„Collection Day“: Erinnerungen gesucht

Am Samstag, 25. März, zwischen 9 und 12 Uhr, können Bürger sowohl im Staatsarchiv Eupen als auch im ZVS-Museum St.Vith ihre alten Briefe, Dokumente, Tagebücher, Schulbücher, alte Fotos oder auch kleine Objekte, die von historischem Interesse sind, abgeben. Abgeben, das heißt nicht verschenken. Die Initiatoren des ersten Collection Day in Ostbelgien legen Wert darauf dass es verschiedene Möglichkeiten für die Besitzer gibt, ihre „Quellen“ zur Verfügung zu stellen.

Schenkung, Dauerleihgabe oder nur zum Scannen zur Verfügung stellen.

Wem tatsächlich nichts an den Erinnerungsstücken liegt, der kann sie den Geschichtsforschern überlassen. Wer seine historischen Dokumente in guten Händen aufbewahrt wissen möchte, der kann sie aber auch als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen. Eine weitere Möglichkeit ist, die Schriftstücke und Bilder durch die Fachleute scannen zu lassen und dann wieder mit nach Hause zu nehmen. In den anderen Landesteilen sowie auch in anderen europäischen Ländern wird diese Form des Sammelns schon länger praktiziert. Sie hilft den Historikern dabei, den Alltag von Menschen in vergangenen Zeiten zu erforschen. „Vor allen Dingen die Zeit von 1914 bis 1950 ist für uns spannend“, sagt Carlo Lejeune.

Auch an Dokumenten und kleinen Objekten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges sind die Fachleute interessiert. Was für den Bürger oft banal wirkt, kann dabei für die Historiker von großem Interesse sein. „Eine private Buchhaltung über die Haushaltsausgaben“, nennt Carlo Lejeune ein Beispiel, das zeigt, wie wertvoll simple Notizen für die Geschichtsarbeit sein können. „Hätten wir diese Dokumente nicht, würde uns die Alltagsgeschichte komplett verborgen bleiben“, so der Historiker. Auch Dokumente zur Geschichte von Vereinen, Briefe, die über normale Höflichkeitsfloskeln hinausgehen oder Korrespondenz mit Behörden können für die Initiatoren von Wert sein.

An beiden Anlaufstellen werden je zwei Fachleute zur Verfügung stehen, die die Bürger beraten und im Einzelnen besprechen, wie mit den Fundstücken verfahren wird. Anonymität wird auf Wunsch zugesichert. Wenn der Besitzer einverstanden ist, kann das Dokument auch für die Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. „Es ist nicht nur so, dass wir die Dinge an uns nehmen wollen, auch für den Besitzer ist diese Initiative interessant“, betont Els Herrebaut, dass der Collection Day allen Beteiligten etwas bringen soll. Sicherlich fragen sich viele Ostbelgier, was sie mit dem geerbten Fotoarchiv machen sollen und haben nicht den Platz und die Möglichkeiten, es angemessen aufzubewahren. „Das Staatsarchiv ist der Ort, wo Bilder und Dokumente am besten konserviert und langfristig für jeden Geschichtsliebhaber zugänglich gemacht werden können“, betonen Els Herrebaut und Carlo Lejeune. Was auf sie zukommt, können die Veranstalter noch gar nicht einschätzen. Aber eines ist so gut wie sicher: Der Collection Day soll keine Eintagsfliege sein, sondern künftig in regelmäßigen Abständen stattfinden.

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