Konzert des Euregio Saxophone Orchestra: Klingendes Plädoyer für Europa

Europa ist gefährdet. „Fast 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer erscheinen Mauern und Stacheldraht wieder als probate Lösungen“, sagte Marc Lazarus, Gerichtsrat am Appellationshof Lüttich. „Europa ruft! Euregio Saxophone Orchestra trifft Wortkünstler“, war deshalb das Motto des Konzertes des Euregio Saxophone Orchestra in der PDS. Denn es gibt kaum ein Musikensemble, das derart europäisch orientiert ist.

Besonders stark war das Orchester bei den israelischen Melodien.

Hier sitzt Jacqueline aus Luxemburg neben Claudia aus der Regio Aachen und macht gemeinsam mit Pierre aus der Provinz Lüttich, Ramona aus Hergenrath und Jan aus dem Limburgischen Musik.

So war es nur logisch, dass das Orchester mit dem Präludium aus dem Te Deum von Marc-Antoine Charpentier startete. Denn unter dieser „Tarnung“ verbirgt sich die Eurovisionsfanfare. Aber das war nicht das Einzige, was dieses Orchester zu bieten hatte. Der leicht schnarrende Klang des Saxophons passt zu vielen Arten von Musik von Klassik bis Jazz, von Folklore bis Rock. Filmmusik wie „Gabriellas Song“ aus Schweden wechselte mit dem fünften Ungarischen Tanz von Johannes Brahms, Queens Bohemian Rhapsody traf auf israelischen Tanz. Diese Musik ist in ihrer Vielfalt der Klang Europas, auch wenn er mit James Browns „I feel good“ und dem Neil-Diamond-Medley aus Amerika kommt. Denn Rythm and Blues lieben auch Europäer und in Diamonds Liedern sind seine jüdisch-polnischen Wurzeln gut zu erkennen. Besonders stark war das Orchester bei den israelischen Melodien. Offenbar ist das Saxophon besonders für diese verbindende Mischung aus den abendländischen wie orientalischen Wurzeln unseres Kontinentes besonders geeignet.

Musikalisch gefordert war besonders das Sopransaxophon, das gerade einmal zweifach vertreten war, darunter mit Ramona Meessen von der kgl. Harmonie Hergenrath. Mit häufigen kleinen Soli rundeten die beiden das Klangerlebnis ab. Die neue Dirigentin Annick Henquet hat das Orchester gut im Griff und schafft mit ihren Musikern einen satten swingenden Klang, der nicht nur beim Jazzstück „Mercy, Mercy“ (Joe Zawinul) hörbar wurde.

Auch für die Musiker ist es etwas besonderes in diesem einmaligen Orchester mitzuspielen. „Für mich war es Zufall, dazuzustoßen“, sagte Altsaxophonist Paul Drießen. Seine Frau Marion hat im Internet gesucht und dieses Orchester gefunden. Seit zwei Jahren ist der Uröcher dabei und genießt es, Kontakte in der gesamten Euregio zu haben und auch in allen drei euregionalen Sprachen zu parlieren, denn die überwinden die Musiker spielend. Auch beim Konzert war die Moderation zwar deutsch, doch das Niederländische war wie das Französische durch Projektion präsent. Auch Hildegard Hegeler ist begeistert bei diesem Generationenorchester dabei, dessen Musiker von 16 bis 77 Jahre alt sind. Einmal pro Monat proben die Musiker gemeinsam irgendwo in der Euregio, in einer Aachener Berufsschule, im Haus Harna in Walhorn, in der PDS oder wo auch immer sich zwischen Luxemburg und Venlo ein Platz finden lässt.

Unterschiedliche Reden zu einem gemeinsamen Thema: Europa.

Die Reden waren so unterschiedlich wie die Redner. Während Hans-Joachim Geupel von der Aachener Bürgerstiftung Lebensraum für mehr bürgerschaftliches Engagement plädierte, ließ sich Marc Lazarus in der teilweise gereimten Form vom Poetry-Slam inspirieren. Der Richter hielt ein Plädoyer gegen eine reaktionäre Verherrlichung der „guten alten Zeit“ und warnte vor der Angst und dem Hass, der sich in letzter Zeit immer weiter ausbreitet. Europa stehe für Freiheit, Gleichheit und Solidarität. „Stehen wir auf und helfen, das umzusetzen, worauf Europa aufgebaut ist“, forderte er die Zuschauer auf.

GE-Chefredakteur Oswald Schröder setzte auf einen philosophischen Diskurs zum Thema „Werte“. „Über Werte spricht man nicht, Werte lebt man“, ist seine zentrale Aussage. Sie sind nichts, was man in Worthülsen packen oder in Steine meißeln sollte, mit denen man sich durch Mauern abschottet. Wichtiger als das starre Betonen irgendwelcher Werte sei das Ringen um Überzeugungen und das Bauen von Brücken aus Ideen.

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