Otto Schily kritisiert US-Politik der letzten 20 Jahre am Hindukusch

<p>Mit „unglaublicher Brutalität“ sei das US-Militär in Afghanistan vorgegangen, kritisiert der frühere deutsche Minister Otto Schily die Supermacht USA.</p>
Mit „unglaublicher Brutalität“ sei das US-Militär in Afghanistan vorgegangen, kritisiert der frühere deutsche Minister Otto Schily die Supermacht USA. | Foto: AP/dpa

In Afghanistan haben inzwischen die militant-islamistischen Taliban die Macht zurückerobert, der Militäreinsatz der USA und verbündeter Staaten ist beendet. Dessen Scheitern hänge eng damit zusammen, dass „die afghanische Armee mit den US-Uniformen als die Besatzer angesehen wurden und die Taliban als die originären Afghanen“, sagte Schily. Terrorismus könne nicht allein von Polizei und Armee besiegt werden. „Es ist der Kampf um die Köpfe und die Seelen der Menschen“, so Schily. „Wenn wir keinen Zugang finden, dann wird das alles nur noch viel schlimmer.“

Schilys ehemaliger Kabinettskollege Joschka Fischer sieht die Lage in Afghanistan ebenfalls mit Sorge. „Durch den Abzug quasi über Nacht ist dort ein Vakuum entstanden, das gewaltige Risiken in sich birgt“, sagte der frühere Außenminister (1998-2005) und Grünen-Politiker der „Süddeutschen Zeitung“. Die USA hätten einen „ganz großen Fehler“ gemacht, indem sie sich allein um den Kampf gegen die Taliban und das Terrornetzwerk Al-Kaida gekümmert und danach ihre Anstrengungen auf den Irak verlagert hätten.

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnt trotz des Scheitern des Afghanistan-Einsatzes vor der Schlussfolgerung, jedes militärische Engagement sei von vornherein zum Scheitern verurteilt. Künftig sei aber eine „gewisse Bescheidenheit“ angebracht, und die Ziele solcher Einsätze müssten zu den Ressourcen und dem Zeitaufwand passen, den man aufzubringen bereit sei, sagte Ischinger im phoenix-Interview. Im Kosovo und in Bosnien seien seit 25 Jahren westliche Soldaten stationiert, und „wir haben es tatsächlich vermocht, dort im südwestlichen Europa das Aufkeimen neuer militärischer Konflikte zu verhindern“. (dpa/os)

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