St.Vith
Vom Rheinland in die belgische Eifel
Gegründet 1894 in Krefeld von Johann Carl Kochen, durchlief das Unternehmen, ursprünglich unter dem Namen seines Gründers, zahlreiche Veränderungen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwarb Herr Franke Senior das Unternehmen, und nach dessen tragischem Tod übernahm sein Sohn in jungen Jahren die Leitung. Aber, warum ist Herkula nach St. Vith gekommen? Wahrscheinlich eher aus persönlichen Gründen der Familie Franke, aus Liebe zur Region, zur Landschaft und zu den Menschen.
Seit 1971 ist das Unternehmen in der Friedensstraße 21 in St. Vith ansässig. Bis 2017 hielt das Unternehmen den Standort in Krefeld, der später nach Aachen verlegt wurde. Heute befindet sich die GmbH in Aachen, mit rund 250 Quadratmetern Labor- und Büroräumen im Stadtteil Rothe Erde. Dort dient der Sitz als Ideenwerkstatt und Inkubator für neue Produkte und Innovationen. Am Aachener Standort arbeiten mittlerweile fünf Mitarbeiter, während in St. Vith etwa 40 Beschäftigte in den Bereichen Verwaltung, Labor und Produktion tätig sind. Nach dem Tod von Herrn und Frau Franke im Jahr 2012 wurde eine Stiftung gegründet, die heute Eigentümer des Unternehmens ist und die Werte und das Leitbild des Betriebs weiterführt.
Die Familie Franke, bis heute durch die Stiftung sehr aktiv in der Unterstützung von Tier- und Kinderheimen, legte schon damals großen Wert auf regionale Verankerung und Wertschätzung.
Innovationskraft und Internationalität
Seit 2021 haben Ricardo Ilges (Geschäftsführer) aus der Trierer Region und Jonas Malige (Director Sales & Marketing) aus dem Raum Düsseldorf, gemeinsam mit zwei weiteren externen Verwaltungsratskollegen, die strategische Ausrichtung des Unternehmens übernommen. Beide sehen großes Potenzial bei Herkula und reisen viel um die Welt - dies aufgrund der internationalen Absatzmärkte. „Wenn man sich vorstellt, dass wir hier im beschaulichen St. Vith als kleiner Mittelständler produzieren und unsere Produkte gehen um den ganzen Globus, ist das schon irgendwie cool. In fast jedem Haushalt in über 70 Ländern weltweit steckt irgendwas von Herkula, das ist toll“, so Jonas Malige.
Herkula ist Zulieferer der Strom- und Internetkabelindustrie – ein Sektor, der boomt. Jedes Kabel hat eine Aufschrift, und die Farbe für diese Markierung stammt mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit von Herkula. Der Betrieb produziert eigene Pasten auf Basis von Farbpigmenten und Klarlacken, die dann gemischt die benötigte Spezialfarbe ergeben. Diese Lösemittelfarben werden später dann mithilfe eines Gravurrads auf die Kabel aufgetragen, dieser Arbeitsschritt erfolgt jedoch nicht bei Herkula selber. Die St. Vither Farbe muss besonderen Anforderungen gerecht werden, beispielsweise aufgrund der speziellen Substrate von Kabeln wie Silikon-Kautschuk und der Geschwindigkeit, mit der die Farbe angebracht wird (bis zu 1200 Meter pro Minute). Die Farbe erfüllt letztendlich drei besondere Eigenschaften: sie übernimmt die Bedruckung des Kabels, parallel dazu die Kühlung des Gravurrads sowie auch die Schmierung des gesamten Prozesses.
Glasfaser mit Farbe aus St. Vith
Lösemittelhaltige Farben funktionieren ähnlich wie Nagellack, der an der Luft trocknet. Zusätzlich gibt es auch UV-härtende Farben, vergleichbar mit Gel-Nagellacken, die die zweite wichtige Produktsparte des ostbelgischen Mittelständlers darstellen.
Die Glasfaserindustrie wird von Herkula seit ihren Anfängen mit speziellen UV-härtenden Farben und Matrixmaterialien ausgestattet. Die Einfärbung der Glasfasern dient der Differenzierung der einzelnen Stränge, um diese bei der Installation zu unterscheiden und die richtigen dann miteinander verbinden zu können. „Wir kommen ins Spiel, wenn alles bunt werden soll“, lacht Ricardo Ilges. Die Wahrscheinlichkeit, dass auf der Glasfaser, die beispielsweise von GoFiber in Ostbelgien verlegt wird, etwas von Herkula verarbeitet wurde oder diese irgendwie etwas mit dem St.Vither Betrieb zu tun hat, ist relativ hoch. Die Glasfaserindustrie ist auch die Priorität für die Zukunft, hier werden die meisten Ressourcen investiert, da dieser Sektor für Herkula aktuell das meiste Potenzial birgt. „Und wenn man uns nicht auf Strom- oder Glasfaserkabel findet, begegnet man Herkula eventuell unter der Dusche auf dem Duschlauch, aufgrund der speziellen Silber-Kunststoff-Beschichtungen, die ebenfalls aus unserem Werk stammen“, so Jonas Malige. Die Zukunftsvision von Herkula sieht vor, die Produktion zu digitalisieren und zu automatisieren, ohne dabei auf Kosten der Mitarbeiter zu gehen.
Es geht darum, aufwendige und zeitintensive Prozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen. Aktuell gibt es noch viel Handarbeit, die teilweise anders gestaltet werden könnte. Ziel ist ein automatisierter Farbmischer, den man einfach bedienen kann und mit dem die diversen Farbtöne mit einem Klick produziert werden können. Dafür bedarf es aber noch der Justierung und des Feinschliffs einiger Prozesse. Auch beim Abfüll- und Beschriftungsprozess und in der Lagerlogistik sieht das Unternehmen Optimierungspotenzial durch Automatisierung und Robotik, um produktiver und zeitsparender arbeiten zu können.
Die Farbwerke Herkula bleiben ein Paradebeispiel dafür, wie langjährige Tradition und moderne Innovation Hand in Hand gehen können. Mit einer starken regionalen Verwurzelung, sozialem Engagement und einem klaren Fokus auf zukünftige Technologien setzt das Unternehmen auch weiterhin Maßstäbe in der Kabel- und Glasfaserindustrie.




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