verbraucherschutzzentrale stellt Überforderung durch digitale und bürokratische Hürden fest</p>
Illustrationsfoto: dpa

Zusätzlich stellt die VSZ fest, dass zahlreiche offizielle Dokumente in einer derart komplexen Sprache verfasst sind, dass viele Bürger ohne Hilfe den Inhalt nicht verstehen können. Erschwerend kommt hinzu, dass seit der Corona-Pandemie die Erreichbarkeit von Verwaltungen und Finanzinstituten oft eingeschränkt ist, was den direkten Kontakt und Service weiter reduziert. Dadurch sieht sich die Verbraucherberatung zunehmend gezwungen, Aufgaben zu übernehmen, die eigentlich bei diesen Institutionen liegen sollten.

Auch in der Schuldnerberatung zeige sich ein ähnliches Bild. Sowohl in der Deutschsprachigen Gemeinschaft als auch in der Wallonie verzeichnet die VSZ einen Rückgang der Inanspruchnahme. Ein möglicher Grund hierfür sei der sogenannte „bürokratische Burnout“. Die Vielzahl der nötigen Behördengänge und digitalen Hürden führe dazu, dass viele Betroffene sich überfordert und resigniert fühlten und auf Unterstützung verzichten würden, so die VSZ.

Zudem bleibt die digitale Ungleichheit in Belgien nach Angaben des Digital Inclusion Barometers 2023 ein ernstzunehmendes Problem. Demnach gelten 40 Prozent der Belgier im Alter zwischen 16 und 74 Jahren als digital gefährdet, fünf Prozent nutzen das Internet gar nicht. Trotz einer leichten Verbesserung seit 2021 bleibe die Kluft weiterhin tief, stellen die Verbraucherschützer fest. Verwaltungsangelegenheiten wie die Beantragung von Sozialleistungen oder Bankgeschäfte würden zunehmend digital abgewickelt. Menschen, die nicht digital versiert sind, liefen Gefahr, den Zugang zu sozialen Rechten zu verlieren, was laut VSZ einer Form der Diskriminierung gleichkommen könne.

Einige soziale Einrichtungen wie die Lupe VoG bieten bereits regelmäßige Unterstützung für Betroffene an. Doch die VSZ betont, dass es nicht die Aufgabe sozialer Einrichtungen sein sollte, die eigentlichen Dienstleistungen von Verwaltungen und Finanzinstituten zu übernehmen. Die Verantwortung zur Unterstützung sollte vielmehr bei diesen Institutionen selbst liegen, die ihre Zugänglichkeit verbessern müssten. Die Idee einer Art „Kümmerer“, der die Betroffenen bei digitalen und bürokratischen Anliegen unterstützt, werde diskutiert – jedoch bleibe offen, ob dies tatsächlich eine langfristige Lösung darstellt, so die VSZ.

Mit ihrer Stellungnahme möchte die Verbraucherschutzzentrale eine breite gesellschaftliche Debatte über Verantwortung und digitale Teilhabe anregen. Die zunehmende Digitalisierung stelle viele Menschen vor erhebliche Herausforderungen. Die VSZ fordert daher gemeinsame Anstrengungen, um sicherzustellen, dass alle Menschen, unabhängig von ihren digitalen Kompetenzen, Zugang zu Verwaltungsdienstleistungen und sozialen Rechten erhalten. Abschließend fordern die Verbraucherschützer, dass die Frage, wie die Gesellschaft die fortschreitende Digitalisierung sozial gerecht gestalten kann, dringend beantwortet werden müsse. (red/kupo)

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