Bina Mira öffnet Vorhang in Eupen

Bina Mira („Bühne des Friedens“) wurde von Heinz Jussen ins Leben gerufen. Er ist der Vorsitzende des Aachener Netzwerkes für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit, das 1993 als Reaktion auf die Balkankriege gegründet wurde. Seitdem ist er in ganz Europa unterwegs, so auch 2007 in Bosnien-Herzegowina, als dort gerade die Verhandlungen über die Souveränität des Kosovo liefen.

Heinz Jussen rief das Festival als Reaktion auf das Gewaltpotenzial bei Jugendlichen im Balkan ins Leben.

„Dort lieferten sich Jugendliche auf den Straßen heftige Auseinandersetzungen“, erinnerte sich Jussen. „Dieses Gewaltpotenzial brachte mich auf den Gedanken, in der Stadt Tuzla eine Bühne zu errichten und einmal im Jahr ein Theaterfestival unter Jugendlichen stattfinden zu lassen.“ Bei der ersten Edition war auch das rohestheater der Mies-van-der-Rohe-Schule Aachen unter der Leitung von Eckard Debour dabei. Doch schnell war Jussen und Debour klar, dass das Festival am besten jedes Jahr in einer anderen Stadt ausgetragen werden sollte. Seitdem sind acht Auflagen über die Bühne gegangen, vier in Bosnien-Herzegowina und jeweils zwei in Serbien und Aachen.

2017 ist zum ersten Mal Belgien unter der Schirmherrschaft von DG-Ministerpräsident Oliver Paasch das Austragungsland. Vom 15. bis 22. September werden insgesamt 95 Teilnehmer aus Belgien, Deutschland, Slowenien, Serbien und Bosnien-Herzegowina in der Eupener Jugendherberge zu Gast sein. Das Motto in diesem Jahr lautet: „Jung, tolerant, multikulturell europäisch vereint“. Finanziert wird das Festival durch Erasmus +, außerdem ist das Kulturzentrum Kukuk ein Kooperationspartner.

Und noch etwas ist neu: In diesem Jahr wird Bina Mira grenzüberschreitend stattfinden, denn zum Auftakt wird der Fackellauf „Flame for Peace“ organisiert. Im Zuge des Festivals im Jahre 2014 ist die Fackel von Sarajewo nach Aachen gebracht worden. Von dort aus wird sie, getragen von Flüchtlingen, am Freitag ihren Weg nach Eupen fortsetzen (siege GrenzEcho vom Mittwoch). Peter Hellmann, der Organisator von „Flame for Peace“, geht von 50 Läufern aus. „Teilnehmen kann jeder, der sich mit dem Lauf identifiziert“, so Hellmann. Anmelden kann man sich noch bis zum Start und man ist nicht gezwungen, die ganze Strecke mitzulaufen.

Nach dem Lauf wird die neunte Edition von Bina Mira heute Abend im Festsaal der Pater-Damian-Sekundarschule Eupen offiziell eröffnet. Um 20.30 Uhr führt die Eupener Theatergruppe das erste Stück „Der Spinner“ auf. Es geht um einen jungen Mann, der eine außergewöhnliche Idee hat, aber von seinen Mitmenschen verpönt wird.

Um 21.30 Uhr zeigt das Dis-Teatar aus Banja Luka (Bosnien) sein Stück „Der blaue Vogel“. Die anderen Gruppen zeigen ihre Stücke jeweils abends ebenfalls in der PDS, mit Ausnahme des rohestheater Aachen, das sein Stück in der Aula der Mies-van-der-Rohe-Schule aufführt (siehe 2Programm“). Die Eintritte sind frei, der Verein würde sich über Spenden jedoch sehr freuen. Aus St.Vith ist in diesem Jahr zum ersten Mal die Junge Agora dabei, die ihr Werk „Geschichten um Robin Hood“ am Mittwoch, 20. September, darbietet.

Tolerant, multikulturell und europäisch vereint sollen die Jugendlichen sein.

Tagsüber werden Workshops in Theater, Film, Kunst und Musik angeboten, die in der Jugendherberge, im Camelot, Heidberg oder Alten Schlachthof stattfinden. Am 21. September, dem Weltfriedenstag, werden die Ergebnisse aus den Workshops präsentiert. Aber auch ein Ausflug zum EU-Parlament nach Brüssel wurde organisiert.

„Der Überbegriff des Festivals ist nicht mehr wie früher ‚Krieg und Frieden‘, sondern, dass die Jugendlichen sich tolerant gegenüberstehen und auf Augenhöhe miteinander agieren“, so Elfriede Belleflamme, Projektkoordinatorin und Leiterin der Eupener Gruppe. „Ich finde es faszinierend zu sehen, dass man in einem Projekt neun internationale Gruppen junger Menschen zusammenwirft, die dann eine Woche lang zusammenleben. Die Hauptsache ist, dass sich alle hier willkommen fühlen.“

Jung, tolerant, multikulturell und europäisch vereint sollen sie sein, die Jugendlichen aus Belgien, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Serbien und Slowenien, die zusammen in sechs Workshops arbeiten, sich aber auch in informellen Gesprächen austauschen und – natürlich – ihre Freizeit genießen.

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