Durch den Austausch mit Experten und die Vorstellung regionaler Hilfsangebote soll den Teilnehmenden ein besseres Verständnis für die Krankheit vermittelt werden und der Zugang zu den richtigen Anlaufstellen erleichtert werden. Seit einem Jahr ist das Netzwerk Mentale Gesundheit in Ostbelgien aktiv. Das von der Föderalregierung finanzierte Projekt hat zur Aufgabe, die psychologische Versorgungslandschaft der Region grundlegend zu verbessern. Im Mittelpunkt stehen dabei die Vernetzung von Akteuren des Gesundheitswesens, der Ausbau von Hilfsangeboten sowie die Schließung bestehender Versorgungslücken. „Ein besonderes Augenmerk liegt darauf, neue Angebote für Menschen mit psychischen Bedürfnissen zu schaffen und bestehende Strukturen zu stärken“, sagt Netzwerkkoordinator Fabio Lesuisse.
Zu den zentralen Maßnahmen, die das Netzwerk in den letzten Monaten erfolgreich umgesetzt hat, gehören die Einrichtung mobiler Teams, die Betroffene und ihre Familien zu Hause besuchen und direkt in ihrer gewohnten Umgebung unterstützen. Darüber hinaus wurde das Projekt „Erste Linie Psychologen“ ins Leben gerufen, das seit dem Frühjahr 2024 in Ostbelgien aktiv ist. Anja Boffenrath ist lokale Koordinatorin und zuständig für dieses Projekt. Sie erklärt: „Durch diese Initiative soll den Bürgern der Zugang zu psychologischer Unterstützung erleichtert und die Angebote erschwinglicher gemacht werden“. Das Netzwerk setzt sich zum Ziel, Bewusstsein zu schaffen, Informationen bereitzustellen und die Perspektiven der Betroffenen in den Vordergrund zu rücken, um die Angebote gezielt an deren Bedürfnisse anzupassen.
In diesem Prozess steht Partizipationscoach Sabrina Schmitz als verantwortliche Ansprechpartnerin zur Verfügung. Ein weiterer Bestandteil der Arbeit des Netzwerks ist es, Anlaufstellen und Dienstleistungen zu schaffen, wo es bisher noch keine Angebote gibt. So hat sich innerhalb des Netzwerkes eine Arbeitsgruppe zum Thema Essstörungen gebildet.
Partner aus dem BTZ und der Tagesklinik haben gemeinsam ein Gruppenangebot für Betroffene entwickelt und durch eine grenzüberschreitende Kooperation mit der Wabe Akazia aus Aachen konnte ein Beratungsangebot speziell für Angehörige von (potenziell) essgestörten Kindern und Jugendlichen geschaffen werden. Diese Angebote werden nun im Herbst 2024 in Ostbelgien starten und richten sich an Familien und Betroffene, die Unterstützung im Umgang mit der oft schwierigen und emotional belastenden Situation suchen.
Essstörungen gehören zu den psychischen Erkrankungen, die oft erst sehr spät erkannt werden. Sie betreffen vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, doch auch bei Kindern und älteren Personen können Essstörungen auftreten. Das Problem dabei: Die Erkrankung entwickelt sich schleichend und ist im frühen Stadium oft schwer zu erkennen. Nicht jedes auffällige Essverhalten oder jede starke Gewichtsveränderung ist zwangsläufig ein Anzeichen für eine Essstörung. Doch wenn bestimmte Verhaltensweisen in Kombination mit psychischen Belastungen auftreten, kann dies der Beginn einer schwerwiegenden Erkrankung sein.
Mag sich die betroffene Person anfangs noch selbst im Griff fühlen und ihr Essverhalten bewusst steuern, kippt die Kontrolle irgendwann ins Gegenteil. Häufig erkennen weder die Betroffenen selbst noch ihr Umfeld sofort, dass sie an einer Essstörung leiden. Diese Erkenntnis kommt oft erst dann, wenn die negativen Folgen für den Körper und die Psyche bereits deutlich spürbar sind. Magersucht (Anorexie), Ess-Brech-Sucht (Bulimie) und Esssucht (Binge-Eating) sind nur einige der häufigsten Formen dieser Erkrankung, die sowohl körperlich als auch emotional immense Schäden verursachen können. Gerade für Eltern von betroffenen Kindern und Jugendlichen ist die Situation äußerst belastend. Neben der verständlichen Sorge um die Gesundheit des Kindes kommen häufig Gefühle von Hilflosigkeit und Unsicherheit hinzu. Gleichzeitig fühlen sich auch die betroffenen Kinder und Jugendlichen oft missverstanden und isoliert. Hier die neuen Angebote des Netzwerks an.
Der Informationsabend des Netzwerks Mentale Gesundheit wird sich vor allem auf die Früherkennung von Essstörungen, die unterschiedlichen Formen dieser Erkrankungen sowie die konkrete Unterstützung in Ostbelgien konzentrieren. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt darauf gelegt, wie erste Anzeichen einer Essstörung erkannt werden können und wann tatsächlich Handlungsbedarf besteht. Ein weiteres wichtiges Thema des Abends wird die Unterstützung von Angehörigen sein. Eltern und enge Bezugspersonen sind häufig diejenigen, die als erste Veränderungen im Essverhalten eines Kindes oder Jugendlichen wahrnehmen.
Doch wie spricht man eine mögliche Essstörung an, ohne zusätzlichen Druck auf den Betroffenen auszuüben? Diese Frage beschäftigt viele Eltern, und der Informationsabend soll ihnen dabei helfen, einen behutsamen und gleichzeitig hilfreichen Weg im Umgang mit der Situation zu finden. Zusätzlich werden an dem Abend auch die verschiedenen Hilfsangebote in Ostbelgien vorgestellt, hierunter auch die neu geschaffenen Angebote des Netzwerkes. Nach den Präsentationen stehen die anwesenden Dienste weiterhin an Informationsständen zur Verfügung. Hier können sich die Besucherinnen und Besucher im direkten Gespräch informieren und bei Bedarf weiterführende Unterstützungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. (red/sc)
Der Informationsabend findet am Donnerstag, 17. Oktober, um 19 Uhr im Kolpinghaus Eupen statt. Der Eintritt ist frei.
Es wird um eine Anmeldung gebeten, um die Veranstaltung besser planen zu können.
Interessierte können sich unter der Telefonnummer +32 (0)495/36 04 88 oder per Mail an sabrina.schmitz@mentale-gesundheit.be anmelden.

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