Berichte aus verschiedenen Wahllokalen im Norden des Landes weisen jedoch darauf hin, dass in einigen Fällen nur ein Drittel bis zur Hälfte der Wahlberechtigten zur Abstimmung erschienen ist. Zum ersten Mal wurde die Pflicht zur Wahlteilnahme in Flandern aufgehoben, was laut Stiers möglicherweise eine Rolle bei der geringen Beteiligung spielt. Auch die ruhige Stimmung in den Wahllokalen und das Fehlen von Warteschlangen deuten darauf hin, dass die endgültigen Zahlen niedrig ausfallen könnten.
„Ich bin ziemlich erstaunt über diese ersten Zahlen“, so der Politologe. Gründe für die geringe Beteiligung könnten vielfältig sein: Für manche sei es eine Möglichkeit, Unzufriedenheit mit dem politischen System auszudrücken. Zudem sei es das erste Mal, dass keine Wahlpflicht bestehe, und es habe bereits im Juni nationale Wahlen gegeben, was zu einer gewissen „Wahlmüdigkeit“ führen könnte.
Eine weitere Frage, die sich aus der niedrigen Wahlbeteiligung ergibt, ist, ob das Wahlergebnis noch repräsentativ für die Bevölkerung ist. „Eine Wahl ist immer repräsentativ“, meint auch Stefaan Siers, ein weiterer Politikwissenschaftler der KU Leuven. „Die geringe Beteiligung zeigt aber, dass ein Teil der Menschen das politische System oder die Parteien nicht unterstützt.“
Siers sieht in den Zahlen ein „warnendes Zeichen“. „In den Niederlanden haben wir bei den Kommunalwahlen ebenfalls eine besonders niedrige Wahlbeteiligung gesehen. Wenn wir hier bei nur 60 Prozent landen, sendet das ein klares Signal an die Politik.“ (belga/calü)

Kommentare
Warum überrascht? NVA will Demokratie abschaffen und Einheitsflandrismus einführen.
Es gibt Bürgerrechte und -Pflichten. Und die Wahl - für die übrigens unsere Vorfahren gefochten haben - gehört meiner Meinung nach zu den absoluten Pflichten eines mündigen Bürgers. Auch kann ich nicht nachvollziehen, wie es in einem kleinen Land wie Belgien ähnlich wie bei der Anmeldung von Fahrzeugen, ... zweierlei Wahlsysteme gibt. Das hat etwas von Bananenrepublik. Und jetzt sind die Politologen überrascht, dass die Wahlbeteiligung nach Aussetzung der "Pflicht" so gering ist. Vorsicht, bereits in den 1930er Jahren hat unser großes Nachbarland die Gefahr dieser "Wahlmüdigkeit" am eigenen Leib spüren dürfen und das Ergebnis war ein Fiasko!
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