Furcht vor den Petro-Milliarden: „Dann wird es lustig“

<p>Wird Manchester United der nächste Verein, dessen Besitzer wechselt?</p>
Wird Manchester United der nächste Verein, dessen Besitzer wechselt? | Foto: dpa

Die Furcht hat mittlerweile sogar die Abteilung Attacke gepackt. „Man muss Sorgen haben, dass aus dem Nahen Osten in den nächsten ein, zwei Jahren noch einige Vereine aufgekauft werden“, sagte Uli Hoeneß mit Blick auf die wachsenden Begehrlichkeiten der Petro-Milliardäre vom Persischen Golf - und flüchtete sich in Galgenhumor: „Dann ist das Spiel ohne Grenzen aufgenommen. Dann wird es lustig für uns.“

Was der Ehrenpräsident von Rekordmeister Bayern München vor wenigen Tagen als Talkgast der Neuen Presse meinte, ist klar: Katar, Saudi-Arabien, Abu Dhabi und Co. könnten mit weiteren immensen Investitionen aus ihren scheinbar nicht versiegenden Geldquellen den europäischen Spitzenfußball endgültig in Schieflage bringen.

Hoeneß würde das gerne verhindern - obwohl sein Verein ebenfalls Gelder vom Golf (Qatar Airways) kassiert: „Es wird die Aufgabe sein, Mittel und Wege zu finden, um die immer größer werdende Geldflut aus dem Nahen Osten einigermaßen im Griff zu behalten.“

Doch das Gegenteil bahnt sich an. Nach Paris St. Germain (Katar), Manchester City (Abu Dhabi) und Newcastle United (Saudi-Arabien) ist nun auch der englische Rekordmeister Manchester United ins Visier des Nahen Ostens geraten. Zwar gibt es um den FC Liverpool ebenfalls Spekulationen, doch im Fall von United hat ein Konsortium aus dem WM-Gastgeberland Katar unter der Führung von Scheich Jassim bin Hamad Al Thani tatsächlich ein offizielles Angebot eingereicht.

Jassim gehört der Familie von Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani an, der 2011 über den Staatsfond Qatar Sports Investments (QSI) bereits PSG erworben hatte. Der Emir soll auch Interesse an United haben, eine vollständige Übernahme ist jedoch wegen seines Investments in Paris nach den aktuellen Vorschriften der Europäischen Fußball-Union (UEFA) nicht erlaubt.

Dieses Reglement würden die Katarer durch den Einstieg von Jassim, dem Vorsitzenden der Qatar Islamic Bank, wohl umgehen - falls sie sich im Bieterwettbewerb gegen die Ineos-Holding des britischen Milliardärs James Radcliffe durchsetzen.

Doch nicht nur Katar und Ineos möchten United der Familie Glazer abkaufen - obwohl die US-Amerikaner angeblich 5,6 Milliarden Euro für den 20-maligen Meister haben wollen. Auch die Saudis sollen Interesse am teuersten Deal der Sportgeschichte haben. United hat bereits mit Saudi Telecom zusammengearbeitet. Beim Ligarivalen Newcastle besteht das besitzende Konsortium zu 80 Prozent aus dem Staatsfonds von Saudi-Arabien.

Was Menschenrechts-Organisationen von dem Gebaren der totalitären Regime halten, ist bekannt. Das Sportswashing der Saudis in diversen Bereichen und die Debatten rund um die WM-Endrunde in Katar haben die Thematik in der Öffentlichkeit hinlänglich bekannt gemacht.

Der deutsche Fußball ist vor der Übernahme umstrittener Investoren noch sicher. Dafür sorgt die 50+1-Regel, die eine Anteilsmehrheit grundsätzlich immer beim Verein sieht. Dass Hoeneß vor dem Hintergrund seiner Nahost-Sorgen ein Aus für diese Regel verlangt, erscheint absurd. Dennoch geht es für ihn „darum, den anderen Vereinen die Möglichkeit zu geben, wettbewerbsfähig zum FC Bayern zu sein“.

Doch wenn die Bayern nicht aufpassen, könnten sie selbst bald den Anschluss verlieren - zumindest international. (sid/jod)

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