Unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichem beruflichen Hintergrund aus möglichst vielen der 26 Dörfer der Gemeinde: „Wir haben viel diskutiert in den letzten Wochen“, erklärte Spitzenkandidat Alain Stellmann in seiner Einleitung, die er bewusst in Hochdeutsch formulierte. Danach ging es zum Dialekt über, wie auch bei den Sitzungen des Gemeinderates weiterhin „Platt“ gesprochen werden soll. „Diese Tradition möchten wir beibehalten“, sagt Romano Schmitz, Kandidat auf Platz 8 und im aktuellen Gemeinderat vertreten. Bis zum Ende der Legislaturperiode möchte dann auch Schöffe Serge Dollendorf, der die Liste von unten drückt, so weit sein, dass er seine Redebeiträge im Dialekt formuliert. „Ich muss noch sechs Jahre nachsitzen“, lacht der 52-Jährige.
Im Sinne des alten Gemeinderates weiterarbeiten
Apropos Tradition beibehalten: Den Namen hat die Liste von der aktuellen Mehrheit übernommen und dies „weil wir sehr zufrieden waren mit der Arbeit des ausscheidenden Rats und in diesem Sinne weitermachen möchten“, so der Spitzenkandidat.
Vier Themen-Schwerpunkte hat „Aktiv Gestalten“ herausgearbeitet und formuliert, im Einzelnen die Wirtschaft, Sicherheit und Soziales, Infrastruktur sowie Ehrenamt und Dorfleben. Bei Bürgerversammlungen in Lascheid (2. Oktober), Espeler (3. Oktober), Maldingen (7. Oktober), Dürler (8. Oktober) und Oudler (10. Oktober), jeweils um 20 Uhr im jeweiligen Dorfsaal, sollen diese Schwerpunkte mit den Bürgern diskutiert werden. „Wir brauchen eure Ideen“, appellierten die Kandidaten am Dienstagabend an die Besucher der Listenvorstellung. Die eigenen Ideen, die die Liste in der Legislaturperiode 2024-2030 umsetzen möchte, sind teilweise langfristige Projekte, die schon in der aktuellen Amtszeit entstanden sind. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man in der Kommunalpolitik viel Geduld haben muss“, erklärte Serge Dollendorf, aktuell als Schöffe unter anderem für die Finanzen zuständig. Der Mitfahrparkplatz in Grüfflingen und die Wasseraufbereitungsanlage in Commanster seien zwei Beispiele von Projekten, die lange in Planung seien und wohl unter der Ägide des neuen Gemeinderates realisiert würden. „Man muss einen sehr langen Atem haben, die Projekte laufen oft über vier, fünf oder zehn Jahre“, so Serge Dollendorf.
„Ich kenne sogar ein Projekt, das über 40 Jahre läuft“, spielte ein Besucher auf die N 62 an und erkundigte sich, wie die Kandidaten sich zu diesem Thema positionieren. „Wir sind bei der N 62 abhängig von anderen. Wir können die Anzahl Fahrzeuge nicht reduzieren, aber wir können bei der Sicherheit den Hebel ansetzen“, fasste Romano Schmitz zusammen. Angedacht seien verkehrsberuhigende Maßnahmen und verstärkte Kontrollen in Zusammenarbeit mit der Eifelpolizei. Serge Dollendorf verlieh zudem der Hoffnung Ausdruck, dass sich neue Möglichkeiten ergeben, da in der wallonischen Regionalregierung „nun nicht mehr das Credo herrscht, dass kein Kilometer zusätzliche Straßen gebaut wird“. Im Bereich Wirtschaft soll die Gemeinde als attraktiver Standort für Unternehmen positioniert werden und Betrieben Hilfestellungen geboten werden, wobei diese nicht aus direkten finanziellen Mitteln bestehen können.
Den Bedürfnissen und Sorgen der Landwirte soll Rechnung getragen werden und beispielsweise das Thema „Sammlung von landwirtschaftlichem Plastik“ noch einmal überdacht werden. „Wir möchten anregen, die Sammlung wieder in der Gemeinde zu machen“, so Danny Schür, der auf Platz drei kandidiert. In puncto Forstwirtschaft soll der Wald im Hinblick auf die Bedeutung der Einnahmen aus dem Holzverkauf „noch einmal richtig in Gang gebracht werden“. Derzeit liegen die Erträge aus dem Wald bei etwa 400.000 bis 500.000 Euro und damit in etwa in der Höhe des Eigenanteils im Investitionsbudget. „Das müssen wir bei den aktuellen Diskussionen um den Waldumbau berücksichtigen. Dieser darf uns nicht vor Probleme stellen“, mahnte Serge Dollendorf. Apropos Finanzen: „Wir haben viele Ideen, aber seid uns nicht böse, wenn wir nicht alles schaffen“, wandte sich Alain Stellmann an das Publikum und bezog sich damit wohl auf die finanzielle Machbarkeit sowie auch auf die zeitliche Umsetzung. „Es ist wichtig zu wissen, wo welche Töpfe sind, die angezapft werden können, und Projekte in der Schublade zu haben“, sagte auch Karla Schommers-Büx, besonders mit Blick auf das durch das Hochwasser im Sommer 2021 stark beschädigte Straßen- und Radwegenetz. Prioritär sei auch, in den Bereichen, in denen es möglich sei, autonom zu bleiben, beispielsweise bei der Wasserversorgung. Ausdrücklich ist im Wahlprogramm die Absicht formuliert, die Wasserversorgung und das Beschaffungsmanagement weiter auszubauen, damit den Bürgern qualitativ hochwertiges Trinkwasser garantiert werden kann. Eine Wasserknappheit werde dadurch immer weiter minimiert. Unerlässlich sei zudem der Erhalt der Feuerwehrkaserne in Burg-Reuland, um einen schnellen Einsatz zu garantieren.
Vorbildfunktion
in Sachen Zusammenarbeit
Mit Blick in Richtung Maldingen, wo die zweite Liste in der Gemeinde Burg-Reuland ihr Programm am gleichen Abend präsentierte (siehe Seite 10) formulierte Alain Stellmann abschließend noch einen Wunsch für die nächste Legislaturperiode: „Egal, wer den Bürgermeister stellt, wir sollten positiv zusammenarbeiten“. In Sachen Verständnis und Kommunikation habe der Gemeinderat nicht zuletzt eine Vorbildfunktion für die nachfolgenden Generationen.
PERSONALIE
Folgende 13 Kandidaten treten für die Liste „Aktiv Gestalten“ an:
1. Alain Stellmann, 46 Jahre, Aldringen, Produktmanager, Mitglied des ÖSHZ
2. Karla Schommers-Büx, 58 Jahre, Weweler, Angestellte, Mitglied von KBMR und ÖKLE
3. Danny Schür, 36 Jahre, Grüfflingen, Landwirt
4. Jean Lafleur, 67 Jahre, Grüfflingen, Distriktleiter der Straßenverwaltung i.R.
5. Belinda Geiben, 38 Jahre, Koller, Landwirtin
6. Chris Maus, 24 Jahre, Maldingen, Agronom und Forstwirt
7. Céline Cremer-Wiesemes, 32 Jahre, Bracht, Ergotherapeutin
8. Romano Schmitz, 36 Jahre, Braunlauf, Projektmanager, Mitglied des Gemeinderates
9. Francine Paquet-Kessler, 40 Jahre, Lascheid, Landwirtin und Verwaltungsangestellte
10. Manuela Proes-Martiny, 41 Jahre, Alster, Büroangestellte
11. Michael Veiders, 38 Jahre, Espeler, Elektriker und Lagerist
12. Georgette Kohnen, 58 Jahre, Grüfflingen, Angestellte
13. Serge Dollendorf, 52 Jahre, Weweler, Jurist und Schöffe

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