Harmonie Hergenrath startete mit Tubaklängen in den Frühling

Die Tuba? „Das ist doch dieser schwere Brummer im Hintergrund, den Onkel Hubert in der Feuerwehrkapelle spielt, seitdem er wegen seiner Gicht in den Fingern nicht mehr mit der Trompete klar kommt?“, denkt sich mancher. Von wegen. In der Hand des Profis ist die Basstrompete ein enorm farbenreiches, tänzerisches, dynamisches, temporeiches, vier bis fünf Oktaven umfassendes Instrument, dessen Klang vom typischen Bass bis hin zu Klangfarben, die an ein Waldhorn erinnern, geht. Von daher wundert es nicht, dass das Instrument sogar Komponisten wie Paul Hindemith angeregt hat. Seine ganze Vielfalt zeigt die Tuba im 1997 uraufgeführten „Concerto for Tuba“ des amerikanischen Komponisten James Barnes. Die königliche Harmonie Hergenrath hat sich für den Solopart ein echtes Kind des Dreiländerecks geholt. Der gebürtige Kerkrader Hans Nickel hat seine ersten musikalischen Schritte bei Harmonien in Rimburg und Eygelshoven getan, ist Tubist beim WDR in Köln, Professor in Düsseldorf und wohnt in Hergenrath. In diesem Konzert zeigte Nickel nicht nur seine enorme Virtuosität mit dem Soloinstrument, er trat auch in Dialog mit einzelnen Instrumenten des Orchesters, wo besonders das Zusammenspiel zwischen Riese und Zwerg – der Piccoloflöte – ein interessantes Klangbild ergab. Für Hans Nickel war es das zweite Mal, dass er mit einem Amateurorchester gespielt hat. Das erste Mal war bei seinem Heimatverein in Eygelshoven – und es hat ihm große Freude bereitet.

Das Frühjahrskonzert der Harmonie Hergenrath ist immer ein symphonisches Konzert. Vor dem Tubakonzert führten die Hergenrater Harmoniker das Publikum in die Fantasiewelt des Computerspiels „Skyrim“. Die amerikanische Komponistin Julie Giroux hat sich durch das Spiel zur Ouvertüre „Riften Wed“ inspirieren lassen. Auch hier gab es Solopartien, die unter anderem dem Englischhorn und der Harfe einmal den Vortritt ließen. Das Ensemble demonstrierte eine wilde naturbelassene Welt mit lyrischen Partien, aber auch Brüchen, denn auch im Spiel geht es um Kampf und letztlich die Liebe zweier Menschen.

Das außergewöhnliche Niveau der Hergenrather Musiker zeigte sich auch nach der Pause. Komponist James Barnes hat mit seiner 5. Symphonie „Phoenix“ den Aufstieg Japans nach dem Krieg musikalisch dargestellt. Auch in diesem teils jazzigen, teils lyrischen, in jedem Fall sehr der amerikanischen Musiktradition verbundenen Stück bekamen ebenfalls die Einzelinstrumente wie Oboe oder Föten Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. Ein großes Konzert schloss der St. Florianschoral von Thomas Doss als Zugabe.

Im Publikum saß auch der eigentliche Dirigent des Orchesters, Gerhard Sporken, der noch dabei ist, sich von seinem schweren Verkehrsunfall zu erholen, aber inzwischen auf dem Weg der Besserung ist. Dieses Konzert stand ganz unter der Leitung von Rudolf Meessen, der sich am Horn von einem Lütticher Symphoniker vertreten ließ.

Vor dem Auftritt der Großen durfte das Jugendorchester unter seinem Dirigenten Patrick Sporken zeigen, was es kann. Die 1987 geschriebenen „Four old dances“ Bourrée, Menuett, Pavane und Gigue zeigten den Schreittanz der höfischen Ära des Barock. Einen radikalen Kontrast dazu bildeten „Rock around the Clock“ mit dem Bill Haley 1954 die Ära des Rock ‚n‘ Roll einläutete und Gloria Gaynors Disco-Klassiker „I will survive“. Natürlich gab es hinterher noch Gelegenheit, zugunsten des Vinzenzvereins ein musikalisch hervorragendes Konzert noch gemeinsam mit den Musikern bei einem guten Bier und etwas zu essen zu feiern.

Wer übrigens (noch) einmal erleben möchte, dass die Tuba viel mehr kann als Onkel Huberts Feuerwehrkapelle, dem sei am kommenden Freitag, dem „internationalen Tubatag“, das Kammerkonzert des WDR Sinfonieorchesters Köln um 20 Uhr im 3. Hörfunkprogramm des WDR empfohlen, das komplett dem Instrument gewidmet ist. Gespielt werden u. a. für Hans Nickel geschriebene Stücke.

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