Raerener Mehrheit hält an Schule Lichtenbusch fest und schmettert Kompromissvorschlag der Opposition ab

<p>Ginge es nach der Opposition, würde der Kindergarten in Lichtenbusch bleiben und die Primarschule mit der Schule Eynatten fusionieren, die zu diesem Zweck ausgebaut werden würde.</p>
Ginge es nach der Opposition, würde der Kindergarten in Lichtenbusch bleiben und die Primarschule mit der Schule Eynatten fusionieren, die zu diesem Zweck ausgebaut werden würde. | Foto: David Hagemann

Zumindest in einem Punkt sind sich Mehrheit und Opposition in Raeren einig: Es muss eine Lösung her für die Schule Lichtenbusch – und das besser heute als morgen. „Es ist Eile geboten“, erklärte der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde, Erwin Güsting (Mit Uns), am Donnerstagabend von der Oppositionsbank aus – dies auch vor dem Hintergrund, dass das Kindergartenalter 2024 auf zweieinhalb Jahre herabgesetzt wird und die Schule bereits jetzt aus allen Nähten platzt. Zudem werde in absehbarer Zeit auch in der Schule Eynatten nach Einschätzung der Fraktion dringend mehr Platz benötigt, da im Dorf fleißig gebaut werde.

Kindergarten soll am jetzigen Standort in Lichtenbusch bleiben.

Warum also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und beide Schulen am Standort in Eynatten fusionieren? Konkret schlägt die Liste „Mit Uns“ vor, das Gebäude hinter der Schule Eynatten, in dem aktuell das Regionalzentrum für Kleinkindbetreuung (RZKB) mit der nachschulischen Betreuung untergebracht ist, abzureißen, sodass „die Möglichkeit geschaffen wird, an gleicher Stelle einen Neubau mit einer Gesamtfläche von bis zu 3.000 Quadratmetern verteilt auf drei Etagen zu errichten“ – und das im laufenden Schulbetrieb, was „ohne Probleme möglich ist“, so Güsting.

Um dem sozial-gesellschaftlichen Aspekt weiterhin gerecht zu werden, soll der Kindergarten „als Grundstein für grenzüberschreitende Freundschaften und Kennenlernmöglichkeiten“ an seinem aktuellen Standort in Lichtenbusch verbleiben. Damit einhergehen würde eine Sanierung des alten Schulgebäudes.

Bevor man zwei neue Schulen baue, eine in Lichtenbusch und eine in Eynatten, sei es sinnvoller, eine große in Eynatten zu errichten, beziehungsweise die bestehende Schule in Eynatten auszubauen, zumal die dort bereits vorhandene Infrastruktur – darunter die Sporthalle, der Spielplatz und die Küche – die besten Voraussetzungen für einen Schulstandort biete, im Gegensatz zu Lichtenbusch, wo „die Internetverbindung wesentlich schlechter ist“ als im 3,7 Kilometer entfernten Eynatten und die Busanbindung nicht optimal sei.

Eine Fusion sei zudem nachhaltiger als ein Neubau in Lichtenbusch. „In ihren Erwägungen lässt die Mehrheit komplett außer Acht, dass zwei Gebäude einen höheren Energieverbrauch haben als ein zentraler Standort, der um die nötige Fläche erweitert wird“, erklärte Frederik Wertz, der für seine Fraktion den Anspruch erhob, „grüner als die Grünen zu sein“, da im Falle einer Fusion – anders als bei einem Neubau in Lichtenbusch – keine weitere Flächenversiegelung vorgenommen werden müsse.

Auch aus pädagogischer Sicht sei eine Zusammenlegung beider Schulen nach Ansicht von „Mit Uns“ sinnvoll: „Man würde neuen Lernformen auf diese Weise den notwendigen Raum geben“, erklärte die ehemalige Schulschöffin Marcelle Vanstreels (Mit Uns). Ein größeres Lehrerkollegium ermögliche „einen erweiterten kollegialen Austausch und ressourcenschonende Arbeitsteilung“. Außerdem ermögliche die ausgebaute Gemeindeschule Eynatten Schülern mit Inklusionsbedarf die bestmögliche Teilhabe am Regelunterricht, da die nötigen Förderpädagogen an einem Schulstandort eingesetzt werden können und nicht von Schule zu Schule tingeln müssten.

An der Zukunft der Schule Lichtenbusch scheiden sich in Raeren seit langem die Geister – zuletzt hatte dieser Streitpunkt zum Bruch der Mehrheit geführt, oder zumindest dazu beigetragen, dass Ecolo das Mehrheitsabkommen mit seinem damaligen Partner „Mit Uns“ vor einem Monat aufkündigte. Die „sitzen gelassene“ Oppositionsfraktion hatte im Vorfeld der Ratssitzung am Donnerstagabend in den Saal Kessel geladen, um der Presse ihren „Kompromissvorschlag“ in aller Ausführlichkeit vorzustellen.

Eine Kostenschätzung gebe es zwar noch nicht, so Erwin Güsting, unterm Strich sei der angepriesene Kompromissvorschlag jedoch die kostengünstigere Variante, ist er überzeugt. Die Idee sei „gut durchdacht“, betonte Güsting, der sich kurz vor dem Gemeinderat noch optimistisch zeigte, auch die Mehrheit davon überzeugen zu können, zumal Schöffe Ulrich Deller (Ecolo) – als man sich noch besser untereinander verstand – dem Kompromiss zugestimmt habe: „Ich bin guter Dinge, dass, wenn man alle Aspekte in die Waagschale wirft, die Verfechter eines Schulneubaus in Lichtenbusch erkennen werden, dass eine Fusion der bessere Weg ist.“

Ein geeignetes Baugrundstück ist noch nicht gefunden, aber es gibt „mehrere Möglichkeiten“.

Doch da irrte der ehemalige Bürgermeister gewaltig: Im Gemeinderat brachte die Fraktion ihren Vorschlag erneut vor – Zuspruch erntete sie jedoch nicht. Im Gegenteil: Schulschöffin Naomi Renardy (CSL) widersprach der Argumentation des ehemaligen Bürgermeisters, wonach eine Fusion besonders der Pädagogik zugutekomme. Sie erklärte: „Die Qualität des Unterrichts ist keine Frage der Größe einer Schule, sondern des didaktischen Konzepts.“ Sie lobte das „hoch motivierte und leistungsstarke Lehrerkollegium“, das „trotz schwieriger Arbeitsbedingungen hervorragende Arbeit leistet“ sowie ein Konzept, das jahrgangsübergreifendes, eigenverantwortliches Lernen in den Mittelpunkt rückt. Die Schulschöffin machte unmissverständlich klar, dass „der Bildungsstandort Lichtenbusch in der Gemeinde weiterhin verankert bleiben und in Form eines Neubaus abgesichert werden muss, insofern ein passendes Baugrundstück gefunden wird“. Aktuell bestünden mehrere Möglichkeiten, so Renardy.

Dass ein Ausbau der Schule Eynatten, unabhängig von einer möglichen Fusion, unabdingbar sei, wie die Opposition behauptet, entspreche nicht der Wahrheit: „Momentan gibt es dort selbst für die Einrichtung zusätzlicher Klassen ausreichend Spielraum“, versicherte sie und äußerte außerdem ihre Befürchtung, dass eine Fusion beider Schulen am Standort Eynatten zu einem „Verkehrschaos sondergleichen“ führen würde.

Ulrich Deller (Ecolo) pflichtete seiner Schöffenkollegin bei: „Wo gute Lehrer sind, da kann man auch die Schule erhalten“, erklärte er. Es folgte ein hitziger Schlagabtausch mit gegenseitigen Schuldzuweisungen und Beschimpfungen – Christoph Heeren (Mit Uns) bezichtigte Ulrich Deller der Lügen –, sodass Bürgermeister Jérôme Franssen (CSL) eingreifen musste und die Diskussion auf ein sachliches Niveau zurückbrachte. „Nachhaltigkeit und Pädagogik sind zwei Elemente, die man nicht an einem Standort festmacht. Was von der Opposition an Argumenten für eine Fusion aufgeführt wird, lässt sich wunderbar auch in Lichtenbusch realisieren“, resümierte Franssen und ergänzte: „Das Zusammenlegen von zwei eingespielten Lehrerkollegien ist nicht so einfach realisierbar, wie man glauben könnte. Wie heißt es so schön? Never change a winning team (verändere niemals ein erfolgreiches Team) – das bestärkt uns darin, an dem Schulstandort Lichtenbusch festzuhalten.“ Damit erklärte das Gemeindeoberhaupt die Diskussion um die Zukunft der Schule Lichtenbusch für beendet. Zumindest für den Moment.

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