Zeitumstellung ade? Nächste Etappe auf dem Weg zur Abschaffung

<p>Dunklere Vormittage im Winter oder kürzere Abende im Sommer - eine der beiden Optionen wird Realität, wenn die Zeitumstellung in der EU tatsächlich wegfällt.</p>
Dunklere Vormittage im Winter oder kürzere Abende im Sommer - eine der beiden Optionen wird Realität, wenn die Zeitumstellung in der EU tatsächlich wegfällt. | dpa


Egal wie: Der europäische Entscheidungsprozess schreitet weiter voran, wenn auch langsam. Am Dienstag (etwa 12.30 Uhr) stimmt das EU-Parlament über seine Position zu dem heiß diskutierten Thema ab – ein Zwischenschritt auf dem langen Weg zum möglichen Kompromiss. Doch wieso diskutiert man in der EU jetzt überhaupt über die Abschaffung der Zeitumstellung?

Der Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit ruft schon seit langem viele Gegner auf den Plan. Seit 1996 werden in der Europäischen Union am letzten Sonntag im März sowie am letzten Sonntag im Oktober die Uhren jeweils eine Stunde umgestellt.

Ursprünglich sollte dank einer besseren Ausnutzung des Tageslichts Energie gespart werden – doch der wirtschaftliche Nutzen ist heute äußerst umstritten. Außerdem legen wissenschaftliche Erkenntnisse nahe, dass manche Menschen gesundheitlich unter dem Mini-Jetlag leiden. Auch Tieren fällt es schwer, sich immer wieder auf einen geänderten Tagesrhythmus einzustellen.

Schließlich startete die EU-Kommission im vergangenen Jahr eine europaweite Online-Befragung zur Zeitumstellung. Die Resonanz war riesig. 4,6 Millionen Menschen nahmen teil. Das Ergebnis: 84 Prozent der Teilnehmer forderten die Abschaffung der Zeitumstellung – und das auch in Ländern, in denen das recht drastische Auswirkungen hätte.

In Mitteleuropa gibt es im Moment eine große Zeitzone von Polen bis Spanien, zu der Belgien und 16 weitere EU-Länder gehören. Käme für alle 17 Staaten die dauerhafte Sommerzeit, hieße das für den Westen Spaniens Dunkelheit bis kurz nach 10 Uhr. Trotzdem stimmten 93 Prozent der Umfrage-Teilnehmer aus Spanien für ein Ende der Zeitumstellung. Bei einer durchgehenden Winterzeit würde es in Warschau im Sommer schon gegen 3.15 Uhr hell – doch auch in Polen waren die Gegner des Hin und Hers mit 95 Prozent eindeutig in der Mehrheit.

Die EU-Kommission reagierte und schlug vor, bereits 2019 das halbjährliche Drehen an der Uhr abzuschaffen. Stattdessen solle jeder Staat selbst entscheiden können, ob er dauerhaft Sommer- oder Winterzeit will.

Doch die zuständigen EU-Verkehrsminister sperrten sich gegen ein so schnelles Ende der Regelung. Frühestens 2021 solle es so weit sein, befanden sie unlängst. Sonst drohe ein unübersichtlicher Flickenteppich aus verschiedenen Zeiten in der EU. Derzeit stimmen die EU-Staaten untereinander noch ihre Position ab, das nächste offizielle Ministertreffen zum Thema ist erst für Juni anberaumt – nach den Europawahlen.

Im Verkehrsausschuss befürwortet man deshalb ein Ende vom Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit erst ab dem Jahr 2021. Um den gefürchteten Flickenteppich zu vermeiden, will der Ausschuss einen „Koordinierungsmechanismus“ ins Leben rufen, in dem Vertreter von Kommission und Mitgliedstaaten sitzen sollen. Er soll eine möglichst einheitliche Regelung in den Mitgliedstaaten hervorbringen.

Wie sich das gesamte Parlament positioniert, bleibt abzuwarten. Am Ende müssen sich Unterhändler der Abgeordneten und der Mitgliedstaaten in jedem Fall noch auf einen Kompromiss einigen. Damit wird nicht vor Herbst 2019 gerechnet – denn bevor es zu Verhandlungen kommt, muss sich nach den Wahlen erst das neue EU-Parlament konstituieren.

In der Nacht zu Sonntag ist es also erst einmal wieder so weit: Die Nacht der Europäer wird um eine Stunde verkürzt, denn um 2 Uhr springt der Zeiger eine Stunde nach vorn. Dann heißt es zunächst wieder für viele Belgier: im Dunkeln aufstehen. (dpa)

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