Nach einem israelischen Angriff auf einen Krankenwagen sind Ausreisen aus dem Gazastreifen vorerst gestoppt worden. Betroffen sind verletzte Palästinenser ebenso wie Ausländer und Palästinenser mit doppelter Staatsbürgerschaft. Aus Sicherheitskreisen in Gaza hieß es, dass Ausländer den Gazastreifen nicht verlassen könnten, ehe nicht die Verwundeten nach Ägypten gebracht werden können.
Auch eine dem Ägyptischen Roten Halbmond nahestehende Quelle bestätigte der DPA, Mitarbeiter des Palästinensischen Roten Halbmonds seien von den Behörden angewiesen worden, den Transport verwundeter Palästinenser vorerst einzustellen. Es müssten zunächst sichere Wege für die Durchfahrten von Krankenwagen aus dem Gazastreifen zum Grenzübergang Rafah zu Ägypten geschaffen werden.
Die Aussagen der Kriegsparteien zum Beschuss
Israels Armee hatte bei ihrem Vormarsch im Norden des Gazastreifens nach eigenen Angaben einen von der islamistischen Hamas benutzten Krankenwagen angegriffen. Dabei seien mehrere Terroristen getötet worden, teilte das Militär am Freitag mit.
Laut Palästinensischem Roten Halbmond und dem von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium sollten Verwundete zum Grenzübergang Rafah gebracht werden, damit sie in Ägypten behandelt werden können. Der Rote Halbmond verurteilte den Angriff auf den Konvoi von Krankenwagen. 15 Menschen sollen demnach bei dem Raketenangriff vor den Toren des Krankenhauses getötet und weitere 60 verletzt worden sein. Alle Angaben sind derzeit nicht unabhängig überprüfbar.
Bericht: Mehr als 700 Menschen warteten am Samstag auf Ausreise
Der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf ägyptische Behörden, dass am Samstag rund 730 Menschen aus dem Gazastreifen ausreisen sollten, unter ihnen 386 US-Bürger. Dem Ägyptischen Roten Halbmond zufolge haben seit Ausbruch des Gaza-Kriegs bisher 1102 Ausländer und Palästinenser mit einem zweiten Pass den Gazastreifen verlassen.
Führende UN-Vertreter nach Beschuss entsetzt und schockiert
Die Bilder von auf der Straße liegenden Leichen vor dem Schifa-Krankenhaus in der Stadt Gaza seien erschütternd, schrieb UN-Generalsekretär António Guterres am späten Freitagabend. Der israelische UN-Botschafter Gilad Erdan warf Guterres daraufhin vor, dass er „völlig die Tatsache ignoriert, dass die Hamas Krankenwagen absichtlich für Terrorziele missbrauchen“. Mit Blick auf das Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober schrieb Erdan: „Wo war Ihr Horror, als die Hamas mit Panzerabwehrraketen auf israelische Krankenwagen schoss und Rettungssanitäter kaltblütig hinrichtete?“
Der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Ghebreyesus, schrieb auf der Plattform X (vormals Twitter): „Wir sind zutiefst schockiert über die Berichte über Angriffe auf Krankenwagen, die Patienten in der Nähe des Al-Schifa-Krankenhauses in Gaza evakuieren, die zu Todesfällen, Verletzungen und Schäden geführt haben.“ Er fügte hinzu: „Wir wiederholen: Patienten, medizinisches Personal, Einrichtungen und Krankenwagen müssen jederzeit geschützt werden. Immer.“ Der WHO-Chef forderte auch einen sofortigen Waffenstillstand.
Erdogan bricht Kontakt zu Netanjahu ab
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat im Zuge des Gaza-Kriegs nach eigenen Worten den Kontakt zu Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu abgebrochen. „Netanjahu ist für uns keine Art von Gesprächspartner mehr. Wir haben ihn gelöscht, wir haben ihn durchgestrichen“, sagte Erdogan laut einer Mitteilung seines Pressebüros vom Samstag auf dem Rückflug von der kasachischen Hauptstadt Astana. Ankara beabsichtige allerdings nicht, die diplomatischen Beziehungen zu Israel abzubrechen. Das türkische Außenministerium rief am Samstag seinen Botschafter in Israel „zu Konsultationen“ nach Ankara zurück. (dpa)

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