Nach den Konzerten im Kulturzentrum Alter Schlachthof und im Monschauer Aukloster bildeten die Darbietungen der Pianisten Johan Schmidt, Xin Wang und Florian Koltun das musikalische Sahnehäubchen dieser neuen Konzertreihe. Die perfekte Klangsprache zum Auftakt fand der international erfolgreiche belgische Pianist Johan Schmidt mit der Klaviersonate Nr. 2 von Frédéric Chopin. Das als „Trauermarsch-Sonate“ bekannte Stück gilt als die wohl düsterste Klaviersonate der Romantik. Der Belgier spielte sie mit jener fieberhaften Vehemenz, die echtem Schmerz innewohnt. Neben Händels „Largo“ ist der dritte Satz eines der meistgespielten Beerdigungstücke der Musikgeschichte. Nach diesem zugegeben düsteren, aber beeindruckenden Konzertbeginn sorgten zwei Stücke aus „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy für eine weitaus romantischere Atmosphäre. Dabei übernimmt das Piano die Singstimme und es entsteht eine von allem Überflüssigen befreite Musik, die auch den literarischen Aspekt mit einschließt. Das Rezital von Johan Schmidt endete mit der sogenannten „Dante-Sonate“ von Franz Liszt, die 1839 erstmals in Wien gespielt wurde. Liszt wurde zur Komposition durch Dantes Göttliche Komödie angeregt. Bei der tonpoetischen Schilderung des Infernos und der Qual der Verdammten zog der Künstler alle Register seines Instruments. Sein Steinway-Flügel entfaltete in der exzellenten Akustik des Kirchenraums ein voluminöses Klangvolumen, tragend und doch nicht übermäßig hallend. Interpreten aus China, Süd-Korea oder Japan haben längst die Bühnen und Konzertsäle der westlichen Welt erobert und glänzen mit künstlerischen Spitzenleistungen. Aber auch Komponisten aus dem asiatischen Raum haben sich die Musik des Abendlandes zu eigen gemacht und schaffen mit dem Erfahrungsschatz ihrer Kultur neue Musikwelten und Klänge. Dazu gehört auch der 1978 geborene Zhu Shijia, Professor für elektro-akustische Kompositionen am Zentralkonservatorium von Bejing. Im Garnstock-Kloster sorgten Xin Wang und Florian Koltun, beide aus Monschau, für eine Uraufführung seiner Komposition „Image of mountain springwater“, welche filigran das Entspringen einer Quelle beschreibt. Es folgte eine ganz gegensätzliche Wassermusik: „Speach after long silence“ des Engländers Howard Blake ist ein expressives Klangstück mit fein strukturierten Tonfolgen, bis hin zu sich auftürmenden Akkorden in gewaltigem Forte. Traditionelles mit vier Händen
Die Petite Suite, ein Klavierwerk des französischen Impressionisten Claude Debussy aus dem Jahre 1889 gilt als typische französische Salonmusik. Deutliche Merkmale sind die einfache Harmonik sowie die leichten tänzerischen Akzente. Wichtigstes Ziel der französischen Musik im 19. Jahrhundert war es Vergnügen zu bereiten. Und das dies auch nach hundertdreißig Jahren noch perfekt funktioniert wurde beim Vortrag des Duos Koltun-Wang deutlich. Die beiden spielten sich temperamentvoll und prägnant die Themen zu und ganz offensichtlich hatte das Publikum seine helle Freude daran. Als Zugabe gab es mit Rossinis Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ natürlich einen Ausflug ins Populäre. Auch hier bestachen die Künstler durch ihre Spiellaune und durch ihre Harmonie hinsichtlich Technik und Ausdruck. Mit herzlichem Applaus dankten die Zuhörer allen Interpreten für das inspirierende Konzerterlebnis, wobei Florian Koltun ebenfalls auf äußerst humorvolle Weise durch das Programm führte. Ein weiteres Mal ist es den Initiatoren gelungen, im Kloster eine Top-Veranstaltung zu organisieren, die natürlich weitaus mehr Besucher verdient hätte. Aber das ist in Anbetracht der großen Veranstaltungsfülle in unserer Gegend ein anderes Problem… (red)

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