Jamal Musiala schäumte nach seinem Ausflug auf die Frankfurter „Rutschbahn“ vor Wut. „Ich bin froh, dass ich das überlebt habe“, fluchte der Dribbelkünstler nach dem 2:1 gegen die Niederlande im März. Fast genau drei Monate nach seiner persönlichen Schlitterpartie muss Musiala mit dem DFB-Team wieder in Frankfurt antreten – und Besserung ist nicht in Sicht. Zum Vorrundenabschluss gegen die Schweiz scheinen erneute Ausrutscher programmiert, sogar die UEFA ist alarmiert.
Nach dem 1:1 der Engländer gegen Dänemark am Donnerstag sorgte der Zustand des Rasens für kollektives Kopfschütteln. „Ich habe schon öfter in Frankfurt gespielt, und der ist halt immer so. Das ist nichts Neues“, sagte der dänische Angreifer Yussuf Poulsen: „Ich habe den Jungs gesagt, dass sie die Stollen anziehen sollen. Weil nach 20 Minuten wird's rutschig.“
Die Probleme traten auf dem extra gewässerten Grün gar noch früher auf. Englands Bukayo Saka wechselte schon beim Aufwärmen nach wenigen Sekunden die Schuhe, Kyle Walker reagierte nach einem ersten gesundheitsgefährdenden Ausrutscher fünf Minuten nach dem Anpfiff – ein Patentrezept fand allerdings niemand. „Selbst wenn man mit Eisenstollen gespielt hat, war der Platz sehr rutschig“, sagte der dänische Flügelspieler Joakim Maehle: „Wir hatten Schwierigkeiten, darauf zu rennen.“
Besonders problematisch ist der Rasen für wendige Hochgeschwindigkeitsfußballer wie Florian Wirtz oder eben Musiala. „Ich mache immer viele Drehungen. Da muss der Platz schon stabil sein“, hatte Musiala im März erklärt: „Ein bisschen rutschig ist schon okay, aber das war schon gefährlich.“ Thomas Müller sprach von „einem Wahnsinn“. Der Platz sei „eine Katastrophe, wirklich eine Katastrophe“, betonte Nagelsmann damals. „Extrem seifig. Man rutscht sehr schnell aus, er geht schnell kaputt“, urteilte Chris Führich nun.
Schon Hausherr Eintracht Frankfurt hatte in der Rückrunde der Bundesliga immens mit dem schmierigen Grün zu kämpfen. Als Grund für den schlechten Zustand wurden immer wieder die im vergangenen November ausgetragenen NFL-Spiele herangezogen. Der eigens dafür verlegte Hybridrasen war nach den beiden Partien der US-Football-Liga derart ramponiert, dass er wieder ausgetauscht werden musste – und zwar wegen des kurzen Zeitraums bis zum nächsten Heimspiel der Eintracht gegen einen Naturrasen.
Dieser Naturrasen konnte im hessischen Winter naturgemäß nicht richtig festwachsen, seitdem bleibt er ein Problem-Untergrund. Zahlreiche Maßnahmen im Verlauf der Rückrunde und auch im Vorfeld der EM haben offenkundig nicht gefruchtet. Die UEFA teilte nun besorgt mit, es gebe einen „detaillierten Instandhaltungsplan, um bestimmte Probleme zu beheben und die Qualität des Platzes vor den kommenden Spielen weiter zu verbessern“.
Erfolgsaussichten in der Kürze der Zeit? Ungewiss! „Man muss mit den Umständen umgehen können. Wir müssen Sonntag gewinnen, egal ob wir auf Rasen oder Stein spielen“, sagte Deniz Undav. Auch wenn Musiala und Kollegen am Sonntag (21 Uhr) besser die längstmöglichen Eisenstollen nutzen – die akute Rutschgefahr bleibt wohl bestehen.
Und es gibt noch ein Problem: Gleich vier deutsche Spieler sind gegen die Schweiz von einer möglichen Sperre im Achtelfinale bedroht. Gegen Schottland sahen die Leverkusener Robert Andrich und Jonathan Tah die Gelbe Karte. Gegen Ungarn wurden Antonio Rüdiger und Maximilian Mittelstädt verwarnt. Nach zwei Gelben Karten muss ein Akteur ein Spiel aussetzen. (sid/dpa/tf)

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