Am Donnerstagabend erwartete Erwin Güsting und seine Mit-Uns-Fraktion im Raerener Gemeinderat ein Misstrauensantrag von Ecolo und CSL, der das Ende seiner Zeit auf dem Bürgermeisterstuhl bedeutete. Vor dem Mehrheitswechsel und seinem unfreiwilligen Abschied als Gemeindeoberhaupt wollte sich Erwin Güsting aber nicht die Gelegenheit nehmen lassen, noch ein letztes „Herzensprojekt“ auch nach außen hin als seines zu „verkaufen“.
Durch die Anschaffung müssen Gemeindearbeiter künftig nicht mehr tagelang Unkraut mit der Hand zupfen.
„Ich habe zum Schluss noch mal ein bisschen Geld ausgegeben“, scherzte Erwin Güsting am Donnerstagmorgen auf dem Bauhofgelände in der Eynattener Industriezone – obwohl ihm in den vergangenen Tagen sicherlich nicht besonders häufig zum Lachen zumute gewesen sein dürfte. Und die Formulierung „ein bisschen“ ist in diesem Fall auch leicht untertrieben, denn die neue Vorzeigemaschine des Raerener Bauhofs schlägt mit 215.000 Euro zu Buche. Eine stolze Summe, deren Investition sich allerdings rentieren wird, ist Erwin Güsting, in dessen Aufgabenbereich der kommunale Fuhrpark fiel, überzeugt.
Vor allem die Befreiung der Straßenränder von Wildkräutern soll „die Neue“ deutlich besser bewerkstelligen als die vorherige Maschine, die oft nicht hinterherkam. „Bislang mussten unsere Mitarbeiter zudem zusätzlich viele Stunden auf den Knien verbringen, um das Unkraut zu entfernen. Das war ein hoher Arbeitsaufwand, den man sich künftig sparen und die Leute an anderer Stelle einsetzen kann“, gibt er zu bedenken.

Öffentliche Straßenränder, Bordsteinkanten und Regenrinnen sollen auf dem Gebiet der Großgemeinde künftig weniger „wild“ erscheinen. „Aber das neue Gerät kann auch noch mehr“, hebt der Politiker dessen Polyvalenz hervor. So verfügt das Fahrzeug neben einer 360-Grad-Kamera, einem 600-Liter-Wassertank auch über einen „schwenkbaren Rüssel“, mit dem Gullys – je nach Bedarf – leer gesaugt oder ausgespült werden können. Mit einem Wasserdruck von bis zu 150 Bar kann so Verstopfungen im Kanalsystem zu Leibe gerückt werden.
Alte Maschine hatte stolze 19 Jahre auf dem Buckel und wird nun ausgemustert.
Dass die Anschaffung der neuen Maschine, die fünf Kubikmeter Abfall fassen kann und beladen bis zu elf Tonnen auf die Waage bringt, unumgänglich war, steht für Erwin Güsting außer Frage: „Die alte Kehrmaschine hat mittlerweile 19 Jahre auf dem Buckel. Sie ist 97.000 Kilometer gefahren und 16.000 Stunden gelaufen. Sie arbeitete nicht mehr wirtschaftlich und es war wirklich allerhöchste Zeit, sie aus dem Betrieb zu nehmen.“
Wenige Stunden, bevor er aus dem Amt scheiden sollte, zeigte sich der Bürgermeister froh, zumindest dieses Projekt noch unter seiner Federführung abschließen zu können. „Vieles andere wird mir ja leider verwehrt bleiben“, zuckt er mit den Schultern. Ob er denn nicht ein bisschen „nachgeholfen“ habe, damit die neue Vorzeige-Maschine tatsächlich noch an seinem letzten Arbeitstag als Bürgermeister im Raerener Bauhof in Betrieb genommen werden konnte, will das GrenzEcho von ihm wissen. „Sie sollte in allernächster Zeit geliefert werden. Ich war dann so frei, meinen letzten Tag als Verantwortlicher des Bauhofs hierfür zu nutzen“, verrät er schelmisch. Wer will es ihm verdenken...


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