Gesellschaftskritik: „Keine brave Krippe“ von Norbert Huppertz



Und so ist die Krippe auch geworden: besonders bzw. „nicht brav“, wie Norbert Huppertz zu sagen pflegt. „Konsum“ hat er sein Werk getauft. Das Krippenspiel nimmt darin nur einen kleinen, fast schon unbedeutenden Teil ein. „Und das ist auch so gewollt“, sagt der Medeller Künstler. „In unserer schnelllebigen Zeit bleibt wenig Platz und Raum für die richtige Weihnachtszeit. Business und Geld verdrängen das Wesentliche, also den eigentlichen Grund, weshalb wir diese Zeit feiern. Die Religion ist nur ein Teil davon. Es ist mehr die Botschaft, die sehr oft vergessen wird. Ich habe das sinnbildlich in meinem Werk dargestellt. Die Heilige Familie leidet unter der gewaltigen Last der Geschenke, sodass ihr kleiner Platz im Keller bedroht ist. Und wer schaut sich das Phänomen aus der Distanz an? Der Weihnachtsmann.“

Die weihnachtliche Botschaft wird nicht nur von den Geschenken erdrückt, sondern von allem, was dazu gehört. Konsum und Geschäftemacherei sind sicherlich die wichtigsten Aspekte, die der Künstler anprangern möchte. „Nur der Profit zählt. Dauernd unterwegs mit Handy und Rechenmaschine, was im linken Teil des Aktenkoffers dargestellt wird. In der Mitte habe ich einen Kran aufgebaut, der nach einer Geldkassette greift. Es ist für mich das Symbol der Menschen, die mit aller Kraft und Phantasie nach Geld schöpfen und dieses horten.“

Norbert Huppertz möchte „kein Weltverbesserer sein“. „Ich zeige auch nicht auf irgendwelche Menschen und gebe ihnen die Schuld an der heutigen Entwicklung. Ich möchte mit diesem Objekt lediglich zum Nachdenken anregen. Wenn die Krippe manchen Leuten nicht gefällt, dann ist es eigentlich ein positives Zeichen. Es zeigt, dass sie sich mit dieser Sicht der Dinge auseinandergesetzt haben.“

Norbert Huppertz‘ Kunstwerk soll eine Art Appell darstellen. „Es ist Zeit umzudenken. Die kleine Uhr im oberen Teil des Koffers zeigt nicht umsonst fünf vor zwölf an. Dass alles endlich ist, zeigt die mit Schmuck gefüllte Glassäule. Sie warnt uns vor der Zerbrechlichkeit des Luxuslebens.“ Ins rechte Licht gerückt wird diese Welt mithilfe der Bodenbeleuchtung.

Natürlich könne die Gesellschaft so tun, als ginge es die Menschen nichts an, so wie es die drei Affen in der oberen Ecke des Kunstwerkes tun: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Auch könnte die Krippe nach der Weihnachtszeit im Koffer zusammengeklappt auf den Speicher gestellt werden. Doch gerade das möchte Norbert Huppertz verhindern: „Jeder kann sein Scherflein zu einer gerechteren Welt beitragen. Der Umgang mit Rohstoffen muss heute und nicht erst morgen überdacht werden. Wie schnell es gehen kann, habe ich in den letzten Jahren erlebt.“ Denn neu war die Idee einer Krippe nicht: „Vor etlichen Jahren hatte ich bereits eine Skizze angefertigt. Leider bin ich nie dazu gekommen, sie zu realisieren. Doch in diesem Jahr wollte ich das Projekt unbedingt angehen. Meine Skizze musste ich überdenken. Die Gesellschaft hat sich verändert. Die Lage hat sich zugespitzt. Dementsprechend habe ich mein Kunstwerk auch angepasst.“

Die Krippe ist am Sonntag zunächst in Medell, dann in Meyerode zu sehen.

Zu sehen ist das Kunstwerk am kommenden Sonntag im Rahmen der Gottesdienste in den Kirchen Medell und Meyerode. Auf Anfrage kann sie auch an anderen Orten ausgestellt werden. Verkäuflich ist die Krippe (noch) nicht. Weitere Termine sind am Ersten Weihnachtstag (Meyerode) sowie an Silvester (Medell). Im Rahmen der Messfeiern wird der Lektor einen Text vortragen, den Norbert Huppertz in Zusammenarbeit mit Engelbert Cremer verfasst hat, und der weitere Erklärungen zu dieser besonderen Krippe mit dem Titel „Konsum“ liefern wird.

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