Leuchtende Lavafontänen sprudeln aus der Erde hervor

<p>Die aktiven Krater inmitten der schneebedeckten Berge Foto: Philippe Beck</p>
Die aktiven Krater inmitten der schneebedeckten Berge Foto: Philippe Beck

Die nächsten Ortschaften liegen aber in sicherer Entfernung. Die schwarzen Lavafelder zwischen dem internationalen Flughafen von Keflavík und der Hauptstadt Reykjavík machen deutlich, dass die Halbinsel Reykjanes von mehreren Vulkansystemen bestimmt wird. Doch liegt der letzte Vulkanausbruch dort rund 800 Jahre zurück. Als ab Mitte Februar die Region durch sich häufende Erdbeben erschütterte wurde, war deutlich, dass es unter der Oberfläche brodelte. Häuser und andere Bauwerke sind gestaltet, um den Erdbeben standzuhalten. Doch waren diese zeitweilig so heftig und überschritten den Wert 5 auf der Richterskala, dass einige Anwohner die Gegend verließen, um Ruhe bei Freunden in abgelegenen Ortschaften zu finden. Eva-Maria Klumpp aus Deutschland ist seit dem Jahr 2005 als Reiseleiterin auf Island tätig und wohnt in Hafnarfjörður, einem Vorort der Hauptstadt: „Das war nicht mehr auszuhalten. Ich konnte das viele Schütteln und Wackeln in meiner Wohnung nicht mehr ertragen. Da bin ich zu einer Freundin nach Snæfellsnes (eine Halbinsel nördlich von Reykjanes, A.d.R.) gezogen.“

<p>Die sich voranwälzende Lava kann schädliche Gase freisetzen. Foto: Philippe Beck</p>
Die sich voranwälzende Lava kann schädliche Gase freisetzen. Foto: Philippe Beck

Am 19. März war es schließlich soweit: Aus einem Erdriss beim Berg Fagradalsfjall im Süden der Halbinsel sprudelte heiße Lava hervor und bildete zwei Krater. Seitdem hat sich die Erde an weiteren Stellen geöffnet, so dass die heiße Masse in zwei verschiedene Täler fließt. Alle Krater und Risse befinden sich auf einer Linie, die sich auf etwa einen Kilometer hinweg erstreckt.

<p>Zwei Freiwillige des Rettungsteams nehmen vor fließender Lava Gasmessungen vor.</p>
Zwei Freiwillige des Rettungsteams nehmen vor fließender Lava Gasmessungen vor. | Foto: Philippe Beck

Asche produziert die Vulkankette kaum. Auch der Ausstoß an für den Menschen schädlichen Gasen hält sich in Grenzen, so dass das Naturphänomen aus nächster Nähe bewundert werden kann. Die orangeleuchtende Lava sprüht aus den Kratern und Rissen hervor und nimmt beim Abkühlen eine schwarze Farbe an. Stellenweise entstehen glühende Flüsse, die bergab ins nächste Tal schießen. Anderenorts wälzt sich die Lava nur langsam voran und drückt bereits erhärtete Erdmassen nach oben, so dass meterhohe, schwarze Gesteinswände entstehen. Die Zeitung „The Reykjavík Grapevine“ berichtete, dass es sich sehr wahrscheinlich um die älteste Lava handelt, die Island in den letzten 7.000 Jahren gesehen hat. Der Geophysiker Magnús Tumi Guðmundsson erklärte dem isländischen Radiosender Bylgjan gegenüber, dass die Lava aus etwa 20 Kilometern Tiefe stammt: „Dann sind wir unter der Erdkruste, von dort aus ist sie direkt nach oben gekommen.“

<p>Eine Luftaufnahme der aktiven Vulkane</p>
Eine Luftaufnahme der aktiven Vulkane | Foto: Philippe Beck

Island liegt auf dem Mittelatlantischen Rücken und gehört geologisch gesehen sowohl zur Nordamerikanischen als auch zur Eurasischen Platte. Die Insel zählt etwa 30 Vulkansysteme, wovon sich mehrere auf der Halbinsel Reykjanes befinden. (phibes)

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