Über dem Tour-Peloton schwebt eine Streikwolke

<p>Auch der Vorjahreszweite Primoz Roglic gehörte zu den Opfern der dritten Etappe.</p>
Auch der Vorjahreszweite Primoz Roglic gehörte zu den Opfern der dritten Etappe. | Foto: dpa

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die vierte Etappe am frühen Dienstagnachmittag wie geplant gestartet werden wird.

Dass es bei Radrennen immer wieder mal zu Stürzen kommt, liegt bedauerlicherweise in der Natur der Dinge. Doch gerade in den letzten Jahren, und vor allem bei der Tour de France, hat ihre Häufigkeit und Heftigkeit deutlich zugenommen. Besonders in den ersten Etappen stehen Fahrer und Teams, die Sprinter und/oder Anwärter auf den Gesamtsieg in ihren Reihen zählen, unter einem außerordentlichen Druck. Das sorgt vor allem in den Schlussphasen für spürbare Hektik und Nervosität.

Was sich am Montag auf den letzten Kilometern in Richtung Pontivy abgespielt hat, schlägt jedoch dem Faß den Boden aus. Verständlich, dass einige Fahrer, aber auch ihre Sportdirektoren offen mit Streikmaßnahmen drohen. Denn das „Sturz-Festival“ kam nicht überraschend, und das wirft ein äußerst schlechtes Licht auf den Radsportweltverband UCI und den Tour-Veranstalter Amaury Sport Organisation (ASO).

Nach einer Streckenbesichtigung der Schlussphase mit einigen Spitzkehren hatten einige Team gefordert, dass die sonst drei Kilometer vor dem Ziel erfolgende Zeitnahme nach vorne gelegt werden soll: entweder fünf oder acht Kilometer vor dem Ziel. Dazu muss man wissen: Wer nach dieser Zeitnahme stürzt und sich im Hauptfeld befindet, wird in der gleichen Zeit wie der Etappensieger gewertet. Dieser Antrag wurde jedoch mit Verweis auf das geltende Regelwerk von den UCI-Kommissaren abgelehnt.

So aber beteiligten sich nicht nur die Sprinter-Teams, sondern auch die Anwärter auf das Gelbe Trikot an der Tempohatz in Richtung Pontivy, sinnigerweise der Geburtsort von UCI-Präsident David Lappartient. Und es kam leider, wie es kommen musste.

Die Wut und das Kopfschütteln im Peloton ist verständlicherweise riesig. Am schnellsten und deutlichsten reagierte Marc Madiot, Teamchef des französischen FDJ-Teams. Er hatte seinen Siegsprinter Arnaud Dmare wenige Kilometer vor dem Ziel bei einem Sturz verloren und sagte völlig aufgebracht: „ Wenn ich so etwas sehe, möchte ich nicht, dass mein Kind Radprofi wird. Das ist kein Radsport mehr.“ Der einstige Tour-Etappensieger forderte: „Wir müssen das ändern, sonst wird es Tote geben.“´

In seiner täglichen Kolumne von „Het Nieuwsblad“ brachte Tour-Teilnehmer Jan Bakelants (Intermarché-Wanty-Gobert) seine Befürchtung zum Ausdruck, dass solche Vorkommnisse dem Radsport schweren Schaden zufügen. „Nein, Stürzen gehört nicht zu unserem Job“, warnte er davor einfach zur Tagesordnung überzugehen. „Das ist keine gute Werbung für unseren Sport. Welche Multinationale möchte sich schon mit gebrochenen Knochen und einem bandagierten Peloton in Verbindung bringen lassen.“

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