Landesverband prüft im Fall Balogun „alle Optionen“ – Trainer Garcia: „1. April am 5. Juli“

Selbst Donald Trump zeigte sich dankbar. „Danke an die FIFA dafür, das Richtige zu tun und eine große Ungerechtigkeit rückgängig zu machen!“, schrieb der US-Präsident nach der Kehrtwende des Weltverbands auf seiner Plattform Truth Social. Die USA haben ihren Hoffnungsträger zurück: Stürmer Folarin Balogun steht der Mannschaft von Trainer Mauricio Pochettino im WM-Achtelfinale gegen die Roten Teufel in der Nacht auf Dienstag in Seattle doch zur Verfügung.

New York Times berichtet von Kontakt von Trump zu Infantino.

Baloguns Rote Karte aus dem Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina wurde von der FIFA aufgehoben, seine Sperre auf Bewährung ausgesetzt – und im belgischen Basiscamp in Seattle dürfte Nationaltrainer Rudi Garcia die Taktiktafel noch einmal freigeräumt haben. Der Landesverband jedenfalls reagierte am Sonntagabend „verblüfft“ auf die Nachricht und kündigte an, „alle verfügbaren Optionen zu prüfen“.

Was hinter der überraschenden Wende steht, meint die New York Times zu wissen: Wie die Zeitung unter Berufung auf drei Quellen berichtete, soll Trump FIFA-Präsident Gianni Infantino persönlich gebeten haben, die Sperre zu überprüfen. Ein schwerer Vorwurf, auf den die belgische Seite nicht eingehen wollte.

Währenddessen steigen die Erwartungen in einem plötzlich fußballbegeisterten Gastgeberland endgültig ins Unermessliche. Denn wenn die USA etwas hätte aufhalten können auf ihrer Traumreise bei der Heim-WM, so schien die Meinung einer ganzen Nation, dann das Fehlen von Balogun. Des dreifachen Torschützen, des Antreibers, des Kreativposten. Doch so weit wird es nicht kommen – dabei schienen die Regeln klar.

Balogun und seine Mitspieler erfuhren von der spektakulären Wende am Sonntagvormittag Ortszeit im Bus auf dem Weg zum Training auf dem Campus der University of Washington und dachten erst an einen schlechten Witz. „Wir waren uns nicht ganz sicher, ob es wahr ist oder nicht. Ich denke, jeder weiß, wie das mit KI ist“, berichtete Abwehrchef Chris Richards. „Am Ende haben wir es über Social Media herausgefunden. Es war cool, die Bestätigung zu bekommen, dass es stimmt.“ Der US-Verband ließ wissen, er habe die Entscheidung „akzeptiert“ und sei „zufrieden“ damit. „Unsere gesamte Aufmerksamkeit gilt nun dem Achtelfinalspiel gegen Belgien in Seattle, und wir freuen uns auf die weitere Unterstützung unserer großartigen Fans“, hieß es danach in einer Erklärung.

Laut FIFA-Regularien führt eine Rote Karte eigentlich automatisch zu einer Sperre von mindestens einem Spiel. Ein Einspruch, so hieß es nach dem Spiel der USA gegen Bosnien-Herzegowina, sei nicht möglich. Am Freitag hieß es noch, Balogun, der nach seinem Treffer in der 64. Minute nach einem unglücklichen Tritt auf den Knöchel seines Gegenspielers des Feldes verwiesen worden war, entgehe zumindest einer längeren Sperre. Die USA tobten dennoch.

„Sie sind beschissen behandelt worden“, hatte US-Außenminister Rubio im Presseraum des Weißen Hauses in Washington gepoltert und gefordert: „Dafür muss es ein Einspruchsverfahren geben“. Schon vor Rubios Unmutsbekundung hatte Pochettino den Platzverweis kritisiert. „Für mich ist das niemals eine Rote Karte“, sagte der Argentinier: „Es war zu keinem Zeitpunkt seine Absicht, den Spieler zu treten. Es war eine im Fußball ganz normale Aktion.“

Das sah nun wohl auch die FIFA so. Gemäß Artikel 27 des Disziplinarkatalogs des Weltverbands kann eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Von einer derartigen Bewährung hatte nicht zuletzt Cristiano Ronaldo profitiert, nachdem er im November bei einem WM-Qualifikationsspiel gegen Irland vom Platz gestellt worden war. Ronaldo wurde von der FIFA zunächst für drei Spiele gesperrt, verpasste aber nur das anschließende Qualifikations-Duell gegen Armenien. Die weiteren Spiele wurden für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt.

Garcia reagiert

„Ich wusste nicht, dass der 5. Juli bei der FIFA dem 1. April in Europa entspricht“, schimpfte Nationaltrainer Rudi Garcia am Sonntagabend angesichts der Entscheidung des Weltverbandes, die Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun für das Achtelfinale gegen die Roten Teufel aufzuheben. Allzu weit wollte Garcia in Seattle jedoch nicht ausführen: „Man muss sich auf das Statement unseres Verbandes beziehen, darin steht einiges mehr. Der Verband verteidigt nicht sich selbst oder die Nationalmannschaft, sondern den Fußball im Allgemeinen, seine Integrität und seine Ethik. Soweit ich mich erinnere, fällt eine solche Entscheidung zum ersten Mal in der WM-Geschichte. Aber ich als Trainer und konzentriere mich auf meine Mannschaft und das Spiel.“

Dass mit Balogun der Toptorschütze der USA (Stand Montagabend unserer Zeit) spielberechtigt ist, ändere „null Prozent“ an seiner Herangehensweise, betonte der Franzose.

Wichtiger sei da der Fitnesszustand von Kevin De Bruyne, Brandon Mechele und Leandro Trossard, die allesamt am Wochenende nur teilweise mit der Mannschaft trainierten. (belga/sid/dpa/tf)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment