Eine Meldestelle sei eingerichtet, teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen weiter mit. „Je mehr Daten wir von lokaler und regionaler Ebene über Bestände und Ereignisse mit Wölfen bekommen, desto genauer das Bild, desto einfacher die Überprüfung des Schutzstatus“, sagte von der Leyen.
Die Auswertung der Daten soll spätestens Ende des Jahres abgeschlossen sein. Dann soll entschieden werden, ob ein Vorschlag zur Herabsetzung des Schutzstatus gemacht wird. Von der Leyen forderte zudem Kommunen auf, die derzeitigen Spielräume für den Abschuss von problematischen Wölfen mutig zu nutzen. Aus ihrer Sicht ist es „völlig richtig“, dass lokale Behörden bei klarer Gefahr eine Bejagung erlauben.
„Die Kommission wird deren Abwägungsentscheidung nicht in Frage stellen. Denn sie können die Situation vor Ort am besten einschätzen.“ Artenvielfalt bleibe ein wichtiges Ziel, „aber wir müssen die Gefahren, die von solchen Konzentrationen von Wolfsrudeln für Mensch und Vieh ausgehen, dabei so gering wie möglich halten.“ Bisher genießen Wölfe in Europa einen hohen Schutzstatus. In einigen Regionen Europas wird der Schutzstatus aber aufgrund größerer Populationen angezweifelt und in der Folge auch eine Absenkung gefordert. Die Rückkehr des Wolfes führt zunehmend zu Konflikten mit Viehzüchtern und Jägern. Bislang haben lokale und nationale Behörden die Befugnis, notwendige Maßnahmen zu ergreifen.
Der ostbelgische EU-Abgeordnete Pascal Arimont erinnerte am Montagabend daran, dass das EU-Parlament die EU-Kommission „auf Betreiben der EVP-Fraktion“ dazu aufgefordert hatte, den bestehenden strengsten Schutzstatus des Wolfes zu senken und eine auf die Regionen zugeschnittene Bestandsregulierung zu ermöglichen. Nun zeigten sich Konsequenzen aus dieser Forderung. „Die EU-Kommission hatte in Reaktion auf unsere Resolution bereits eine wissenschaftliche Datenerhebung begonnen, um den europaweiten Bestand der Wölfe zu prüfen. Nun weitet die Kommission diese Analyse um eine öffentliche Konsultation aus, die zum 22. September 2023 abgeschlossen sein soll. Sie begründet diesen Schritt damit, dass sie weitere Daten braucht, um ein vollständiges Lagebild zum Wolf in Europa zu erhalten. Nach eigenen Angaben will die Kommission auf Basis dieser Daten dann über einen Vorschlag entscheiden, ‚gegebenenfalls den Status des Wolfsschutzes in der EU zu ändern und den Rechtsrahmen zu aktualisieren‘“, erklärte Pascal Arimont in einer Mitteilung.
Die Kommissionspräsidentin habe weiter erklärt, dass die Konzentration von Wolfsrudeln in einigen europäischen Regionen zu einer echten Gefahr für Nutztiere und potenziell auch für den Menschen geworden ist. „Wir stellen hier also ein Umdenken seitens der Kommission fest“, so Pascal Arimont. „Und dieses Umdenken ist angesichts des exponentiellen Wachstums der Wolfspopulationen in vielen Regionen der EU und der steigenden Anzahl gerissener Weidetiere auch dringend notwendig. Gemeinsam mit vielen meiner Kollegen im EU-Parlament werde ich weiterhin darauf drängen, eine auf die Regionen zugeschnittene flexible Handhabe für die Bestandsregulierung der Wölfe zu erreichen.“
Mit geschätzt rund 22.000 Exemplaren sei der absolut strengste Schutz für den Wolf „einfach nicht mehr gerechtfertigt“, meint der ostbelgische Europaabgeordnete. „Nicht nur der Wolf ist schützenswert, schützenswert ist auch der ländliche Raum und seine vielen Weidetiere, die durch die wachsende Wolfspopulation immer stärker gefährdet sind. Darum brauchen wir endlich ein auf die Regionen zugeschnittenes, flexibles Wolfsmanagement, das eine ‚Entnahme‘ dort möglich macht, wo sie notwendig ist“, so Pascal Arimont in der Mitteilung. (dpa/red/sc)

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