Ecolo will in Raeren auf die kleinen Probleme blicken

Herr Deller, Sie haben die Liste Ihrer Ecolo-Mitstreiter vorgestellt, obwohl zwei Listenplätze noch offen sind. Wieso wählen Sie den frühen Gang an die Öffentlichkeit?

Wir haben ehrlich gesagt überhaupt keine Probleme gehabt, Kandidaten zu finden. Wir konnten motivierte Personen aus allen Altersgruppen und aus allen Dörfern unserer Großgemeinde für Ecolo begeistern. Die zwei offenen Listenplätze haben lediglich mit internen Entscheidungen zu tun, die noch nicht gefällt sind. Was den Zeitpunkt angeht: Die Bürger sollen frühzeitig die Möglichkeit haben, sich ein Bild von unserem Team zu machen.

2012 konnte Ecolo in Raeren ein überraschend starkes Ergebnis erzielen, legte um satte zehn Prozent zu. Ist das die Größenordnung, die Sie nun auch bei den Wahlen im Herbst anpeilen?

Wir streben zunächst einmal an, wieder das zu erreichen, was wir auch beim letzten Urnengang erreicht haben. Ich denke aber, dass wir in Raeren mittlerweile inhaltlich so breit aufgestellt sind, dass wir nicht nur für Wähler interessant sind, die sich ausschließlich für die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit begeistern. Deshalb sehe ich uns durchaus in der Lage, dieses Mal noch mehr zu holen. Aber das hängt natürlich davon ab, ob die Bürger das auch so wahrnehmen, wie wir es im Kopf haben.

Ist es ein Ziel, die CSL-Liste, die 2012 nur ein leicht stärkeres Ergebnis als Ecolo eingefahren hat, als zweitstärkste Kraft in Raeren abzulösen?

Nein, das ist es nicht. Wir schauen ganz auf uns und machen keinen Wahlkampf gegen irgendjemanden, auch nicht gegen die CSL. Aber sollte es so kommen, dass wir zur zweitstärksten Kraft in der Gemeinde aufsteigen, dann werden wir uns sicherlich nicht dagegen sträuben. Aber soweit sind wir jetzt nicht. Warten wir doch erst mal das Votum der Bürger ab.

Apropos Bürger: Sie haben erklärt, dass es aus Ihrer Sicht unerlässlich ist, neue Formen der Bürgerbeteiligung zu finden, da die aktuellen Instrument längst nicht immer greifen. Wie soll man sich das vorstellen?

Wenn selbst gewählte Politiker ihre Aufgaben in den Kommissionen nicht oder nur bedingt wahrnehmen, dann kann sich jeder denken, dass die bisherigen Wege nicht richtig funktionieren. Und dann darf man den Bürgern die Bürgerbeteiligung nicht einfach als Worthülse an den Kopf schmeißen, sondern muss sich ernsthaft fragen, wieso die Bürger an bestimmten Stellen nicht präsent sind. An diesem Punkt müssen wir ansetzen und neue Formen finden, die beispielsweise projektorientiert oder durch mehr Digitalisierung geprägt sind. In diesem Zusammenhang können wir definitiv noch viel lernen.

Eine Beteiligung am kommunalpolitischen Leben ist Ihnen äußerst wichtig. Was motiviert Sie persönlich, als Spitzenkandidat für Ecolo in den Wahlkampf zu ziehen?

Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen und habe dort von Kindesbeinen an gemerkt, wie wichtig es ist, dass sich Leute um das Dorfgefüge kümmern. Leute, die nicht nur am Stammtisch über die nationale Politik reden, sondern sich ganz konkret damit auseinandersetzen, wie die Probleme im Kleinen aussehen und Lösungen hierfür erarbeiten. Jetzt lebe ich schon viele Jahre in Raeren, bin mittlerweile als Hochschullehrer pensioniert und habe endlich die Zeit, mich für die Gemeinde einzusetzen und etwas zurückzugeben.

Als Raerener Mehrheitspartei konnte Ecolo in dieser Legislatur der Gemeinde einen deutlichen grünen Anstrich verpassen. Welche Ziele verfolgt Ihre Partei über 2018 hinaus, damit es nicht nach einem „Weiter so“ klingt?

Natürlich wollen wir vor allem die von uns angestoßene nachhaltige Energiepolitik fortführen. Mir schwebt beispielsweise vor, dass wir uns gezielt mit Fragen eines energieautonomen Gemeinwesens beschäftigen. Aber noch viel wichtiger wird es sein, dass wir uns intensiv mit der Mobilitätsproblematik auseinandersetzen. Da wollen wir grüne Akzente setzen, weil wir der Überzeugung sind, dass die Bürger gerade in diesem wichtigen Bereich Unterstützung benötigen.

Sie wollen sich mit den Sorgen der Bürger beschäftigen, haben Sie vorab erklärt. Als Beispiel nannten Sie die „Hundekot-Thematik“. Mal ehrlich: Wenn die Leute keine anderen Aufreger kennen, dann geht es der Gemeinde doch ziemlich gut, oder?

Das stimmt. Aber worauf ich eigentlich hinaus wollte, sind Dinge, die man leicht als Petitessen abtut. Ich finde aber, dass das Wohlbefinden der Bürger auch von diesen Dingen abhängt. Und Kommunalpolitiker sollten bereit und in der Lage sein, sich auch um solche Petitessen zu kümmern.

Die Raerener Ecolo-Liste 2018

1. Ulrich Deller, Spitzenkandidat (Raeren)

2. Heike Esfahlani-Ehlert (Hauset)

3. Ferdy Leusch (Hauset)

4. Monika Höber-Hillen (Eynatten)

5. Michal Bong (Hauset)

6. Christine Kirschfink (Raeren)

7. Wilfried Huppertz (Lichtenbusch)

8. Barbara Klingenberger (Raeren)

9. noch offen

10. Hannelore Bongartz-Cujai (Eynatten)

11. Guido Deutz (Raeren)

12. Mo Hilger (Lichtenbusch)

13. Bernard Kern (Raeren)

14. noch offen

15. Ansgar Fintz (Hauset)

16. Ulla Wetzels (Raeren)

17. Patrick Stoffels (Raeren)

18. Ansgar Stracke-Mertens (Raeren)

19. Simonne Schoofs (Hauset)

20. David Kirschvink (Raeren)

21. Hedy Dejonghe-Freches (Eynatten)

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