Lokales ist in. Zum einen besteht nicht der mindeste Grund, Kartoffeln aus Ägypten, Äpfel aus Südafrika oder Schnittlauch aus Kenia zu beziehen. Es ist schließlich nicht klar, welche Pestizide der Bauer verwandt hat oder wie nachhaltig er wirtschaftet. Außerdem ist eine Menge Energie nötig, um die Sachen nach Belgien zu verschiffen oder gar zu fliegen. Außerdem wächst das in der Nähe. Und zum anderen sind lokale Produkte lecker. Ostbelgische Bäcker, Metzger, Brauer und andere sind kreativ und machen besondere Dinge für die eigene Region. Egal ob Senf aus Raeren, Schokoladenbrot aus Recht, Bier aus Berterath aber auch Senf aus Monschau oder Bier aus Gulpen: Die Region schmeckt. Sie ist nur nicht zu finden.
Die Schwestern Joanna und Wendy Sebaly aus Burg Reuland hatten keine Lust mehr, im Supermarkt nach der Lokalecke zu suchen und die Leckereien aus der Region in einem Shop zusammenfügen. Bei „Go Local“ soll jedes ostbelgische Produkt zu bekommen sein. Entweder der Kunde bestellt im Internet und holt es in seinem Dorf an einer Station ab. Später sind auch Läden geplant. Die Produkte sollen lokal und qualitativ hochwertig sein, wobei man das „Lokale“ nicht ganz so eng sehen will. „Monschauer Senf gehört natürlich auch dazu“, sagt Wendy Sebaly. Mit ihrem Konzept konnten die beiden jungen Frauen aus dem tiefen Süden nicht nur die Jury überzeugen, auch beim Publikum waren sie gemeinsam mit einem Mitbewerber die Nummer eins. Ihr Stand war übrigens der bestbesuchte auf der Verleihungsfeier in der Pop-Up Eventlocation im ehemaligen Eupener Colruyt. Essen geht halt immer gut.
Die Jury war sich übrigens sehr einig bei der Preisvergabe, wie Philippe Felten von der WfG bestätigt. „Es ist ein stimmiger und guter Plan“, sagte er dem GrenzEcho. Die Jury war fachkundig mit Unternehmern, Managern, Wissenschaftlern und Wirtschaftsförderern besetzt.
Der Mitsieger des Publikumspreises kommt aus dem Norden der DG mit einem ganz anderen stimmigen Konzept. Jorik Vandriessche will das Carsharing in Eupen etablieren. Speziell für Wenigfahrer ist das eine kostengünstige Alternative zum eigenen Auto, das um die 500 Euro im Monat kostet. „Wir bieten im Gegensatz zu unseren Mitbewerbern den gesamten Service in deutscher Sprache an“, sagt der Jungunternehmer.
Aber auch die anderen vier Teilnehmer am Businessplanwettbewerb kommen mit guten Ideen. Pfiffig ist das Konzept von Pascal Plote. Der will nämlich die Liebe zum Oldtimer mit Umweltfreundlichkeit und Alltagstauglichkeit verbinden. „Meine Zielgruppe sind hippe Menschen, die das klassische Design lieben“, erzählt der in Raeren lebende Niedersachse, der seine ganze Familie zur Siegerehrung aus Peine bei Braunschweig geholt hat. Er sucht im Kundenauftrag beispielsweise eine Ente, restauriert sie und baut einen modernen Elektromotor ein. So kann der Neubesitzer damit auch in Umweltzonen einfahren. „Alles sieht klassisch aus, sogar die Revolverschaltung funktioniert“, sagt Plote.

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