Lauter reden hilft meistens nicht – Verein der Hörgeschädigten Ostbelgiens klärt auf

<p>Im Umgang mit schwerhörigen Menschen ist es viel wichtiger, auf eine deutliche Aussprache zu achten. Darauf verweist die Vereinigung der Hörgeschädigten Ostbelgiens.</p>
Im Umgang mit schwerhörigen Menschen ist es viel wichtiger, auf eine deutliche Aussprache zu achten. Darauf verweist die Vereinigung der Hörgeschädigten Ostbelgiens. | Foto: dpa

„Unsere Sprache besteht aus einer Vielzahl von Lauten, die über die Bewegungen unserer Stimmbänder zustande kommen. Und jeder so erzeugte Laut ergibt eine Druckveränderung der Luft, die sich wellenartig ausdehnt und unser Ohr erreicht“, schreibt die Vereinigung in einer Mitteilung.

„Tiefe Töne setzen sich aus weniger Schwingungen zusammen.“

„Die Anzahl an Druckveränderungen bildet einen Frequenzbereich, wobei die Anzahl der Wellen pro Sekunde in Herz gemessen wird: Ein Hertz bedeutet eine Druckänderung pro Sekunde. Das menschliche Gehör kann Luftdruckveränderungen wahrnehmen, die in einem Bereich von 20 bis zu 20.000 Hertz liegen. Tiefe Töne setzen sich aus weniger Schwingungen zusammen. Sie liegen in den niedrigen Frequenzbereichen“, heißt es weiter.

Die höheren Töne wiesen eine größere Zahl von Druckveränderungen pro Sekunde auf. „In diesen höheren Frequenzbereichen liegen zahlreiche Laute unserer Sprache, insbesondere viele Konsonanten, wie s,t,f,sch,.... Diese Schallwellen werden durch unser Ohr wahrgenommen, verstärkt und schließlich weitergeleitet in unser Innenohr, dem ‘eigentlichen’ Sitz des Hörorgans. Dort befinden sich etwa 15.000 Hörsinneszellen, die aussehen wie winzig kleine aufgereihte Bürstenhaare, die durch die ankommenden Schwingungen hin und her bewegt werden.“

Von dort würden diese Schwingungen in elektrische Signale umgewandelt und an den Hörnerv weitergeleitet, von wo aus sie ins Gehirn gelangen, erläutert die Vereinigung.

„Im Laufe unseres Lebens nutzen sich diese Haarzellen natürlich ab. Vor allem bei ständiger Exposition im Lärm, aber auch durch plötzliche Ereignisse, wie einem Hörsturz zum Beispiel, können sie sogar gänzlich absterben. Dies ist meist zuerst der Fall in den Bereichen, wo diejenigen Haarzellen sitzen, die für die hohen Töne zuständig sind. So kommt es zur sogenannten Hochtonschwerhörigkeit, die bei 85 % der schwerhörigen Menschen vorliegt.“ Lauteres Sprechen ändere deshalb meist nichts an der Hörfähigkeit der betroffenen Menschen, „denn die Lautheit (das heißt die Energie, die beim Sprechen verwandt wird) verbessert in keinster Weise die physische Abnutzung oder den totalen Ausfall der Haarsinneszellen, die für die Wahrnehmung bestimmter Frequenzbereiche zuständig sind.“

Einen Frequenzbereich wahrnehmen, geht nicht bei einer höheren Lautstärke, wenn die Haarsinneszellen für diesen Bereich beschädigt sind.

Wer einen Frequenzbereich nicht mehr wahrnehmen könne, weil die zuständigen Haarsinneszellen beschädigt sind, werde dies auch nicht können, wenn die Lautstärke eine höhere ist. „Deshalb gilt im Umgang mit Schwerhörigen: nicht lauter sprechen ist wichtig, sondern auf die sorgfältige Aussprache zu achten“, betont die Vereinigung. (red/sc)

Weitere nützliche Informationen zur Arbeit und Kontakt zum Verein gibt es unter: Hörgeschädigte Ostbelgiens e.V.; www.hoergeschaedigte.be, facebook.com/hoergeschaedigte.ostbelgiens, E-Mail: hoergeschaedigte.ostbelgiens@gmail.com

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