Tickets, die innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft sind, zahlreiche Merchandise-Artikel und ausgebuchte Hotels – für all das sorgt die 34-jährige Amerikanerin, die grade erst zur „Person des Jahres“ des Time-Magazins gekürt wurde. Der Hype hat schlichtweg den Höhepunkt erreicht. Er ist sogar so groß, dass durch die Fans, die sich selbst als „Swifties“ bezeichnen, schon fast eine eigene Ökonomie, die „Swiftonomics“, entstanden ist.
Besonders bei der aktuellen „The Eras Tour“ ist die scheinbar grenzenlose Fanliebe spürbar, denn auch über jegliche Landesgrenzen hinweg reisen die „Swifties“ ihrem großen Vorbild nach, um sie auf ihren immer ausverkauften Konzerten zu bejubeln.
Doch die Zeiten, in denen Fans eingeschworene Gemeinden und nur unter sich waren, sind spätestens seit Tokio Hotel vorbei. Die vermutlich niemals endende Unterstützung, die Taylor Swift entgegengebracht wird, ist für nahezu jeden spüren, sei es freiwillig oder auch nicht. Diese eine Liebe wird nicht etwa unauffällig, sondern auf ihre ganz eigene Art und Weise ausgelebt. Auch, wenn die heißbegehrten Konzertkarten ausverkauft sind, ist das für waschechte Fans noch lange kein Grund, zuhause zu bleiben. Meist gemeinsam mit Freunden wird sich ein Zelt geschnappt, zwei Tage vorher angereist und vor der Arena gezeltet, in der in den nächsten Tagen das besagte Konzert stattfinden soll, um ja keine Sekunde zu verpassen, wodurch dann die kurzzeitige Besetzung einiger Städte keine Seltenheit ist. Obwohl auch Taylor Swift eine große Auswahl an Merchandise hat, machen die Swifites auch hier ihr eigenes Ding. Denn während die Fans von anderen Musikern meist in einfach bedruckten T-Shirts eben dieses Musikers die Konzerte besuchen, werden die Fans des Popstars durchaus kreativ. Bunt verkleidet als ihre „Lieblingsära“ oder gekleidet nach dem Motto einer Textzeile, die ihnen viel bedeutet, erscheinen sie in den Arenen. Die besagten Textzeilen nehmen ihre Fans jedoch auch nicht selten beim Wort. Besingt sie beispielsweise spaßeshalber Freundschaftsarmbänder, nehmen die Fans das zum Anlass, diese wirklich zu knüpfen und auf Konzerten auszutauschen.
Doch warum eigentlich all das? In den letzten Jahren hat die Sängerin in der Musikszene enorm Fuß gefasst und sich gegen nahezu alle anderen durchgesetzt, sodass sie nun zu den erfolgreichsten Musikerinnen jemals zählt. Mit jedem ihrer Alben verändert sie ihr Image und tritt in eine neue „Ära“ ein und schafft es, mit ihren Songs immer wieder zu begeistern. Doch nicht nur das – darüber hinaus baut sie kritische Statements in ihre Texte ein, setzt sich beispielsweise für die LGBTQ-Community ein und gilt außerdem als Ikone des Feminismus. So findet nicht nur ihre Musik, sondern auch sie als Person bei einer großen Menschengruppe Anklang. Zudem macht sie auch vor denen keinen Halt, die eigentlich kein Interesse an ihr haben. Das beste Beispiel hierfür ist die Stadt Gelsenkirchen, wo im Sommer 2024 einige Konzerte der Sängerin stattfinden sollen. Die Fans haben es nun geschafft, Gelsenkirchen zeitweise in „Swiftkirchen“ umzubenennen, um der Musikerin damit eine Freude zu machen.
Doch diese unendliche Liebe zu Taylor Swift hat durchaus auch Schattenseiten. Ein Großteil der Super-Fans würde für sie regelrecht durchs Feuer gehen. Was sich anhört wie eine süße Teenie-Liebschaft kann jedoch schnell ungeahnte, nicht ungefährliche Züge annehmen und die Liebe schnell zum Hass werden. Jedoch nicht gegenüber Swift, sondern gegenüber denen, die ihre Leidenschaft nicht teilen oder die Musik der 34-Jährigen gar kritisieren. So kam es, dass ein Musikkritiker im Jahr 2019 zahlreiche Morddrohungen von Swifties erhielt, nachdem er das Lied „Lovers“ stark kritisierte. Dieses Ereignis hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sodass mittlerweile sogar Musikmagazine aus Angst vor erneuten Drohungen ihre Kritik an der Musikerin nur noch anonym äußern. Die Fangemeinde der „Swifties“ wird also langsam fast zu einem Kult, den man nicht unterschätzen sollte.
Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Projektes „Media and Me“. Während drei Tagen erhalten Teilnehmer ab 16 Jahren unter anderem Einblicke in die Abläufe der GrenzEcho-Redaktion und erstellen journalistische Texte zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.
![<p>[Media and Me] „Swifties“ - noch Liebe zum Idol oder schon Besessenheit?</p>](https://grzeng.rosselcdn.net/sites/default/files/dpistyles_v2/ena_16_9_extra_big/2024/07/03/node_108972/15026839/public/2024/07/03/B9736394175Z.1_20240703152320_000%2BGOIP10UH2.1-0.jpg?itok=Oz99SBWf1720013681)
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