Lob für Belgiens KMU

<p>In Belgien gibt es insgesamt 1.221.367 kleine und mittlere Unternehmen (KMU).</p>
In Belgien gibt es insgesamt 1.221.367 kleine und mittlere Unternehmen (KMU). | Illustrationsfoto: Photo News

Nach einem guten Jahr 2019 haben die belgischen KMU, also Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten, in ihren Jahresabschlüssen 51,6 Milliarden Euro Gewinn ausgewiesen. Zu Beginn der Coronakrise im Jahr 2020 seien davon etwa 28,3 Milliarden an die Aktionäre ausgezahlt worden, rechnete Graydon während einer Pressekonferenz am Dienstag vor. Im Jahr zuvor waren noch nahezu sämtliche Gewinne ausgeschüttet worden. Zur Einordnung: Von den 1.221.367 belgischen KMU sind 632.031 als Gesellschaft tätig (51,7 Prozent), die restlichen sind als Ein-Personen-Unternehmen eingetragen.

„Die KMU haben sehr klug gehandelt, indem sie massiv Rücklagen für ihr Geschäft gebildet haben“, ordnete Eric Van den Broele von Graydon ein. „Zusammen mit der staatlichen Unterstützung hat dies enorm zum Überleben dieser Unternehmen beigetragen. Nur konnten sie diesen Gewinnvorbehalt für 2020 nicht wiederholen, weil die Gewinne grundlegend gesunken waren“, fuhr er fort. Van den Broele zufolge haben die KMU gerade so viel ausgezahlt, um von den übrigen Mitteln im Haushaltsjahr 2020 ihr wirtschaftliches Überleben sichern zu können. Die Gewinne waren dabei um 36 Prozent zurückgegangen.

Ungeachtet der sich verbessernden Rahmenbedingungen kommt Graydon zu dem Schluss, dass die KMU noch nicht aus der Gefahrenzone heraus sind. „Inmitten des Wiederaufbaus sind sie mit neuen Schocks wie Inflation, Lohnschock, Materialknappheit usw. konfrontiert. Für viele KMU kann dies immer noch zu Problemen führen“, betonte Van den Broele.

Die Zahlen 2020 deuten zudem auf einen Rückgang der Gesamtverschuldung der KMU hin. Eine genauere Analyse von Graydon zeigt, dass vor allem die kurzfristigen Kredite, also die Kredite, die zur Finanzierung der Produktion vorgesehen werden, stark zurückgegangen sind. „Es handelt sich also nicht um einen Abbau der Verschuldung, sondern um einen Kollateraleffekt des Nachfrage- und Auftragsrückgangs“, schlussfolgert der Dienstleister.

Unizo-Geschäftsführer Danny Van Assche zieht ebenfalls Lehren aus dem Bericht. „Das Jahr 2020 war nur der erste Teil der Krise. Wir können jetzt mit Sicherheit sagen, dass die KMU sich nicht selbst bereichert haben und dass Unterstützung notwendig war. Die KMU haben enorm gelitten“, stellte er heraus. Er betont jedoch auch, dass es Auswirkungen gegeben habe, die oftmals „unter dem Radar“ geblieben seien – und das im Tourismus, im Gastgewerbe, im Veranstaltungssektor, im Einzelhandel und in Kontaktberufen, so der Chef der Mittelstandsvereinigung.

2020 sei ein „Katastrophenjahr“ gewesen, fuhr Van Assche fort. Die Entscheidung der Föderalregierung, dass Unternehmen, die sich in der Krise gut geschlagen haben, ihren Mitarbeitern eine Corona-Prämie von bis zu 500 Euro gewähren können, bewertet er zudem als nicht zielführend. „Eigentlich dürfte das nur in einer sehr begrenzten Anzahl von Unternehmen geschehen“, so der Unizo-Chef. Schließlich seien zahlreiche Unternehmen nach fast zwei Jahren der Krise noch immer in einer schwierigen Situation. (belga/svm)

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