Manderfelder Projektidee soll die Debatte eröffnen

Nicht ganz aus freien Stücken, sondern im Rahmen des Projektes „Neues Leben für unsere Dörfer“, das sich langfristig mit der Zukunft der Ortschaften Wallerode, Elsenborn und Manderfeld beschäftigt, hat Jordi Hennissen, Student der Fakultät für Architektur der Universität Lüttich, sich mit diesem Gebäude der Familie Plattes beschäftigt.

„Es gibt eine Reihe leer stehender Gebäude in der Ortschaft“, erklären sein Professor, Norbert Nelles, und Projektleiterin Marianka Lesser von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Ostbelgien (WFG).. Und es gibt auf der anderen Seite einen Bedarf an neuen Wohnformen für Senioren, am besten mitten im Ortskern.

Das Gebäude der Eheleute Plattes ist ganz typisch für Manderfeld. Ein großer, länglicher Bau, bestehend aus einem Wohnhaus, einem Stall, einem Zwischenraum und einer Scheune. Helena Plattes-Theissen ist hier aufgewachsen und hat hier gelebt, bis zu ihrer Hochzeit mit Albert Plattes vor 52 Jahren. „Wir hatten eine Landwirtschaft, acht Milchkühe standen im Stall“, blickt sie zurück.

Hinter dem Haus gibt es noch eine 75 ar große Wiese. „Da könnte man noch ein paar Fußballfelder anlegen“, lacht sie. Ihr Mann Albert Plattes erinnert sich: „Es gab auch eine kleine Schreinerei im Haus. Wenn Essenszeit war, wurden schnell die Hobel aufgekehrt und der Tisch gedeckt“, erzählt er. Helena Theissens Vater hat noch bis ins hohe Alter in seinem Haus gelebt. Danach hat das Ehepaar in dem Gebäude Ferienwohnungen eingerichtet. Seit 20 Jahren ist das Wohnhaus nun vermietet. Scheune und Zwischenraum werden auch genutzt, als Lager. Aber von einer optimalen Auslastung der Immobilie kann man mit Sicherheit nicht reden. „Wir wollten mal wissen, was überhaupt möglich ist“, erklären Albert und Helena Plattes, warum sie ihr Gebäude bei dem Projekt eingereicht haben. Das Angebot war, durch Studenten der Universitäten Lüttich und Aachen Vorschläge zu einer möglichen Nutzung ausarbeiten zu lassen.

Mit dem Ergebnis ist das Paar sehr zufrieden: „Die Idee ist in jedem Fall gut, der Bedarf ist auch da.“ Die Rentabilität, das müsse freilich noch berechnet werden, zumal die Studenten erst einmal nur ihre Vision zu Papier bringen und keine konkrete Kostenberechnung machen. „Aber so haben wir wenigstens schon mal eine Vorstellung davon, was möglich ist“, sagt Albert Plattes.

Jordi Hennissen ist Flame. Sein Studium an der Uni Lüttich hat er fast abgeschlossen. Seit Oktober hat er an dem Entwurf gearbeitet und sich erst einmal mit den Besitzern gesprochen. „Er hat sich intensiv mit dem Bau auseinandergesetzt“, sagt sein Professor Norbert Nelles. Zum Dorfplatz hin sind in seinem Entwurf der Charakter des Baus und die typische Fassade erhalten geblieben. An der Rückseite allerdings sieht er eine Glasfront vor, die den potenziellen Bewohnern den Blick auf die schöne Landschaft freigibt. Sechs Wohnungen, geeignet für je zwei Senioren, mit einer Größe von je 70 qm hat Jordi Hennissen vorgesehen. Über den Anbau an der Rückseite sind sie alle miteinander verbunden. Das Glas sorgt zudem dafür, dass genügend Licht ins Gebäude kommt. Zudem hat Jordi Hennissen einen Anbau vorgesehen, in dem ein Gemeinschaftsraum untergebracht ist. „Das ist wirklich Vision“, räumt er allerdings lachend ein, denn das vorgesehene Gelände gehört eigentlich der Gemeinde… Aber auch ohne diesen Anbau wäre die Möglichkeit gegeben, gemeinschaftliche Räume einzurichten.

Zentrale Frage für die Besitzer ist natürlich die nach der Finanzierung.

„Wer soll das finanzieren?“ ist natürlich die zentrale Frage, wenn die Idee, die nun auf dem Tisch liegt, weitergesponnen werden soll. Für Familie Plattes als Besitzer stellt sich natürlich die Frage der Rentabilität. Denkbar wäre auch – wenn die Rentabilität dann gegeben wäre –, dass ein Investor sich hier engagiert. „Es wird derzeit an einem Dekret zur Förderung alternativer Wohnformen für Senioren gerbeitet“, weist Marianka Lesser darauf hin, dass sich in Zukunft vielleicht noch neue Finanzierungsmöglichkeiten ergeben. Und denkbar wäre auch, dass sich privat Interessenten zusammenschließen und sich hier frühzeitig gemeinsam ihren Alterswohnsitz sichern.

Albert und Helena Plattes lassen sich die Zukunft des Gebäudes – auch gemeinsam mit ihren Kindern – nun mal in Ruhe durch den Kopf gehen. Mit Sicherheit wird nicht morgen in Manderfeld umgebaut werden, mit Sicherheit aber ist der Entwurf eine interessante Variante, und kann auch anderen als Beispiel dienen. „Die Debatte ist eröffnet“, sagen Jordi Hennissen und Norbert Nelles. Das war das Ziel.

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