Ein Titelduell ist dieser deutsche Clásico nicht, die Brisanz trotzdem riesengroß. Auf dem Weg zur nächsten Meisterschaft will Tabellenführer FC Bayern gerade gegen Borussia Dortmund als größten Rivalen des vergangenen Jahrzehnts ein Zeichen der Stärke setzen. „Spiele gegen Dortmund sind immer besonders“, hob Joshua Kimmich hervor. „Wir haben zwar ein paar Punkte Vorsprung, aber Dortmund hat die Qualität oben mitzuspielen. Daher macht die Mentalität am Ende vielleicht den Unterschied.“ Liebend gerne möchte der BVB die Bayern von der Spitze stürzen.
Der Tabellenfünfte Dortmund hat bei 13 Punkten Rückstand auf die Münchner keine reelle Chance mehr auf die Schale, auf Augenhöhe begegnen sich die beiden Champions-League-Achtelfinalisten am Samstag (18.30 Uhr) nicht. Ein Sieg in der Allianz Arena gegen den im direkten Duell zuletzt viermal in Serie erfolgreichen Club-Weltmeister wäre abgesehen von Punkten für die Königsklassen-Qualifikation auch fürs Prestige äußerst wertvoll. „Im Clásico knistert es immer“, sagte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Dortmund erstmals seit 2016 vor dem Knaller nicht in den Top 4 platziert ist. „Es bleibt ein Spitzenspiel“, stimmte Bayern-Präsident Herbert Hainer zu.
Aber vor diesem Kräftemessen spricht alles für die Bayern. Anders als die im Pokal ins Halbfinale eingezogene Borussia, hatten die im Cup-Wettbewerb längst ausgeschiedenen Münchner eine komplette Trainingswoche. Während beim Serienmeister die Ausfallserie weitestgehend beendet ist, muss der Gast auf die eigentlich unverzichtbaren Stammkräfte Sancho (neun Vorlagen) und Guerreiro (acht) sowie auf Gio Reyna verzichten. Und in München gab es zuletzt bei sechs Bundesligapartien mit null Punkten und 3:26 Toren so manche Lehrstunde. „Ich habe immer das Gefühl, dann macht es beim FC Bayern immer noch besonders Klick“, sagte Sportdirektor Michael Zorc.
Trainer Hansi Flick, der alle seine vier Pflichtspiele gegen Dortmund gewann, hat durch die Rückkehr von Müller und Goretzka nach deren Corona-Infektionen auch die Stammbesetzung für die Mittelfeldzentrale zusammen. Der „Wiedereinstieg“ gegen Köln sei kein Problem gewesen, berichtete Müller, der beim 5:1 sein Konto als bester Vorlagengeber der Liga auf elf erhöhte. „Ein wichtiger Sieg ist dabei rausgekommen, der uns hilft, mit etwas Vorsprung weiter an der Spitze zu bleiben.“ Gegen Dortmund soll mit dem ebenfalls schon gegen Köln erfolgreich zurückgekehrten Serge Gnabry ein weiterer folgen.
Die Borussen hoffen auf Schwung durch den Pokalerfolg in Mönchengladbach und wollen nach zuletzt zwei 2:3-Niederlagen in München endlich wieder etwas Zählbares mitnehmen. „Wir haben in beiden Partien gezeigt, dass wir näher rangekommen sind“, sagte Trainer Edin Terzic (dpa/tf)

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