Die Hochwasserlage in Nordrhein-Westfalen ist auch am Mittwoch weiter angespannt geblieben. Trotz örtlicher Regenpausen führten zahlreiche Bäche und Flüsse nach wie vor Hochwasser. Am stärksten betroffen war auch nach den Weihnachtstagen die Weser im Osten des Landes, wie das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) mitteilte. Dort dauerte das „große Hochwasser“ an, bei dem bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet werden können. An vier Pegeln war der Schwellenwert der höchsten Stufe 3 noch überschritten, Tendenz sinkend oder verharrend.
An 18 Pegeln in NRW lagen die Wasserstände über dem Schwellenwert der Stufe 2, bei der die einzelnen Grundstücke und Keller überflutet werden können. Ein Pegel an der Ems und drei an der Lippe verzeichneten dabei zunächst noch Anstiege, wie das Landesumweltamt berichtete. An weiteren 33 Pegeln anderer NRW-Gewässer wurde noch der Wert für die Stufe 1 überschritten, bei der land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet werden können. „Alle weiteren Pegel stagnieren oder fallen bereits wieder“, sagte eine Sprecherin des Lanuv.
Im Ruhreinzugsgebiet fiel in fünf Tagen bis zum 25. Dezember laut Ruhrverband so viel Regen wie sonst im gesamten Monat Dezember. Auswertungen ergaben 104 Liter pro Quadratmeter im Gebietsmittel. Dennoch sei die Stufe 3 im Ruhreinzugsgebiet an keinem Gewässerpegel erreicht worden.
Die Talsperren des Ruhrverbands hielten vom 21. bis 27. Dezember fast 46 Millionen Kubikmeter Wasser zurück, berichtete der Verband am Mittwoch. „In der Spitze flossen den Talsperren in der Nacht zum 25. Dezember 245 Kubikmeter pro Sekunde zu, während gleichzeitig nur 84 Kubikmeter pro Sekunde abgegeben wurden.“ Das habe Wirkung gezeigt. Ohne diesen Rückhalt in den Talsperren hätte demnach etwa der enorme Pegelstand in Hattingen (601 Zentimeter an Heiligabend) noch um bis zu 34 Zentimeter höher ausfallen können.
Für Mittwoch und Donnerstag waren für NRW eher geringe Niederschlagsmengen vorhergesagt worden. Der begonnene Rückgang der Wasserstände an den Gewässerpegeln werde sich fortsetzen, prognostizierte der Ruhrverband. Um die Hochwasserschutzräume etwas zu leeren, sollten die Wasserabgabemengen am Mittwoch im Tagesverlauf erhöht werden. Die Lage in Oberhausen sei stabil, das gelte auch für den Ruhrdeich, meldete die Stadt.
Die Lanuv-Behörde sprach von einer Phase der leichten Entspannung. Doch ab Freitag seien wieder stärkere Regenfälle angekündigt. Entwarnung gab das Landesumweltamt nicht.
Zu den betroffenen Gebieten gehörte der Kreis Soest - mit Einsatz-Schwerpunkten in der Stadt Lippstadt und der Gemeinde Lippetal. Dort waren Keller voll Wasser gelaufen, mehrere Straßen überflutet, einzelne Gehöfte von der Feuerwehr mit Sandsäcken versorgt worden. Ein Kreissprecherin berichtete nach den Feiertagen, die Lage habe sich zumindest nicht verschärft.
Im Kreis Steinfurt blieben besonders betroffene Gebiete teilweise für Menschen und Fahrzeuge gesperrt. Aktuell seien vom Hochwasser vor allem Teile der Innenstadt von Rheine, Greven oder auch Emsdetten betroffen, hieß es am Mittwoch. Im Kreis Wesel hatte die Feuerwehr in Schermbeck wegen steigenden Pegels der Lippe Wasser aus einer Jugendfreizeitstätte abpumpen müssen, wie sie am Tag nach dem Einsatz mitteilte.
Am Rhein in Köln, Düsseldorf und Duisburg hatte das Hochwasser seine Höchststände erreicht oder überschritten. Die Behörden rechneten für die kommenden Tage mit sinkenden Wasserständen. Die Hochwassermarke II, bei dem die Schifffahrt eingestellt wird, wurde in keinem Fall erreicht. (dpa/mo)

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