Patrick Spies: „Der Abschuss von Wölfen darf kein Tabuthema sein“

<p>Auch im Hohen Venn gibt es eine Wolfspopulation.</p>
Auch im Hohen Venn gibt es eine Wolfspopulation. | Foto: Roger Herman

Patrick Spies (SP-PS, der unter anderem im Ausschuss für Landwirtschaft und Jagd des wallonischen Parlaments sitzt, teilte in einem Kommuniqué mit, dass er die vergangene Regierungskontrolle genutzt habe, um eine Reihe von Fragen an die zuständige Ministerin Anne-Catherine Dalcq (MR) zu richten.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Einigung der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, den Schutzstatus des Wolfes herabzusetzen, wollte Spies von der Regierung wissen, welche Position die Wallonische Region dazu einnimmt, wie es um die aktuelle Wolfspopulation bestellt ist, welche Kosten das Wolfsmanagement verursacht und welche Folgen Wolfsattacken auf die wallonische Landwirtschaft haben.

Die Ministerin stellte in ihrer Antwort zunächst klar, dass der Wolf in Belgien nach wie vor eine geschützte Tierart ist und dies auch bleiben werde. Die Entscheidungen, die auf Vorschlag der Europäischen Kommission getroffen wurden, hätten keine Auswirkungen auf die bestehenden Maßnahmen oder die Strategie der Wallonischen Region, hieß es weiter.

Allerdings sei geplant, das Wolfsmanagement (Plan Loup) zu evaluieren und in Absprache mit den betroffenen Akteuren gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Weiterhin erklärte die Ministerin, dass es eine Reihe von Schutz- und Präventionsmaßnahmen gebe, die von der Wallonischen Region finanziell unterstützt würden. Die Kosten hierfür belaufen sich auf etwa 60.000 Euro pro Jahr.

Zudem werde das „Wolf Fencing Team“ mit bis zu 75.000 Euro jährlich gefördert. Diese Organisation bildet und koordiniert ein Netzwerk von Freiwilligen, die bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen helfen.

Darüber hinaus finanziere die Wallonische Region ein Vollzeitäquivalent bei der gemeinnützigen Organisation „Natagriwal“, um Viehzüchter in Fragen rund um den Schutz ihrer Tiere zu beraten.

Die Entschädigungen für Viehzüchter, deren Tiere von Wölfen gerissen wurden, belaufen sich derzeit auf etwa 25.000 Euro pro Jahr.

Bezogen auf die aktuelle Wolfspopulation in der Wallonie bestätigte die Ministerin, dass es derzeit drei Gebiete gibt, in denen zwischen 20 und 25 Wölfe leben. Diese Territorien befinden sich alle im Hohen Venn und in der Eifel, wobei zwei davon grenzüberschreitend zu Deutschland liegen.

Auf die Frage von Patrick Spies, ab welcher Größe die Wolfspopulation problematisch werde, antwortete die Ministerin, dass die aktuelle Strategie nicht vorsehe, einen Schwellenwert festzulegen, da die vom Wolf verursachten Schäden nicht direkt proportional zur Anzahl der Wölfe seien. So sei die Anzahl der Angriffe in Gebieten mit ständiger Wolfspräsenz eher gering, während Probleme meist von einzelnen Tieren, sogenannten Streunern, ausgingen. Daher konzentriere sich das Wolfsmanagement auf Individuen, die als problematisch eingestuft werden.

Zudem bestätigte die Ministerin gegenüber dem Abgeordneten, dass die Anzahl der Angriffe insgesamt zunehme. So würden jährlich etwa 30 verletzte oder getötete Schafe und etwa zehn Rinder gemeldet. Dabei handele es sich jedoch teilweise auch um Fälle, bei denen die Tiere möglicherweise von Aasfressern oder streunenden Hunden gerissen wurden. Um die Viehzüchter bestmöglich zu unterstützen, gelte jedoch der Grundsatz, dass im Zweifel zugunsten des Züchters entschieden werde.

In seiner Erwiderung betonte Spies, dass der Schutz des Wolfes tatsächlich ein Thema sei, das mit größtmöglicher Ausgewogenheit zwischen den Interessen des Wolfsschutzes und denen der Landwirtschaft behandelt werden müsse. Es sei ein Gegenstand sehr emotionaler Diskussionen zwischen Jägern, Landwirten, aber auch Touristen. Spies vertrat jedoch die Meinung, dass es keine Tabus geben dürfe: „In unserem Land hat der Wolf abgesehen vom Auto keine natürlichen Feinde und kann sich ungestört fortpflanzen. Ich weiß, dass einige Mitglieder hier im Parlament nicht mit mir übereinstimmen, aber wenn der Wolf zum Problem wird, sollten wir uns die Frage nach einem gezielten Abschuss stellen“, so der ostbelgische SP-Abgeordnete abschließend. (red/kupo)

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