Energiepolitik: Die Flickschusterei wird in der Krise weitergehen

<p>Das Kernkraftwerk in Doel bei Antwerpen: Reaktorblock 3 wurde am Freitagabend runtergefahren.</p>
Das Kernkraftwerk in Doel bei Antwerpen: Reaktorblock 3 wurde am Freitagabend runtergefahren. | Foto: Flip Franssen

Wie aufgeheizt die Stimmung ist und wie Handeln ohne Vernunft geht, hatte zuletzt Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V) unter Beweis gestellt.

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Kommentare

  • Nur zur Info, Christian Schmitz:
    Die Belgische Regierung (inkl. der "ideologischen" Grünen) hat sich mit den Kraftwerksbetreibern angesichts der Energiekrise vor Monaten darüber verständigt, 2 Atommeiler 10 Jahre länger, also bis 2035 am Netz zu lassen.

    Dass die Grünen in Deutschland sich mit einer entsprechenden Entscheidung schwerer Tun, steht auf einem anderen Blatt.

    Auch die AKW-Gegner und/oder Befürworter einer Energiewende sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Abschaltung von Kernkraftwerken nur dann als Erfolg gewertet werden kann, wenn die Energieversorgung im Zuge der Energiewende zu jedem Zeitpunkt gesichert ist.

    Ohne einen substantiellen Ausbau der Erneuerbaren, ohne Energiemix, ohne ausreichend Speicherkapazität (die es wohl frühestens in 15- 20 Jahren geben wird) und... ohne konventionelle Brückentechnologie (AKW, Gas Kohle,...) ist die Energiewende nicht zu realisieren. Da reicht dann auch kein "Y a qu'à, faut qu'on".

    Wenn man ein wirkliches Interesse daran hat, dass dieses langfristige Projekt, weg von Atomstrom und fossilen Energieträgern, den gesamtgesellschaftlichen Erfordernissen gerecht wird, gilt es - so schwer dies auch dem einen oder anderen fallen mag - tatsächlich alle ideologischen Scheuklappen abzulegen.

    Die Feiern zum Ende der Atomkraft sollten auf den Tag verlegt werden, an dem die Energiewende erfolgreich umgesetzt werden konnte.

    Bis dahin ist - nicht nur angesichts der aktuellen Energiekrise - noch ein weiter Weg!

  • "Die Feiern zum Ende der Atomkraft sollten auf den Tag verlegt werden, an dem die Energiewende erfolgreich umgesetzt werden konnte."

    Das scheint der St. Nimmerleinstag oder "les calandes grècques". zu werden:
    Das Ende der Atomkraft wurde 2003, also vor fast 20 Jahren beschlossen.
    Statt nun ein Programm für die sukzessive Stilllegung aufzulegen, gleichzeitig (Betonung auf "gleichzeitig") mit einem schlüssigen Entwicklungsplan für Nachfolgeenergien, hat man die Dinge halbherzig laufen zu lassen, um dann 2022 erstaunt festzustellen, dass das zweite Standbein zu kurz geraten ist.
    Kein Problem, dann verlängert man bis 2025... und jetzt gleich bis 2035, weit genug weg, damit man sich keine Sorgen machen muss. Aber 10 Jahre sind schnell vorbei, und 2034... s.o.
    Die zusätzlichen Kosten und das Sicherheitsrisiko überträgt der Betreibe selbstverständlich auf den Staat... also den Steuerzahler.
    Allerdings: Doel 3 ist seit Freitag vom Netz..
    Die weggebrochenen 1000 MW werden locker durch eine nicht existierende Gasturbine oder durch einen der 25 stillgelegten französischen Reaktoren ersetzt. Tout baigne...

    Man kann sich unschwer ausmalen, dass die Stilllegung eines Reaktors etwas komplizierter ist als die eines Dieselgenerators und eine lange Vorbereitungszeit erfordert mit Maßnahmen, die bei einer kurzfristig beschlossenen Verlängerung der Laufzeit abgeschrieben, zum Teil auch wieder rückgängig gemacht werden müssen. Diese Kosten trägt bestimmt nicht der Betreiber, der am längeren Heben sitzt.

    Ein Skandal ist allerdings, dass wir uns in Europa, besonders in Deutschland, so von einem Lieferanten abhängig gemacht haben, zumal seit spätestens 2014 klar sein musste, wohin die Reise gehen würde. Putin hat da nie einen Hehl daraus gemacht.

    Dazu siehe: "Keine Illusionen über Putins Machtpolitik! Beispiel Nabucco"
    (Die Presse 15.05.2011 - Kein Tippfehler: 2011 !)
    "Was war die größte Katastrophe des 20.Jahrhunderts? Der Holocaust? Der Zweite Weltkrieg? Wladimir Putin fiel eine andere Antwort ein: „Die größte geopolitische Katastrophe war der Zerfall der Sowjetunion.“

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