Fan löst Massensturz aus: Alaphilippe triumphiert im Tour-Chaos

<p>Eine Grußbotschaft verursachte einen große Massencrash bei der ersten Etappe</p>
Eine Grußbotschaft verursachte einen große Massencrash bei der ersten Etappe | Foto: belga

Beim spektakulären Auftakt haben die ersehnte Rückkehr der Fanmassen und ein weiterer folgenschwerer Crash mit Chris Froome als Hauptopfer für großes Chaos gesorgt.

Weltmeister Alaphilippe setzte sich nach 197,8 km zwischen Brest und Landerneau mit acht Sekunden Vorsprung auf den Australier Michael Matthews (BikeExchange) und den Vorjahreszweiten Primoz Roglic (Slowenien/Jumbo-Visma) durch. Der 29-jährige Alaphilippe, der im langgezogenen Anstieg zum Ziel angegriffen hatte, eroberte damit wie im Vorjahr in Nizza am Auftaktwochenende das Gelbe Trikot – damals hatte er die zweite Etappe gewonnen.

<p>Erster Etappensieger der diesjährigen Tour: Julian Alaphilippe</p>
Erster Etappensieger der diesjährigen Tour: Julian Alaphilippe | Foto: belga

Das Gelbe Trikot erfolgreich zu verteidigen, wird für den frischgebackenen Vater eine immens anspruchsvolle Aufgabe: Die zweite Etappe endet am Sonntag mit dem kurzen, aber heftigen Anstieg zur Mur-de-Bretagne.

Massensturz wegen Grußbotschaft

Kurz aber heftig war auch die meistdiskutierte Szene am Samstag: Rund 45 Kilometer vor dem Ziel war ein weiblicher Fan mit dem Rücken zum heranrasenden Feld auf die Straße getreten und hatte ein Schild mit der Aufschrift „Allez Omi/Opi“ in die Motorrad-Kamera gehalten. Martin an der Spitze des Peloton knallte aus voller Fahrt in das Plakat, was einen Massensturz von einem guten Drittel aller Fahrer auslöste.

Die Frau blieb offenbar unverletzt, andere erwischte es schlimmer. Zahlreiche Fahrer erlitten Blessuren, der Jasha Sütterlin musste gar aufgeben. Martin fuhr kopfschüttelnd mit blutenden Wunden dem Feld hinterher, der 36 Jahre alte Edelhelfer von Mitfavorit Roglic hatte dabei sogar noch Glück: Als er mit dem Kopf auf den Asphalt knallte und ihn danach andere Fahrer erwischten, rettete Martin sein Helm.

„Das war ein sehr unglücklicher Sturz, zum Glück ist unseren Fahrern nichts Dramatisches passiert“, sagte Bora-hansgrohes Sportlicher Leiter Enrico Poitschke, aus dessen Rennstall unter anderem Nils Politt in den Crash involviert war.

Ein weiterer übler Massencrash keine zehn Kilometer vor dem Ziel sprengte das Peloton dann endgültig. Bei rasender Fahrt war im Vorderfeld ein Fahrer zu Fall gekommen und hatte erneut eine Kettenreaktion ausgelöst. Zahlreiche Profis flogen spektakulär ab, der viermalige Tour-Sieger Froome, der nach einem fürchterlichen Unfall 2019 sein Comeback bei der Großen Schleife feierte, wurde unter großen Schmerzen behandelt.

Bora hatte die Geschichte des Rennens über die wie in Vor-Corona-Zeiten von Fan-Heerscharen gesäumten bretonischen Straßen lange maßgeblich mitgeschrieben. Der niederländische Youngster Ide Schelling, der den zuletzt gesundheitlich angeschlagenen Vorjahres-Etappensieger Lennard Kämna ersetzt hatte, war früh mit fünf weiteren Fahrern ausgerissen und hatte sich rund 60 km vor dem Ziel alleine davon gemacht.

Der 23-Jährige, der bei den Frühjahrsrennen bereits einen exzellenten Eindruck hinterlassen hatte, fuhr rund drei Minuten Vorsprung heraus und sammelte fleißig Bergpunkte. Schelling geriet zwar ebenfalls an einen durchgeknallten Fan, der ihm mit einem Nebelhorn ins Ohr trötete, und wurde 25 km vor dem Ziel gestellt – als erster Träger des Bergtrikots sorgte er dennoch für einen starken Bora-Auftakt. (sid/tf)

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