[Media and Me] Motorsport als Umweltsünder – kann er mit der Zeit gehen?

<p>[Media and Me] Motorsport als Umweltsünder – kann er mit der Zeit gehen?</p>
Illustrationsfoto: picture alliance/dpa/PA Wire

Die aktuellen Trends in der Gesellschaft gehen sehr deutlich auf Themen wie Klima- und Umweltschutz ein. Auf Social Media findet man unter Millionen Beiträgen fast ausschließlich Hashtags wie #savetheworld oder #vegan. Ernährung und Umwelt werden zu Prioritäten und obwohl man meinen könnte, daran ließe sich nichts Schlechtes erkennen, so fällt es doch Organisationen wie den Motorsportverbänden schwer, sich in diesen Zeiten zu behaupten.

Die Kritik kommt von allen Seiten. Es wird von ihnen verlangt, sich zu verändern. Doch wie soll das gelingen? Es ist allgemein bekannt, dass der Ausstoß von Verbrennungsmotoren eine Belastung für die Umwelt darstellt. Auch der Ressourcenverbrauch, um Fahrzeuge und Kraftstoffe herzustellen, ist hoch. Allein die Formel 1, die in der Regel 20 Autos pro Saison betreibt, spricht von einem Kohlenstoffemissionswert von 256.552 Tonnen in 2019.

Um diesen Zahlen entgegenzuwirken, muss kräftig eingespart werden. Insbesondere die Transportmengen, unter anderem die Ersatzteile sowie die Anzahl an mitreisenden Personen, reduzierten sich um mehr als die Hälfte. Auch der Kraftstoff wurde angepasst. Seit 2022 fährt die Formel 1 mit E10, einem 10 % nachhaltigem Kraftstoff, die Formel 2 und 3 seit 2023 sogar mit 55 % Biosprit. Der Fokus liegt weiterhin auf dem Netto-Null-Kohlenstoff-Ziel, also der Betrieb mit einem 100 % nachhaltigen Kraftstoff.

Neben den allgemein bekannten Rennserien tritt nun auch die Formel E in Erscheinung, die gar nicht so neu ist wie man zuerst vermuten mag. Seit September 2014 lässt sie sich als eigene Kategorie ausweisen. Der Strom für die Autos läuft vollkommen CO2-neutral. Um Materialverbrauch und hohe Transportmengen zu reduzieren, sind Allwetterreifen als Dauerlösung in Planung.

Obwohl die Formel E den Erwartungen an umweltfreundlichen Betrieb zu erfüllen scheint, kommt sie bei den Zuschauern eher weniger gut an. Laut einer Studie schauen 72 % die Formel E nicht, 23 % ab und zu und lediglich 5 % jedes Rennen. Als Begründung geben die Befragten an, die Tradition gehe verloren und durch die veränderte Punkteverteilung, die die Formel E einsetzt, käme es zu einer Wettbewerbsverzerrung.

Doch nicht nur die Formel-Serie rüstet auf. Auch der ADAC gibt sich große Mühe, mit den aktuellen Trends mitzuhalten. Verwendet wird der exklusiv von Shell für die ADAC-Rennserie entwickelte Shell Blue Gasoline GT Masters, ein 50 % nachhaltiger Kraftstoff, der 2022 erfolgreich getestet wurde. Ein anderer, ebenfalls nachhaltiger 100-prozentiger Biokraftstoff wird in der Nachwuchsförderung beim ADAC XC Cup eingesetzt. Es werden sogar Anschaffungs-, Transport- und Einsatzkosten verringert, da sich je zwei Fahrer ein Auto teilen.

Darüber hinaus testet der ADAC in einem innovativen Projekt einen CO2-neutralen Kraftstoff an einem historischen VW-Transporter für drei Jahre. Unter dem ADAC läuft seit 2021 auch die weltweit erste batterieelektrische Rallyeserie. Benutzt werden öffentliche Stromnetze, wobei vom jeweiligen Netzbetreiber regenerativ erzeugter Ökostrom bezogen wird.

Es lassen sich viele Veränderungen und Fortschritte in den Bereichen des Motorsports erkennen. Und doch scheint allein die Umstellung auf nachhaltige Kraftstoffe nicht auszureichen. Die Politik drängt weiterhin in Richtung E-Autos als einzige Lösung für die Zukunft. Und auch wenn E-Autos in vielerlei Hinsicht umweltfreundlicher sind, so kann schnell das Gefühl des traditionellen Motorsports verloren gehen. Erkennbar an der Formel E, die nicht sonderlich viele Bewunderer hat, sorgen nachhaltige Entwicklungen im Motorsport für den Verlust von Fans und Tradition. Um seine Werte und seine Faszination zu behalten, sollte der Motorsport darüber nachdenken, wodurch er sich für viele Fans auszeichnet. Somit sind sowohl eine nachhaltige Entwicklung als auch eine Vorbildfunktion möglich, ohne traditionelle Werte zu verlieren.

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Projektes „Media and Me“. Während drei Tagen erhalten Teilnehmer ab 16 Jahren unter anderem Einblicke in die Abläufe der GrenzEcho-Redaktion und erstellen journalistische Texte zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.

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