Neue Grenzkunstroute „auf Köpfchen“ startet Anfang Juni

<p>Benjamin Fleig als künstlerischer Leiter und Alice Loo als Projektleiterin sind die beiden treibenden Kräfte hinter der Grenzkunstroute021, die am 6. Juni eröffnet wird und bis in den Herbst hinein laufen soll.</p>
Benjamin Fleig als künstlerischer Leiter und Alice Loo als Projektleiterin sind die beiden treibenden Kräfte hinter der Grenzkunstroute021, die am 6. Juni eröffnet wird und bis in den Herbst hinein laufen soll. | Foto: Elli Brandt

So ein Mammutprojekt ist nicht alle Jahre zu realisieren, doch die „Grenzkunstroute 021“ ist fertig ausgearbeitet, steht in den Startlöchern. Am 6. Juni wird sie eröffnet und soll bis zum 31. Oktober präsent sein, umrahmt von zahlreichen Kulturveranstaltungen.

Internationale Künstler hat KuKuK e.V. eingeladen, sich mit dem Thema „Heimat – fragile“ in der deutsch-belgischen Grenzlandschaft künstlerisch auseinanderzusetzen. Dem Bewerbungsaufruf folgten rund 40 Künstlerinnen und Künstler. Ausgewählt wurden 20 Bewerber. Eigens für die Grenzkunstroute021 schufen sie Kunstwerke, die nun in der Freilichtausstellung im Grenzwald 16 Kunststationen bilden. Die Grenzkunstroute wird fast komplett vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Die Auswahl der Künstler ist international. Viele Künstler aus Belgien sind dabei.

„Die künstlerischen Ausdrucksformen bewegen sich zwischen Environmental Art, Installation und Skulptur, im Spannungsfeld zwischen zart beobachtend und wuchtiger Behauptung“, so der künstlerische Leiter der Grenzkunstroute, Benjamin Fleig. „Ihre Gestaltung spielt mit der umgebenden Natur, mit Wind, Geräuschen oder Temperatur sowie mit der Bewegung und der Wahrnehmung der Besucher“, fügt er an.

Rund drei Kilometer lang ist der Rundweg im Wald entlang der Grenze. Besucher können sich entweder alleine auf Entdeckungstour begeben oder sich einer Führung anschließen. Begegnen werden sie der Installation von Elparo, die den Titel „Hurricane“ trägt. Große Holzlocken, ähnlich denen, die man in einer Schreinerei, in der gehobelt wird, findet, nur in einer viel größeren Dimension, hat der Künstler in einer Lichtung platziert. Nicht zu übersehen auch die Installation von Garvin Dickhof. Kabelbinder, Glieder von Zollstöcken bilden eine Art Nest um einen Baum, eine Art geschützte Behausung. Einen Durchmesser von rund Meter hat die Installation

Rund 20 Künstler wurden für das Projekt ausgewählt.

Ein Baum und viele Buchstaben verbinden sich zum Kunstwerk von Olivier Pé. Der Wind setzt Buchstaben in Bewegung. Immer neue Wörter werden gebildet. Es geht um eine poetische Abfolge von Begriffen, um Dialog und Chaos. Gar nicht so einfach und sogar gefährlich dürfte es gewesen sein, die „Gedichte auf Holz“ im Baum unterzubringen.

Ein weißes Kissen in der Landschaft lädt aus der Ferne zum Ausruhen ein, doch es entpuppt sich als steinhart, denn es besteht aus Marmor. In einem anderen Waldstück begegnet der Kunstroutenwanderer einem Ensemble von Eiern. Mindestens 50 Eier dürften es sein, einige mannsgroß, andere nicht größer als Straußeneier. Aus Beton hat die niederländische Künstlerin Meels Dees ihre Skulpturen gefertigt, mit Altkleidern ausgestopft. Ihr Thema ist Schutz, Sicherheit für die Brut.

Tanja Mosblech und Romain van Wissen haben gemeinsam eine Installation geschaffen, die sie „Heimat“ nennen. Ein Wohnzimmer mitten im Wald. Das Rauminnere nach außen gekehrt. Quasi ein Wohnraum, der aus der Natur wächst. Die Möbel sind hellblau gestrichen. Zwiespältige Gefühle weckt die Installation. Es geht um vorgegaukelte Heimeligkeit, um Gefahr der Natur, um Vergänglichkeit, und die Besucher dürften ganz unterschiedliche Gefühle entdecken.

Wie immer ist die Grenzkunstroute eingebettet in ein vielseitiges Kultur- und Pädagogikprogramm. Rund 65 Veranstaltungen hat das KuKuK-Team entwickelt. Geplant sind 39 Kulturveranstaltungen, also Konzerte, Filme, Theater, Tanz und thematische Spaziergänge. Hinzukommt das Pädagogikprogramm, das Workshops, Seminare, Führungen, Waldtheater und Waldwerkstatt bietet.

Rund 80 Prozent der Veranstaltungen, die das Rahmenprogramm der Grenzkunstroute bilden, finden im Freien statt.

„Rund 80 Prozent der Veranstaltungen finden im Freien statt“, sagt Projektleiterin Alice Loo. Möglich macht es die neuste Errungenschaft am Grenzübergang Köpfchen: eine Waldbühne. „Mit der eigens gebauten Waldbühne hat der KuKuK optimale Voraussetzungen geschaffen, auch unter pandemischen Bedingungen seine Veranstaltungen für ein vielschichtiges Publikum durchzuführen“, heißt es bei der Kulturvereinigung. Die Freilichtbühne ist überdacht, bietet Raum für große und kleinere Darbietungen.

Eröffnet wird die „Grenzkunstroute 021 fragil“ am 6. Juni mit einer Ausstellung. Gezeigt werden die neusten Arbeiten des Fotografen Willi Filz. Beeindruckende Aufnahmen hat Willi Filz von seinem Aufenthalt im Flüchtlingslager Lesbos mitgebracht. Die Vernissage beginnt um 14 Uhr. Ein Konzert der „Regio Bigband“ ist vorgesehen und eine Kuratorenführung.

grenzkunstroute21.eu

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