Die belgische Delegation verfolgte enttäuscht, wie Gianni Infantino unter lautem Jubel mit einem Lächeln den Ausrichter der WM der Frauen 2027 verkündete. „Brazil“ stand auf dem goldenen Zettel, den der FIFA-Präsident am Freitag in die Kameras im Kongresszentrum von Bangkok hielt. Die Endrunde in gut drei Jahren wird in Brasilien gespielt, nicht in Belgien, Deutschland und den Niederlanden. Die gemeinsame Bewerbung unterlag bei der Vergabe durch den Kongress des Weltverbands deutlich mit 78:119 der gültigen Stimmen.
„Ich bin euphorisch“, sagte der brasilianische Verbandschef Ednaldo Rodrigues und dankte seinem Team. „Ich fühle eine Menge Emotionen, wir wussten, dass es schwer werden würde. Aber wir wussten, dass wir vereint erfolgreich sein würden.“ Brasilien werde die „beste WM“ liefern. „Ich lade alle ein, nach Brasilien zu kommen“, sagte der Verbandschef. Infantino äußerte - wieder einmal: „Es wird die beste WM aller Zeiten.“
Erstmals in der Geschichte des Weltfußballs findet eine Weltmeisterschaft der Frauen in Südamerika statt. Das Finale steigt im legendären Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro. Hätte das europäische Trio sich durchgesetzt, wäre in drei Jahren länderübergreifend in insgesamt bis zu 13 Städten gespielt worden.
Die vorgesehenen belgischen Spielorte wären der Lotto Park in Anderlecht, die zukünftige ZebrArena in Charleroi, die noch gebaut werden muss, sowie die Planet Group Arena in Gent und die Cegeka Arena in Genk. Laut FIFA-Evaluationsbericht sollte Amsterdam der Ort des Eröffnungsspiels werden, in Dortmund sollte das Finale steigen.
Die Belgier hatten gehofft, endlich noch einmal ein großes Tunier ausrichten zu dürfen. Das letzte XXL-Event, das hierzulande über die Bühne ging, war die Fußball-EM der Männer im Jahr 2000, die gemeinsam mit den Niederlanden ausgerichtet wurde.
Die anderen europäischen Verbände standen zwar hinter dem UEFA-Trio. Brasilien punktete aber auf dem amerikanischen Kontinent, in Asien und in Afrika. Die USA und Mexiko hatten ihre Bewerbung vor dem Kongress zurückgezogen und einen neuen Anlauf für 2031 angekündigt.
Der Weltverband hatte vorab Aspekte der Bewerbungen wie die Infrastruktur, Nachhaltigkeit, Menschenrechte und rechtliche Fragen bewertet. In der Bewerbung der Europäer bestünde „eine Reihe von rechtlichen Risiken“, hieß es. Die Regierungen der Länder hätten die rechtliche Durchsetzbarkeit von eingereichten staatlichen Unterstützungsdokumenten nicht vollständig garantiert. (dpa/belga/calü)
Die Gastgeber der Frauenfußball-WM im Überblick:
1991: China - Weltmeister: USA
1995: Schweden - Weltmeister: Norwegen
1999: USA - Weltmeister: USA
2003: USA - Weltmeister: Deutschland
2007: China - Weltmeister: Deutschland
2011: Deutschland - Weltmeister: Japan
2015: Kanada - Weltmeister: USA
2019: Frankreich - Weltmeister: USA
2023: Australien/Neuseeland - Weltmeister: Spanien
2027: Brasilien

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren