Das ewige Imperium – wie Rom bis heute nachwirkt

<p>Das alte Rom hallt bis heute nach und beeinflusst die westliche Welt.</p>
Das alte Rom hallt bis heute nach und beeinflusst die westliche Welt. | Foto: picture alliance/dpa

Wann ist das römische Weltreich untergegangen? Eigentlich nie, schreibt der italienische Journalist Aldo Cazzullo. In „Ewiges Imperium“ schildert der stellvertretende Chefredakteur des „Corriere della Sera“, wie das Römische Reich die westliche Welt bis heute beeinflusst. Es lebt weiter in unserer Art zu denken, zu sprechen und zu bauen und prägt bis heute Teile der westlichen Kultur und der Politik. Und ohne Rom hätte es auch nie ein christliches Abendland gegeben. Da sind etwa die politischen Begriffe: Italien ist wie auch Deutschland oder Frankreich eine Republik, abgeleitet vom lateinischen res publica, der „öffentlichen Sache“. In Frankreich, Italien oder auch in Belgien gibt es einen Senat, ebenfalls eine römische Wortschöpfung. In Washington hat dieser seinen Sitz auf dem Kapitol. Auch Wörter wie Faschismus, Sozialismus oder Kommunismus haben ihren Ursprung in lateinischen Begriffen.

Unser Kalender ist, von einer Reform im 16. Jahrhundert abgesehen, derjenige, den der Diktator - ebenfalls ein römisches Wort - Julius Caesar 46 vor Christus einführte. Noch heute werden Menschen in Monaten geboren, die nach Caesar (Juli) oder Kaiser Augustus (August) benannt sind. Von Caesar leiten sich Kaiser und Zar ab. Als der letzte deutsche Kaiser - Wilhelm II. - 1918 abdankte, wählten die Revolutionäre Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg den römischen Sklavenführer Spartacus als Namensgeber ihres Aufstands. In seinem lesenswerten Buch schlägt Cazzullo einen weiten Bogen vom Trojaner Aeneas, der laut Legende zum Stammvater der Römer wurde, über Stadtgründer Romulus - der mit seinem Zwillingsbruder Remus von einer Wölfin gesäugt worden sein soll - zu Caesar und Augustus und weiter in die Spätphase des Imperiums, als das Christentum nach langer Verfolgung Staatsreligion wurde. Er hebt den multikulturellen Charakter des Reiches hervor, in dem geografische Herkunft und Hautfarbe der Bürger keine Rolle spielten, verschweigt aber auch nicht die Schattenseiten wie die Sklaverei oder den Ausschluss der Frauen aus der Politik.

Politisch löste sich das Römische Reich im Westen im 5. Jahrhundert auf. Aber alle Reiche, die folgten, betrachteten sich als Erben Roms. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation existierte bis 1806. Parallelen zum römischen Imperium sieht der Autor auch beim britischen Empire und beim Aufstieg der USA zur Weltmacht. In der heutigen Welt entdeckt Cazzullo virtuelle Imperien in den Weiten des Internets wie Facebook mit seinen fast drei Milliarden Nutzern. Dessen Gründer Mark Zuckerberg beschreibt er als Rom-Fan und nennt ihn „eine Art modernen Augustus“. Nicht zuletzt inspiriert das alte Rom bis heute auch Literatur und Film. „Von allen Epochen der Menschheitsgeschichte hat keine einen so tiefen Eindruck hinterlassen wie die Geschichte Roms“, schreibt Cazzullo. Dies liege wohl auch daran, dass zwei außergewöhnliche Ereignisse – der Beginn der römischen Kaiserzeit und die Geburt von Jesus Christus – fast zeitgleich zusammenfielen. (dpa/sc)

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