Für „Gemeinsam“ ist der Name in St.Vith Programm

<p>Die Liste „Gemeinsam“ um ihren Spitzen- und Bürgermeisterkandidaten Werner Henkes möchte für einen neuen Politikstil in St.Vith stehen: „Wir möchten die Bürger ernst nehmen und uns als deren Vertreter hinstellen und nicht als deren Vorgesetzte.“</p>
Die Liste „Gemeinsam“ um ihren Spitzen- und Bürgermeisterkandidaten Werner Henkes möchte für einen neuen Politikstil in St.Vith stehen: „Wir möchten die Bürger ernst nehmen und uns als deren Vertreter hinstellen und nicht als deren Vorgesetzte.“ | Fotos: Liste Gemeinsam

Im Restaurant „Zur alten Mühle“ in Wiesenbach war am Mittwochabend eine gewisse Aufbruchstimmung spürbar. Zur Vorstellung ihrer Kandidaten und Themenschwerpunkte konnte die Liste „Gemeinsam“ zahlreiche Sympathisanten willkommen heißen.

„Wir sind eine offene Bürgerliste, die sich für Mitsprache, für Transparenz, Bürgerbeteiligung und Stadtratsbeteiligung ausspricht“, sagte der Spitzenkandidat zur Begrüßung. „Statt eines Nebeneinanders oder Gegeneinanders hätten wir uns in den vergangenen Jahren mehr Miteinander gewünscht, aber leider war das unter der aktuellen Mehrheit nicht möglich. Die Opposition wird von den Vertretern des derzeitigen Gemeindekollegiums fast schon als etwas Böses wahrgenommen, mit dem man möglichst wenig Informationen teilen soll.“

„Uns als Vertreter und nicht als Vorgesetzte der Bürger hinstellen.“

Um dies zu ändern, habe man eine Bürgerliste aus zehn Frauen und elf Männern zusammengestellt, „die gewillt sind, gemeinsam anzupa- cken“, so Werner Henkes. Bei der Kandidatensuche habe man feststellen müssen, dass sich die Bürger von der Politik entfernt haben. „Sie fühlen sich nicht mitgenommen und werden bei Projekten, die sie betreffen, einfach übergangen. Das ist auch uns im Stadtrat immer wieder widerfahren, denn zahlreiche Nachfragen und Mails an das Gemeindekollegium blieben schlicht und einfach unbeantwortet. Dieser Politikstil ist nicht mehr zeitgemäß“.

Motivation schöpfe man aus den vielen positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Jedenfalls freue er sich sehr, dass es gelungen sei, eine Liste mit einer guten Mischung aus gestandenen und jungen Kandidaten zusammenzustellen. „Wir möchten die Bürger ernst nehmen und uns als deren Vertreter hinstellen und nicht als deren Vorgesetzte.“

Neben Werner Henkes haben sich auch die aktuellen Stadtratsmitglieder und früheren Schöffen Leo Kreins und Klaus Jousten bereiterklärt, ihre große politische Erfahrung in das neue Projekt einzubringen. Aus den Reihen der anderen Minderheitsfraktion im Stadtrat, FLS, stößt Margret Schmitz zu „Gemeinsam“: „Darüber freuen wir uns sehr, denn ihre umfangreichen Kenntnisse, vor allem im Unterrichtswesen, werden uns sehr hilfreich sein“, so Leo Kreins, mit 72 Jahren der Nestor von „Gemeinsam“. Am anderen Ende der Altersskala befindet sich der St.Vither Jurist André Frauenkron (27).

Bürgerkomitees in allen Ortschaften gründen.

Leo Kreins bescheinigt dem Spitzenkandidaten Werner Henkes das nötige Rüstzeug, das Bürgermeisteramt in St.Vith zu übernehmen. Der 66 Jahre alte Bankangestellte in Ruhestand stammt aus Holzheim, lebt aber bereits seit 1982 mit seiner Familie in St.Vith. „In den vergangenen sechs Jahren konnte er wertvolle Erfahrung als Stadtratsmitglied sammeln und zu seinen großen Stärken zählt, dass er den Menschen zuhört. Er informiert sich immer gründlich und recherchiert akribisch, bevor er seine Meinung zu einem Thema sagt.“

In ihrem Wahlprogramm knüpft die Liste „Gemeinsam“ an eine Idee an, die bereits vor sechs Jahren vorgebracht wurde: die Gründung von Bürgerkomitees in allen Ortschaften. „In dieser Wahlperiode sind zwei Bürgerkomitees entstanden: die VoG Zesame für Walert in Wallerode bemüht sich aktuell um den Bau eines neuen Dorfsaals und in St.Vith kümmert sich eine Gruppe um die Organisation eines Seniorennachmittags. Diese Beispiele zeigen, dass Bürgerinitiativen der richtige Ansatz für mehr Mitsprache sind. Die Bürgerkomitees sollen auch über ein kleines Budget verfügen, das sie nach Bedarf abrufen und nutzen können.“

<p>Werner Henkes hofft auf eine Mehrheitsbeteiligung der Liste „Gemeinsam“.</p>
Werner Henkes hofft auf eine Mehrheitsbeteiligung der Liste „Gemeinsam“.

Zudem schlage man vor, die Bürgerkomitees jährlich in den Ortschaften zu besuchen, um mit ihnen die bestehenden Probleme zu besprechen und anstehende Projekte zu planen.

Ähnlich sei es bei größeren Projekten. „Wenn eine Straße erneuert wird, sollte das mit den Anliegern dieser Straße besprochen werden, bevor der Projektautor einen ersten Strich zeichnet“, findet Werner Henkes, „denn diese Straße gehört nicht dem Kollegium, sondern sind in erster Linie die Anwohner betroffen.“

Bürgerbeteiligung solle aber auch in den Kommissionssitzungen des Stadtrates möglich sein. „Warum nicht Fachleute zu den verschiedenen Themenbereichen einladen? Das gilt sowohl für die Landwirtschaft als auf für den Tourismus oder den Einzelhandel, um nur diese Bereiche zu nennen.“

So habe man in St.Vith eine sehr aktive Fördergemeinschaft, „und es war aus unserer Sicht ein Unding, ein Studienbüro zum Thema Stadtentwicklung zu beauftragen, ohne dieses Thema zuvor mit der Geschäftswelt besprochen zu haben. Das ist einfach kontraproduktiv.“

Das Wahlprogramm von „Gemeinsam“ umfasst insgesamt elf Themenschwerpunkte. In der Bildung köchele das Thema Renovierung der Städtischen Schule St.Vith seit 2014 vor sich hin. Hier müsse endlich gehandelt werden. Das Ehrenamt müsse als „Motor der Demokratie“ gestärkt werden und im Gesundheits- und Sozialbereich „genießt der Erhalt unseres Krankenhauses absolute Priorität, damit die medizinische Grundversorgung unserer Bevölkerung abgesichert bleibt“. Dies treffe ebenso auf die Seniorenbetreuung zu. Eine zentrale Rolle komme hier dem Masterplan Eifel zu. In diesem Zusammenhang soll bekanntlich ein neues Wohn- und Pflegezentrum für Senioren an der Malmedyer Straße errichtet werden. „Damit Vivias in der Lage ist, unseren Senioren hier vor Ort einen schönen Lebensabend zu ermöglichen, müssen unbedingt mehr Pflegekräfte ausgebildet und angeworben werden.“ Die Liste „Gemeinsam“ unterstütze dabei die Schaffung eines neuen Berufs- und Ausbildungsprofils.

Dem Tourismus sei bislang ungenügend Aufmerksamkeit geschenkt worden. „Wir denken hier insbesondere an die Schließung des Campingplatzes Wiesenbach, die unflexiblen Öffnungszeiten des Freibades und die mangelnde Werbung für touristische Veranstaltungen.“

Bei den Finanzen sei es wichtig, „mit dem Einkommen auszukommen und sinnvolle Investitionen in die Zukunft zu tätigen bzw. die Ausgaben den tatsächlichen Bedürfnissen anzupassen. Ebenso müssen neue Einnahmen generiert werden. Deshalb haben wir uns für eine Erweiterung des Windparks Emmels stark gemacht und eine gerechte Bürgerbeteiligung durchgesetzt.“

„Brauchen wir einen fünften Schöffen?“

Auch das Thema „fünfter Schöffe“ sprach Werner Henkes bei der Listenvorstellung an: „Wir wissen, dass unserer Gemeinde durch den Sprung über die 10.000-Einwohner-Marke ein fünftes Schöffenamt zusteht. Aber ist das wirklich nötig, wenn man bedenkt, dass die Bevölkerungszahl in den vergangenen sechs Jahren „nur“ um 300 Einwohner gestiegen ist? Braucht es ein zusätzliches politisches Amt oder sollte besser die Verwaltung gestärkt werden? Der jetzige Bürgermeister scheint dazu bereits eine klare Meinung zu haben, wir aber möchten, dass der nächste Stadtrat diesbezüglich auf seiner Einführungssitzung eine Entscheidung trifft.“

PERSONALIEN

Die Kandidatinnen und Kandidaten der Liste „Gemeinsam“ in St.Vith:

1. Werner Henkes, 66, Bankangestellter i. R., St.Vith

2. Margret Schmitz, 57, Sachbearbeiterin im Unterrichtsministerium, Recht

3. Leo Kreins, 72, Kabinettschef i.R., St.Vith

4. Manuel Jodocy, 44, Lokführer, Lommersweiler

5. Frank Vilz, 43, IT-Supporter, Emmels

6. Alexander Wansart, 40, Abteilungsleiter Öffentlicher Dienst, Recht

7. Tobias Lerho, 28, EDV-Projektmanager, Schlierbach

8. Markus Freches, 29, Vertriebsmanager, Wallerode

9. Melanie Clos, 34, Optikerin-Optometristin, St.Vith

10. Verena Peters, 34, Pflegehelferin, Neundorf

11. Alice Peters, 30, Fotografin, Hinderhausen

12. André Frauenkron, 27, Jurist in einem Notariat, St.Vith

13. Isabel Gillessen, 37, Mathematiklehrerin, St.Vith

14. Thomas Huppertz, 33, Ingenieur-Projekleiter, St.Vith

15. Eric Wagner, 64, Autobahnpolizist i. R., St.Vith

16. Katja Kreins, 37, Lohnbuchhalterin, Emmels

17. Elisa Cremer, 30, Pädagogin im Sozialbereich, Crombach

18. Caroline Hagelstein, 34, Sozialassistentin, Recht

19. Martina Spies-Theisen, 58, Lehrerin, Recht

20. Johanna Betz, 30, Sekretärin, Emmels

21. Klaus Jousten, 71, Industrieingenieur, St.Vith

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